{"id":1784,"date":"2022-06-15T18:00:44","date_gmt":"2022-06-15T16:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=1784"},"modified":"2022-06-15T18:00:44","modified_gmt":"2022-06-15T16:00:44","slug":"wallfahrt-zur-heiligen-ottilie-am-kollmitzberg-im-mostviertel-am-11-06-2022","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wallfahrt-zur-heiligen-ottilie-am-kollmitzberg-im-mostviertel-am-11-06-2022\/","title":{"rendered":"Wallfahrt zur heiligen Ottilie am Kollmitzberg im Mostviertel am 11.06.2022"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag, 11.06.2022 war es wieder so weit. Eine Gruppe Wallfahreinnen und Wallfahrern der Blindenpastoral Linz unter der Leitung von Monika Aufreiter machte sich auf dem Weg nach Amstetten in Nieder\u00f6sterreich. Das genaue Ziel war die Kirche am Kollmitzberg der Heiligen Ottilie.<\/p>\n<p>Um 08:00 Uhr ging es mit dem Reisebus der Firma Hehenberger\u00a0und der beliebten Busfahrerin Renate, vom Treffpunkt beim Stellwerk Caf\u00e9 Bistro am HBF Linz los. Beim Bahnhof Amstetten wurde ein kurzer Stopp eingelegt, da 4 weitere Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Richtung Wien kommend im Bus zustiegen. Darunter auch die Leiterin des Blindenapostolats \u00d6sterreich, Henriette Etzenberger.<\/p>\n<p>Bei der Ankunft in <strong>Kollmitzberg wurden wir schon vom Leiter des <\/strong>Blindenapostolats <strong>St. P\u00f6lten, Heinz Kellner und von Hermine Mittermair erwartet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Etwas zu Kollmitzberg:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kollmitzberg liegt in der Marktgemeinde Ardagger an der Moststra\u00dfe und gilt als einer der sch\u00f6nsten Aussichtspunkte weit und breit. Man genie\u00dft hier nahezu freie Sicht in alle Himmelsrichtungen \u2013 vom Schneeberg bis zum Traunstein und \u00fcber das Donauland bis weit ins b\u00f6hmische Massiv. Der 469 m hohe Berg ist ein Ausl\u00e4ufer des b\u00f6hmischen Massivs auf dem rechten Donauufer. Verschwommene Verwallungen zeigen, dass der Kollmitzberg als Ganzes einmal eine Wallburg gewesen sein d\u00fcrfte (laut Bodenforschungen des Bundesdenkmalamtes). Auch die Kirche war einst eine Wehrkirche. Ihr Turm hat 2 m dicke Mauern. Auf gut \u00fcbersichtlichen Pl\u00e4tzen hatte man fr\u00fcher Beobachtungsst\u00e4nde, die dazu errichtet waren, Feinde so fr\u00fch wie m\u00f6glich zu erkennen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Um 09:45 Uhr wurde <\/strong>in der Wallfahrtskirche <strong>mit unserem Blindenseelsorger Franz Lindorfer die Heilige Messe gefeiert. Hier gilt ein besonderer Dank Herrn Reinhard Amon.\u00a0 Er ist kurzfristig als Organist eingesprungen und hat mit seinem fabelhaften Orgelspiel alle Anwesenden erfreut.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anschlie\u00dfend erkl\u00e4rte Hermine Mittermair die Geschichte der Wallfahrtskirche und zur heiligen Ottilie, die Schutzpatronin der Sehbehinderten und Blinden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die weithin sichtbare Wallfahrtskirche zur Heilligen Ottilie am Kollmitzberg in der Marktgemeinde Ardagger im Bezirk Amstetten wurde 1260 erstmals erw\u00e4hnt und gilt bereits seit dem Mittelalter als beliebte Pilgerst\u00e4tte. Sie ist die einzige der heiligen Ottilie geweihte r\u00f6misch-katholische Wallfahrtskirche in \u00d6sterreich und geh\u00f6rt zum Dekanat Amstetten in der Di\u00f6zese St. P\u00f6lten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Kirche hat ein gotisches Presbyterium mit Ma\u00dfwerkfenstern und Netzrippen sowie einem Sakramentsh\u00e4uschen und einer Ottilien-Statue. Seit 1691 finden Wallfahrten zur heiligen Ottilie statt, die besonders bei Augenleiden angerufen wird.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Etwas zur Ausstattung der Kirche:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ottilienaltar: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gegen\u00fcber dem S\u00fcdeingang befindet sich der Ottilienaltar mit einer geschnitzten, vergoldeten, sp\u00e4tgotischen Sitzplastik der Kirchenpatronin entstanden um 1500. Sie zeigt die Schutzpatronin gegen Augenleiden mit ihrem Attribut, der ge\u00f6ffneten Bibel mit einem Augenpaar. Wahrscheinlich war die Figur Teil eines gr\u00f6\u00dferen gotischen Fl\u00fcgelaltars, welcher aber in der Barockzeit abhanden kam.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deckenbilder: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Deckenbilder im Langhaus stammen vom Wiener Maler Franz Pitza. Sie wurden im Jahr 1955 geschaffen und zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Ottilia.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sakramentsh\u00e4uschen: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Schmiedeeisent\u00fcr des 6 m hohen Sakramentsh\u00e4uschens an der n\u00f6rdlichen Chorwand zeigt die Jahreszahl seiner vermutlichen Entstehung 1492. Es diente zur Aufbewahrung der geweihten Hostien, verlor aber dann seine Funktion im Zuge der liturgischen Neuordnung im Konzil von Trient.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die heilige Ottilie: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die heilige Ottilia lebte vor rund 1300 Jahren im Elsass. Sie wurde blind geboren \u2013 was damals wohl ein noch schlimmeres Schicksal als heute bedeutete. Im Augenblick ihrer Taufe soll sie dann aber, so hei\u00dft es, auf wunderbare Weise ihr Augenlicht erlangt haben. Sp\u00e4ter wurde Ottilia \u00c4btissin und stand zwei Kl\u00f6stern vor. Der Kult der inzwischen Heilig gesprochenen Ottilia als Helferin bei Augenleiden war im Mittelalter vor allem in S\u00fcddeutschland weit verbreitet. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Legende berichtet, dass ihr als gewaltt\u00e4tig bekannter Vater seine blind geborene Tochter Odilia t\u00f6ten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte und durch eine Amme in das Kloster Palma &#8211; wohl das heutige Baume-les-Dames am Doubs &#8211; bringen lie\u00df. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie<\/strong><\/p>\n<p>Auch dem Ottilienwasser, das auf dem Kollmitzberg entspringt, wird eine heilende Wirkung zugesprochen, die vor allem Augenleiden lindern soll.<\/p>\n<p><strong>Nach diesen interessanten Einblicken und Eindr\u00fccken machten wir uns \u00a0bereit zum <\/strong>Abgang zum Augenblickeweg.<\/p>\n<p>Der Kollmitzberg selbst stellt aufgrund seiner weitr\u00e4umigen Sichtbarkeit einen regionalen Blickpunkt sowie einen Aussichtspunkt dar, der ein 360 Grad-Panorama bietet.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wurde der \u201eAugenblicke\u201c-Themenweg angelegt. In acht Stationen sind die Besucher eingeladen, auf dem Kollmitzberg besondere Augenblicke zu erleben. Bei der ersten Station in der Wallfahrtskirche geht es um den \u201eBlick ins Innere\u201c. Zweite Station ist der \u201eDonaublick\u201c mit Panorama zum Donautal, Machland und Strudengau, gefolgt vom \u201eBlick nach oben\u201c auf der Bergkuppe des Kollmitzbergs: ein idealer Ort, um das Wetterph\u00e4nomen Wind genauer zu erforschen.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station ist der \u201eHeilende Augen-Blick\u201c am Augenbr\u00fcndl der Heiligen Ottilia in der N\u00e4he des Feuerwehrhauses. Jedenfalls warteten auf uns noch folgende Blicke: \u201eAlpenblick\u201c, \u201eSeitenblick\u201c, \u201eBlick nach unten\u201c und \u201eBlick zur\u00fcck\u201c. Entlang des Weges gab es viele B\u00e4nke zum Entspannen sowie Fernrohre, um das Rundum-Panorama in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weniger beschaulich, aber daf\u00fcr sehr unterhaltsam geht es am Kollmitzberg an einem Wochenende im September zu: dann findet der traditionsreiche Kollmitzberger Kirtag mit knapp 300 Ausstellern und \u00fcber 30.000 Besuchern statt! \u00dcbrigens: der Kirtag dauerte im 17. Jahrhundert bis zu 14 Tage. Unter anderem kamen an die 100 Schuster aus dem ganzen Land, boten ihr Schuhwerk an und kauften Rohleder von H\u00e4ndlern. Aus dieser Zeit stammt der Begriff \u201eSchusterkirtag\u201c. Eine spezielle Schuh-Kunstinstallation am Rand des Themenweges erinnert daran.<\/p>\n<p>Jetzt hatten wir uns eine gem\u00fctliche Rast und ein gutes Mittagessen im Gasthof zur Donaubr\u00fccke verdient. Dieser befindet sich mitten im malerischen Donautal, an der Donaubr\u00fccke, welche das Mostviertel mit dem unteren M\u00fchlviertel verbindet. Von hier kann man den unvergesslichen Blick auf die Stadt Grein und das Schloss Greinburg genie\u00dfen. Auch f\u00fchrt der Donauradwanderweg Passau \u2013 Wien direkt hier vorbei.<\/p>\n<p>Was haben \u201eGr\u00fcne Hoyerswerder, Fr\u00fche Schweizerbergamotte, Gr\u00fcne Magdalene, Kleine Muskateller, Herzogin von Angouleme oder Stuttgarter Gaishirtle\u201c gemeinsam? Sie sind, wie die \u201eM\u00fcskierte Pomeranzenbirne\u201c alles Birnensorten. Das konnten wir alles nach unserer Rast lernen.<\/p>\n<p>Da wir uns im Zentrum der nieder\u00f6sterreichischen Moststra\u00dfe befanden, war unser n\u00e4chster Programmpunkt das MostBirnHaus. Hier erfuhren wir alles \u00fcber die Birne. Von der Bl\u00fcte bis zum fertigen Produkt konnten wir alle Schritte miterleben. Aber auch das Leben mit der Birne wurde uns kurzweilig und interessant n\u00e4hergebracht.<\/p>\n<p>In der Ausstellung eingebunden ist auch das \u201eGod\u2019n Haus\u201c.<\/p>\n<p>Im Mostviertel nahmen die God\u2019nleute (Taufpaten) traditionellerweise eine wichtige Rolle im Familienleben ein. Sie standen dem T\u00e4ufling in vielen Lebensfragen zur Seite und warfen ein achtsames Auge auf das Kind. Am God\u2018ntag wurden Bekannte und Verwandte eingeladen und es gab immer nur besonderes Geschirr, Most und Essen.<\/p>\n<p>Auch uns hat die God\u2019n zum geselligen God\u2018ntag in ihr kleines H\u00e4uschen eingeladen. Der Tisch war gedeckt und man hatte das Gef\u00fchl, dass im n\u00e4chsten Augenblick die komplette Verwandtschaft auf Besuch zur God\u2019n kommt. Jedenfalls war es ein faszinierender Besuch in der Vergangenheit.<\/p>\n<p>Ebenso der Besuch im Mostkeller. Man musste eine schmale und steile Treppe hinuntersteigen. Und dabei, wie es fr\u00fcher so war, den Kopf einziehen. Dann stand man in einem wunderbaren gemauerten Gew\u00f6lbe. Es war alles vorhanden. Die Mostf\u00e4sser, die Mostflaschen und alles, was in solchen R\u00e4umlichkeiten vorkommen muss. Was ich pers\u00f6nlich nicht fand, war eine Mostpippn oder G\u00e4rgl\u00e4ser. Aber was sofort in die Nase Stach, war der typische Geruch solcher Keller. Den vergisst man sein Leben nie mehr.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gab es eine Birnenmostverkostung und nat\u00fcrlich auch eine Saftverkostung in der \u201eSpezerei\u201c.<\/p>\n<p>\u201eSpezerei\u201c ist ein heute kaum gebr\u00e4uchlich aus dem Mittelhochdeutschen stammender Begriff f\u00fcr Gew\u00fcrzwaren. Er wurde auch f\u00fcr Lebensmittel- oder Gemischtwarenl\u00e4den verwendet.<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch das Stift Ardagger. Ob die sp\u00e4tromanische Architektur, der einzigartige Kreuzgang, die unterirdische S\u00e4ulenkrypta oder das Margaretenfenster, das bedeutendste Glasgem\u00e4ldefenster der Romanik, dieses Stift ist ein vielf\u00e4ltiger Genuss und immer einen Besuch wert.<\/p>\n<p>Auch diese Wallfahrt hatte einmal ein Ende und so kamen wir, zwar etwas m\u00fcde und ersch\u00f6pft, Samstag abend p\u00fcnktlich beim HBF Linz an.<\/p>\n<p>Es war ein gelungener und lehrreicher Tag. Der ohne der Organisation und Leitung von Monika Aufreiter, so nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ein Danke an Franz Lindorfer f\u00fcr seine Messen, die immer zum Nachdenken anregen. Auch ein Danke an Reinhard Amon f\u00fcr sein tolles Orgelspiel. Und ein besonderer Dank gilt Hermine Mittermair f\u00fcr ihre F\u00fchrungen und Erkl\u00e4rungen, die ma\u00dfgeblich am Gelingen des Tages beitrugen. Ebenfalls ein Danke an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus St. P\u00f6ten und Wien, die sich den Ober\u00f6sterreichern anschlossen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ein gro\u00dfer und besonderer Dank an die Begleitpersonen. Ohne denen w\u00e4ren solche Unternehmungen nicht m\u00f6glich. Nat\u00fcrlich darf man Renate, unsere Busfahrerin nicht vergessen, auch ihr ein Danke.<\/p>\n<p>Bei der Recherche f\u00fcr diesem Bericht bin ich auf das \u201eMostWiki\u201c gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Link zum MostWiki: <a href=\"https:\/\/www.mostwiki.at\/\">https:\/\/www.mostwiki.at\/<\/a><\/p>\n<p>\u00a9 Juni 2022 by Gerhard Hojas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag, 11.06.2022 war es wieder so weit. 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