{"id":1939,"date":"2024-03-05T21:35:17","date_gmt":"2024-03-05T19:35:17","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=1939"},"modified":"2024-03-05T21:35:17","modified_gmt":"2024-03-05T19:35:17","slug":"menschen-mit-behinderung-aus-oberoesterreich-am-filmset-bei-des-teufels-bad-29-10-2021-bis-30-10-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/menschen-mit-behinderung-aus-oberoesterreich-am-filmset-bei-des-teufels-bad-29-10-2021-bis-30-10-2021\/","title":{"rendered":"Menschen mit Behinderung aus Ober\u00f6sterreich am Filmset bei\u00a0 \u201eDes Teufels Bad\u201c (29.10.2021 bis 30.10.2021)"},"content":{"rendered":"<p>Anmerkung Gerhard Hojas (Februar 2024): Silberner B\u00e4r f\u00fcr \u201eDes Teufels Bad\u201c. \u00d6sterreichischer Kameramann Martin Gschlacht bei Berlinale ausgezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wiener bekam die Auszeichnung f\u00fcr seine Kameraarbeit f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Film \u201eDes Teufels Bad\u201c zugesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Soap&amp;Skin-Star Anja Plaschg in der Hauptrolle zeichnet \u201eDes Teufels Bad\u201c ein Bild des ruralen Ober\u00f6sterreichs um 1750 anhand des Schicksals einer Frau, die in diesem archaischen Leben gefangen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kinostart: 08.03.2024<\/p>\n<p>Filml\u00e4nge: 130 Minuten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trailer \u201eDes Teufels Bad\u201c: <a href=\"https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x8rokaq\">https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x8rokaq<\/a><\/p>\n<h3>Und hier beginnt die Geschichte der Menschen Mit Behinderung aus Ober\u00f6sterreich bei \u201eDes Teufels Bad\u201c.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geschieht in Ober\u00f6sterreich in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein kleines Kind wird ermordet, eine Frau gesteht und stellt sich. Sie will f\u00fcr ihr Verbrechen hingerichtet werden. Und sie ist kein Einzelfall. (Quelle: Filminstitut.at).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist eine Kurzbeschreibung eines historischen Spielfilms, der gerade im Entstehen ist. Basierend auf einem wahren, bisher unbeleuchteten Kapitel europ\u00e4ischer Geschichte. Ein Film \u00fcber Frauen, Religion und Ritualmord und orientiert sich an damaligen Gerichtsprotokollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gedreht wird in \u00d6sterreich und Deutschland. Die Drehorte in \u00d6sterreich befinden sich haupts\u00e4chlich im Waldviertel (Sa\u00df, Kleinzwettl, H\u00f6llental).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei des Teufels Bad sind auch sehr viele Laiendarsteller aus Ober\u00f6sterreich, die zuvor nat\u00fcrlich alle gecastet wurden, dabei. Nach Empfehlung von der Kunstwerkstatt Theater Malaria (Diakoniewerk) wurden auch die Darstellerinnen und Darsteller der integrativen Theatergruppe ESSELLISSIMO von der Ulrich Seidl Film gecastet. Das war aber bereits im Jahr 2017. So lange l\u00e4uft dieses Projekt schon und durch Corona wurde es immer weiter nach hinten verschoben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anfang Oktober 2021 kam die Anfrage von Henry Steinmetz\u00a0 (Castingdirektor bei der Ulrich Seidl Film) ob noch Interesse besteht. Und so kamen Sabine P. und ich zu Filmehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Termin war am 23.10.2021 in K\u00f6nigsleiten bei Litschau. K\u00f6nigsleiten ist ein wundersch\u00f6nes und ruhiges Ferien- und Theaterdorf im Waldviertel. So ging es am Samstag zur Kost\u00fcmprobe mit g\u00fcltigem PCR-Test ins Waldviertel. Nach der Ankunft wurden wir auch sofort wieder einem Coronatest unterzogen. Vorher gab es keinen Zutritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Kost\u00fcmprobe kamen wir in einem Raum mit unz\u00e4hligen Kleiderst\u00e4ndern voller verschiedenster Klamotten. Dazu kamen noch Regale, angef\u00fchlt mit den unterschiedlichsten Schuhen. Nat\u00fcrlich alles der Zeit angepasst. So um das 18. Jahrhundert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da man schon vorher seine Kleider- und Schuhgr\u00fc\u00dfe bekannt gegeben hatte, wurde man mit seiner entsprechenden Kleidung ausger\u00fcstet. Es wurde dann alles probiert, getauscht, und wiederprobiert, bis alles sa\u00df und passte. Es gab nat\u00fcrlich mehrere Hosen, Hemden oder Schuhe zum Ausprobieren. Mein Janker war nicht barrierefrei. Da war das Innenfutter so kaputt, dass ich ohne Hilfe nicht reinkam. Schlie\u00dflich passte alles und wir wurden von allen Seiten fotografiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mir auch die verschiedenen Schuhe angesehen und wunderte mich, wie man damals damit gehen konnte. Sie waren schwer, fest und steif. Heute l\u00e4uft man mit Schischuhen so herum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Kost\u00fcm ging es anschlie\u00dfend in die Maske zum Schminken. Mir wurde mit dem Hinweis, \u201c im Mittelalter gab es keine gewaschenen Haare\u201c, sofort ein Fett in die Haare geschmiert und dann wurden sie zu einem Zopf zusammengebunden. Nat\u00fcrlich kam dann noch Schminke ins Gesicht um unreine Haut oder \u00c4derchen zu simulieren. Auch hier wieder Fotos von allen Seiten. Dann kam wieder das zur\u00fcckverwandeln an die Reihe. Abschminken und zur\u00fcck in die Privatkleidung. Ich bekam noch die Anweisung, in der kommenden Woche nicht die Haare zu waschen und einen Bart wachsen zu lassen. Und ganz wichtig: Eine warme Unterw\u00e4sche anzuziehen. Die Filmszenen spielten schlie\u00dflich im Mai.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da es am Freitag, 29.10.2021 schon sehr fr\u00fch los ging, fuhren wir schon am Donnerstag nach K\u00f6nigsleiten. Wir bekamen in Litschau ein Appartement f\u00fcr 2 N\u00e4chte zur Verf\u00fcgung gestellt und brauchten uns auch nicht um die Verpflegung k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Freitag, nach dem Eintreffen nat\u00fcrlich wieder sofort der Coronatest. Dann bekam man eine Nummer und mit dieser Nummer erhielt man seine vorbereitete Garderobe. Das faszinierende dabei, sie fragten nicht, wer man ist, sie wussten es und kannten uns alle beim Vornamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An den Kleiderst\u00e4ndern h\u00e4ngten jetzt S\u00e4cke mit den Nummern. Nat\u00fcrlich gab es auch hier wieder eine Unterst\u00fctzung beim Umkleiden. Man bekam sein Kost\u00fcm und die Privatkleidung kam in den Sack. Der kam dann zur\u00fcck mit der Nummer auf den Garderobest\u00e4nder. Das war mit Unterst\u00fctzung eine Angelegenheit von einigen Minuten. Gleichzeitig waren 5 Umkleidebereiche eingerichtet. Nat\u00fcrlich nach Geschlecht getrennt. Am 2. Tag ging es noch schneller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend kam wieder die Maske an die Reihe. Es wurde nach den Fotos aus der Vorwoche gearbeitet. Diesmal wurden auch noch die Fingern\u00e4gel und die H\u00e4nde geschminkt. Eigentlich alles, was von der Haut sichtbar war. Auch hier waren gleichzeitig mehrere Maskenbildner am Werk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn eine Gruppe fertig war wurde sie im Shuttlebus nach Sa\u00df gefahren. Ungef\u00e4hr 10 Minuten Fahrzeit von K\u00f6nigsleiten entfernt. Dort stand ein alter Vierkanter aus dem 18. Jahrhundert. Und sonst nichts, au\u00dfer einer wundersch\u00f6nen Waldviertler Gegend. Und ein gro\u00dfer Autopark von der Ulrich Seidl Film.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem man in den Innenhof des Vierkanters kam, war man sofort in einer anderen Welt. Die alten Schuppen, das Strohdach, die kleinen Fenster und der rauhe Boden des Innenhofes mit seinen verschieden hohen Granitplatten und somit unebenen Boden. Sehr viele Komparsen standen verteilt oder in Gruppen im Hof und warteten gespannt, so wie wir, was da auf uns zukommt. Eine Gruppe tschechischer Komparsen stach heraus. Es waren H\u00fcnen mit 2 Meter Gr\u00f6\u00dfe, alle hatten lange wei\u00dfe Haare und B\u00e4rte. Was sie aber nicht hatten, das waren \u201eZ\u00e4hne\u201c. Anscheinend stellten sie eine Gruppe tschechischer Holzknechte dar. Mich erinnerten sie an R\u00fcbezahl. Anderen wurden f\u00fcr bestimmte Filmszenen die Z\u00e4hne gelb gef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Spa\u00df hatten die Kinder und der Hund Jagger (Laut seinem Herrchen, nach Mick Jagger). Der bekam alle paar Sekunden seine Streicheleinheiten. Die Kinder, vom Baby bis Jugendliche, sahen in ihren mittelalterlichen Kost\u00fcmen sehr putzig aus. Auch Jagger bekam eine an die Zeit angepasste Leine. Das Herrchen von Jagger, ein \u00e4lterer Mann mit langen wei\u00dfen Haaren und Bart hatte es nicht so gut getroffen. Er musste die ganze Zeit mit Holzschuhen herumlaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Dreh wurde der ebene Boden seit dem Fr\u00fchjahr ab- und ausgegraben. Mit Granitplatten und vierschieden gro\u00dfen Steinen ausgelegt und sehr uneben zur\u00fcckgelassen. Zwischen den Platten gab es Spalten und waren auch noch schief verlegt. So wie es fr\u00fcher so \u00fcblich war und niemanden st\u00f6rte. Wer vielleicht das Freilichtmuseum in St\u00fcbing bei Graz kennt und dort die alten Bauernh\u00e4user besucht hat, wei\u00df, was ich meine. Der Mann mit seinem Holzschuhen hatte keine Freude mit den Steinen und ich auch nicht besonders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An mehreren Stellen brannten gro\u00dfe Feuer. Es gab doch eine gro\u00dfe Hochzeit zu feiern. Bei einer Feuerstelle wurde in gro\u00dfen Suppent\u00f6pfen herumger\u00fchrt. Schlie\u00dflich sollten die Karotten- und Klachlsuppe f\u00fcr einige Filmszenen zum Ausschenken bereit stehen. Bei einer anderen Feuerstelle steckte eine Wildsau am Spies und es sollte mehrere Stunden dauern bis sie zum Verspeisen bereit war. Dem Komparsen an Feuer, der den Spies drehte wurde versprochen, dass er nach einer Stunde abgel\u00f6st wird. Diesen Job wollte aber niemand und so drehte er nach 6 Stunden noch immer glei\u00dfig die Sau. Daf\u00fcr bekam er dann sicher eine Extraportion Wildsau in der Holzsch\u00fcssel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl hier mehrere offene und gro\u00dfe Feuer im Innenhof brannten, passierte nichts. Alle Holzteile und das Strohdach wurden vorher mit entsprechenden Fl\u00fcssigkeiten impr\u00e4gniert. So gab es auch keine Funken, die unkontrolliert herumflogen. Deshalb war auch ein Mitarbeiter f\u00fcr Spezialeffekte dabei. Es waren auch \u00fcberall Feuerl\u00f6scher versteckt und drau\u00dfen stand die Feuerwehr in Bereitschaft. Ich habe mich am Anfang nur gewundert, warum ein Holzbalken, der direkt \u00fcber einem Feuer hing, nicht zu brennen begann. Das R\u00e4tsel hat mir dann der Experte f\u00fcr die Spezialeffekte erkl\u00e4rt. Und das Feuer nicht immer gleich Feuer ist. Besonders beim Film.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurden \u00fcber dem Tag verteilt (es ging f\u00fcr einige Komparsen bis 22:00 Uhr)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehrere Filmszenen gedreht. Es wird einmal besprochen und erkl\u00e4rt, dann durchgespielt, dann noch einmal und noch einmal. In der Zwischenzeit wird die Kamera, die Beleuchtung,, der Ton und was so alles dazugeh\u00f6rt, aufgebaut. Dann wurde gedreht. Bis alles zusammenpasste (Kamera, Beleuchtung, Ton, Positionen etc.) wurde auch hier mehrmals ein Anlauf genommen. Wenn dieser Dreh abgeschlossen war, wurde f\u00fcr die gleiche Szene alles umgestellt und umgebaut. Und die Szene aus einer anderen Position gefilmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Tag zuvor war das Filmteam im H\u00f6llental und drehten dort eine Szene beim W\u00e4schewaschen am und im Bach. Die Komparsen erz\u00e4hlten, dass sie schon blaue H\u00e4nde hatten, da die Szenen 10 Mal wiederholt wurden. Im kalten Herbstbach ist das Waschen und das Auswringen nicht so einfach. Das galt auch f\u00fcr die Hauptdarstellerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurden auch f\u00fcr das Suppe ausschenken genaue Anweisungen gegeben. Schlie\u00dflich wurden auch hier wieder Kamera, Licht und Ton ben\u00f6tigt. Hier konnte man frei Schnauze reden, sollte aber ober\u00f6sterreichisch klingen. Beim Aufschneiden der Wildsau wurde vorher auch das Aufschneiden geprobt. Schlie\u00dflich \u00fcbernahm Maria Hofst\u00e4dter, als Mutter der Hauptdarstellerin im Film, selbst diese Aufgabe. Man bekam die gegrillte Wildsau in einer Holzsch\u00fcssel und musste nat\u00fcrlich mit den Fingern essen. Um auch authentisch r\u00fcberzukommen, wischte man seine Finger dann in den Janker. Eine gegrillte Wildsau schmeckt sehr gut. Und als Steirer kenne ich eine Klachlsuppe auch ganz genau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwischendurch wurde flei\u00dfig getanzt und musiziert. Nat\u00fcrlich auch wieder nach Regieanweisungen und bei laufender Kamera, Ton und Beleuchtung. Da auch diese Szenen mehrmals wiederholt wurden, hingen einige schon bald die Zunge heraus. Aufgrund des unebenen Bodens hielt ich mich von diesen Vergn\u00fcgen fern und w\u00e4rmte mich in der Zwischenzeit am Feuer. Klatschen und Johlen kann auch zur Stimmung beitragen. Jedenfalls lies der Regisseur \u00f6fters, \u201ejetzt Stimmung\u201c und \u201eBrillen und Handys weg, wir drehen\u201c, im Hof h\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Musikanten waren den ganzen Tag im Einsatz. Es wurde immer und \u00fcberall aufgespielt. Das waren Profis an ihren mittelalterlichen Instrumenten. Die Instrumente im Mittelalter waren die Harfe, Laute, Fidel, Horn, Fl\u00f6te und Trommeln, aber auch heute weniger bekannte wie das Psalterium, Trumscheit, die Schalmei, Drehleier oder Sackpfeifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Most- und Bierschenk hatte immer viel zu tun. Schlie\u00dflich gab es den ganzen Tag echtes Bier und echten Most zu trinken. Einigen merkte man das schon an, besonders den tschechischen H\u00fcnen. Das war aber beabsichtigt und man konnte ganz sich selber spielen. Aber daf\u00fcr ist Ulrich Seidl ja bekannt. Nat\u00fcrlich gab es auch alkoholfreie Getr\u00e4nke. Schlie\u00dflich waren ja auch Kinder dabei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann wurde alles f\u00fcr Innenaufnahmen\u00a0 in den Stadl verfrachtet und es ging wieder von vorne los. Um das Tageslicht noch auszun\u00fctzen, wurden auch noch Aufnahmen auf der Wiese vor dem Hof gedreht. Daf\u00fcr standen schon den ganzen Tag H\u00fchner im Stall bereit. Der Hauptdarsteller war nat\u00fcrlich der Hahn. Laut Hochzeitsbrauch wurde er Rituel umgebracht. Aber keine Sorge, nach den Aufnahmen kehrte er gl\u00fccklich und lebend zu seinen H\u00fchnern zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag wurden die ersten Komparsen zur\u00fcck nach K\u00f6nigsleiten gebracht. Das Umziehen ging jetzt schon schneller. Es stand auch wieder eine Assistenz bereit. Da man den ganzen Tag immer Feuer und Rauch ausgesetzt war, konnte man das auch entsprechend riechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Samstag ging der Tag auch wieder mit dem Coronatest los. Dann wieder mit Unterst\u00fctzung in die verrauchten Klamotten und dann in die Maske. Und es ging immer schneller. Anschlie\u00dfend stand das Fr\u00fchst\u00fcck am Programm. Da konnte man sich diesmal Zeit lassen. Da wir alle in einem Gro\u00dfraumbus nach Kleinzwettl zur dortigen Wehrkirche gekarrt wurden, mussten wir warten, bis alle bereit waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Waldviertel liegt eine kleine Ortschaft, Kleinzwettl. Zwei geteerte Stra\u00dfen f\u00fchren hin, ein paar H\u00e4user und Bauernh\u00f6fe gibt es und die Wehrkirche. Sie steht auf einem sogenannten \u201eHausberg\u201c, einer Bauform, die in der Mitte aus dem \u201eKernwerk\u201c besteht, um das herum ein Graben ist und danach der \u201eWall\u201c folgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Kleinzwettl wurde \u201eder Auszug aus der Kirche\u201c gedreht. Die mittelalterliche Wehrkirche mit einer in voller H\u00f6he erhaltener Bruchsteinmauer stellte genau das richtige Umfeld dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als wir bei der Kirche\u00a0 ankamen, war die komplette Filmcrew schon l\u00e4ngst bei der Arbeit. Schlie\u00dflich musste wieder alles aufgebaut werden. Diesmal kam auch ein Kamerakran zum Einsatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kamerakran wird in der Film- und Fernsehtechnik eingesetzt, um Kamerafahrten in drei Dimensionen zu erm\u00f6glichen. Das Motiv wird beispielsweise \u201e\u00fcberflogen\u201c, die Kamera kann sich von oben auf das Motiv zubewegen oder von ihm entfernen. Es lassen sich auch Flugaufnahmen aus geringer H\u00f6he simulieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da es diesmal ein bisschen Action gab, waren auch eine Stuntkoordinatorin und ein Stuntgirl im Einsatz. Jedenfalls mussten wir die Braut, wie es damals wahrscheinlich der Brauch war, \u00fcber unseren K\u00f6pfen nach unten weiterreichen. Dazu gab es wieder die entsprechenden Anweisungen. Zuerst gab es ein Trockentraining, dann kam das Stuntgirl zum Einsatz. Sie wurde am Anfang der Gruppe nach oben gehoben und mit dem Kopf voraus nach unten weitergeschoben. Auch das wurde \u00f6fters geprobt. Dabei wurden unsere Positionen (2 Schritte nach oben, 1 Schritt nach rechts usw.) auch st\u00e4ndig angepasst. Mit der Krankamera wurden auch entsprechende Probefahrten gemacht. Schlie\u00dflich war die Hauptdarstellerin an der Reihe. Auch die musste einige Male \u00fcber unsere K\u00f6pfe nach unten. Mir wurde erz\u00e4hlt, dass sie nicht so gl\u00fccklich dreinschaute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Proben mit dem Stuntgirl merkte man deren Training. Sie hatte eine extreme K\u00f6rperspannung von der Sohle bis zur Haarwurzel. Als sie \u00fcber unsere K\u00f6pfe weitergeschoben wurde, war sie so hart wie ein Brett. Somit war sie f\u00fcr uns leicht, sie \u00fcber unsere K\u00f6pfe zu schieben. Bei der Hauptdarstellerin war es schon etwas schwieriger. Sie konnte keine so starke K\u00f6rperspannung aufbauen und h\u00e4ngte somit gewaltig durch. Aber auch diese Szene brachten wir nach mehrmaligen Durchl\u00e4ufen in den Kasten. So sagte es zumindest der Kameramann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere Szene, die gedreht wurde, war das Herunternehmen der Braut am Ende der Schlange. Auch das wurde \u00f6fters geprobt und gedreht. Und Schlie\u00dflich kam es dann zur letzten Szene an diesen Tag. Der Auszug aus dem Kirchhof. Dazu wurde nat\u00fcrlich wieder das komplette Equipment nach drau\u00dfen geschleppt und wieder aufgebaut. Dann wurde die Szene wieder besprochen, geprobt und gedreht. Einmal kam die Anweisung des Kameramannes, alles nochmal zur\u00fcck, da haben 2 direkt in die Kamera geblickt. Und alles marschierte wieder die Anh\u00f6he hinauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Tag endete mit einem gemeinsamen Essen der Laiendarsteller\u00a0 mit der gesamten Filmcrew inklusive der Hauptdarsteller in K\u00f6nigsleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der Idee bis zum Kinostart oder bis zur Ausstrahlung im Fernsehen kann sich ein Filmprojekt sehr lange hinziehen. Casting der Darsteller, suchen von geeigneten Objekten und Drehorten und deren Adaptierungen. Siehe ab- und umgraben des Innenhofes des Vierkanters. Nat\u00fcrlich mit der Wiederherstellung nach Drehende. Wenn das nicht m\u00f6glich ist, dann wird auch eine entsprechende Filmkulisse nach- und aufgebaut. So wurde zum Beispiel 1973 im steirischen Bad Mitterndorf f\u00fcr die Verfilmung von Jacks Londons \u201eWolfsblut\u201c eine komplette Westernstadt aufgebaut. Die Hauptdarsteller damals waren Franco Nero und Raimund Harmsdorf (Der Seewolf). Der nach einer Schmutzk\u00fcbelkampagne einer deutschen Zeitung kein Engagement mehr bekam und sich deshalb das Leben nahm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war ein tolles Erlebnis, so etwas einmal aus der ersten Reihe miterleben zu d\u00fcrfen und k\u00f6nnen. Da stellt sich die Frage, ob man das kann, gar nicht. Man kann es einfach. Alle, die so eine Gelegenheit bekommen, sofort zugreifen! Und wenn es nur ein Casting ist. Obwohl sehr viel Zeit mit warten verbracht wird, kann man \u00fcberall seine Eindr\u00fccke sammeln und auch ins ber\u00fchmte Fettn\u00e4pfchen treten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man nun fast blind ist, hat man auch entsprechende Erlebnisse, besonders wenn man nicht erkennt, wer neben dir steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So stand ich mit einem Humpen bei der Wildsau am Grill und unterhielt mich mit dem Metzger. Da gesellte sich eine Dame zu uns und stie\u00df mit mir an. Als ich nach den Namen fragte, kam die Antwort: \u201eMaria\u201c. Ich stellte mich auch vor. Dann wollte ich wissen, ob sie auch zu den Komparsen geh\u00f6rt. Ihre Antwort: \u201eNein, ich bin die Hauptdarstellerin Maria Hofst\u00e4tter\u201c. Wir haben uns dann sehr gut unterhalten. Und ich kann immer sagen, dass ich Maria Hofst\u00e4tter am Filmset kennengelernt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Hund Jagger, von dem man in den 2 Tagen kein einziges Bellen geh\u00f6rt hat, zeigte was er draufhat, als eine Katze vorbeirannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die Kinder tr\u00e4umten schon von Millionen, als sie ihre Gage abholten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was schon bei der Ankunft zur Kost\u00fcmprobe auffiel, wir wurden nicht gefragt, wer wir sind. Sie wussten, wer wir waren und sprachen uns sofort mit unseren Vornamen an. Das wurde von der gesamten Crew so praktiziert und man f\u00fchlte sich sofort willkommen und mittendrin. Mir wurde auch kein Formular zum Ausf\u00fcllen vorgelegt. Entweder war es schon ausgef\u00fcllt oder mir wurde sofort Hilfe angeboten. Auch beim Drehen war immer eine Unterst\u00fctzung bereit, auch vom Regisseur himself. Sie wussten, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht. Solange es solche Menschen gibt, ist die Welt noch nicht verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin schon auf das Ergebnis gespannt. Wie aus vielen Einzelszenen und Episoden der Film zusammengeschnitten wird. F\u00fcr mich war es ein Kuddelmuddel, dass aber perfekt funktionierte. Es wurde nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Es war immer alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie hatten an alles gedacht. Bis auf eines: Freitag Vormittag wurde verzweifelt jemand gesucht, der ein Bierfass anschlagen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und eine gegrillte Wildsau schmeckt hervorragend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Details zum Film:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Titel: Des Teufels Bad.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Englischer Titel The Devil\u2019s Bath<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drehbuch und Regie: Veronika Franz, Severin Fiala<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Regie Severin Fiala, Veronika Franz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kamera Martin Gschlacht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schnitt Michael Palm<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Original-Ton Andreas Hildebrandt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sound Design Matz M\u00fcller, Erik Mischijew<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kost\u00fcmbild Tanja Hausner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Szenenbild Andreas Donhauser, Renate Martin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Musik Anja Plaschg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besetzung Anja Plaschg (Agnes), Maria Hofst\u00e4tter (Mutter)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Produktionsleitung Edgar Cox<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fernsehbeteiligung ORF (Film\/Fernseh-Abkommen), BR\/Arte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drehort \u00d6sterreich, Deutschland<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drehzeit November 2020 \u2013 Dezember 2021<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drehtage 40<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drehstart 07.11.2020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fertigstellung Winter 2022\/2023<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Produzent in \u00d6sterreich Ulrich Seidl<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein danke geht an die ehemalige Theatergruppe ESSELLISSIMO. Schlie\u00dflich habe ich dort einiges gelernt und hatte tolle Theaterkollegen. Ohne deren damaliger Unterst\u00fctzung und Geduld h\u00e4tte ich dieses Erlebnis nicht gehabt. Bis uns das Leben einholte und eine Dame mit enormer krimineller Energie alles zunichte machte. Leider ist sie schon wieder in Freiheit.<\/p>\n<p>Und ein besonders gro\u00dfes danke geht an Sabine f\u00fcr ihre gro\u00dfartige Unterst\u00fctzung. Ich habe mich immer sicher gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>\u00a9 Oktober 2021 by Gerhard Hojas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmerkung Gerhard Hojas (Februar 2024): Silberner B\u00e4r f\u00fcr \u201eDes Teufels Bad\u201c. \u00d6sterreichischer Kameramann Martin Gschlacht bei Berlinale ausgezeichnet. &nbsp; Der Wiener bekam die Auszeichnung f\u00fcr seine Kameraarbeit f\u00fcr den \u00f6sterreichischen&#8230; <a class=\"read-more-button\" href=\"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/menschen-mit-behinderung-aus-oberoesterreich-am-filmset-bei-des-teufels-bad-29-10-2021-bis-30-10-2021\/\">Lesen Sie mehr &gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[33,34,19],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pawkJb-vh","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1939"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1939"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1940,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1939\/revisions\/1940"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}