{"id":2095,"date":"2025-09-17T19:09:04","date_gmt":"2025-09-17T17:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=2095"},"modified":"2025-09-17T19:09:04","modified_gmt":"2025-09-17T17:09:04","slug":"linz-blaulichtorganisationen-und-der-euro-key-wenn-der-notruf-vor-verschlossener-tuer-endet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/linz-blaulichtorganisationen-und-der-euro-key-wenn-der-notruf-vor-verschlossener-tuer-endet\/","title":{"rendered":"Linz &#8211; Blaulichtorganisationen und der Euro-Key! Wenn der Notruf vor verschlossener T\u00fcr endet!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein weiterer Erfahrungsbericht aus Linz. Die Geschichte wiederholt sich. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnen Sekunden \u00fcber Leben und Tod entscheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Botschaft wurde in letzter Zeit sehr gerne von Blaulichtorganisationen in s\u00e4mtlichen Medien verbreitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was passiert, wenn Einsatzkr\u00e4fte von Rettung, Feuerwehr und Polizei zu einem Notruf bei einem \u00f6ffentlichen Behinderten-WC in Linz gerufen werden \u2013 und feststellen m\u00fcssen, dass sie die T\u00fcr nicht \u00f6ffnen k\u00f6nnen, weil der erforderliche Euro-Key fehlt? Und schlimmer noch: Niemand wei\u00df, was ein Euro-Key \u00fcberhaupt ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unvorstellbar? Leider nicht. In Linz, Ober\u00f6sterreich, sind solche Situationen keine Seltenheit und auch keine Einzelf\u00e4lle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein konkreter Vorfall ereignete sich bereits am 23. Juli 2023 bei der Stra\u00dfenbahnhaltestelle Unionkreuzung im Mittelgeschoss. Ich kam zuf\u00e4llig vorbei, als gerade ein Einsatz stattfand: Ein Notruf war aus der dortigen barrierefreien WC-Anlage abgesetzt worden. Vor Ort standen Einsatzkr\u00e4fte der Rettung, Feuerwehr und Polizei \u2013 ratlos vor der verschlossenen T\u00fcr. Keiner von ihnen hatte einen Euro-Key dabei, um Zugang zu erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ich selbst auf dem Weg zu diesem WC war und gl\u00fccklicherweise einen Euro-Key besitze, konnte ich die T\u00fcr \u00f6ffnen und die Situation rasch kl\u00e4ren. Zum Gl\u00fcck befand sich niemand in der Anlage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotzdem hinterlie\u00df dieses Erlebnis ein mulmiges Gef\u00fchl. Was w\u00e4re, wenn ich selbst einmal in einer Notlage in einer \u00f6ffentlichen WC-Anlage der Stadt Linz w\u00e4re \u2013 und die Einsatzkr\u00e4fte st\u00fcnden hilflos vor der T\u00fcr, weil ihnen der passende Schl\u00fcssel fehlt? Und der zust\u00e4ndige Mitarbeiter der Stadt mit dem Euro-Key ist gerade nicht erreichbar? Oder er kommt zu sp\u00e4t!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damals war der Samariterbund f\u00fcr den Einsatz verantwortlich. Mein Ansprechpartner, Herr Preslmair (Einsatzleitung Rettungsdienst, Samariterbund Linz), versicherte mir, sich der Sache anzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch bei sp\u00e4teren Nachfragen bei verschiedenen Polizeiinspektionen erhielt ich stets dieselbe Antwort: Der Euro-Key sei unbekannt und auf den Einsatzfahrzeugen nicht vorhanden. Das hat sich bis September 2025 nicht ge\u00e4ndert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab damals auch eine Antwort der Stadt Linz von der Abteilung Geb\u00e4udemanagement und Tiefbau :<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mail der Stadt Linz:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Hojas!<\/p>\n<p>Wir haben Ihre Eingabe unverz\u00fcglich einer genauen \u00dcberpr\u00fcfung unterzogen. Wie wir in Erfahrung bringen konnten, hat sich der Vorfall am 23.7.2023 wie folgt ereignet:<\/p>\n<p>Vom \u00f6ffentl. Behinderten-WC Unionkreuzung wurde ein Notruf an die LinzAG Leitzentrale abgeschickt, welche ihren Revierfahrer verst\u00e4ndigten. Auch wurde von der LinzAG-Zentrale die Rettung kontaktiert. Die Rettung war zuerst vor Ort, konnte jedoch mangels Euro-Key nicht \u00f6ffnen und verst\u00e4ndigte die Polizei. Auch die Polizei hatte keinen Euro-Key im Streifenwagen, so musste gewartet werden, bis der LinzAG-Revierfahrer eintraf. Genau in diesem Zeitfenster haben Sie die WC-Anlage aufgesucht.<\/p>\n<p>Weshalb die Rettungsorganisationen und in diesen Fall auch die Polizei \u00fcber keinen Euro-Key verf\u00fcgten, entzieht sich unserer Beurteilung. Wir haben jedoch bereits mit den Rettungsorganisationen Kontakt aufgenommen.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend darf festgehalten werden, dass bei den zuletzt errichteten bzw. renovierten \u00f6ffentl. WC-Anlagen (Volksgarten, Promenade, Gr\u00fcne Mitte, Lindbauer, S\u00fcdbahnhof, Hauptplatz, Donaupark) eine Notrufleitung von der Behinderten-Toilette zur 24 Stunden durchg\u00e4ngig besetzten Portierstelle im Alten Rathaus besteht. Im Notfall suchen Mitarbeiter*innen der Stadt umgehend die WC-Anlage auf, au\u00dferhalb der Dienstzeiten \u00fcbernimmt das die Fa. \u00d6WD. In beiden F\u00e4llen ist selbstverst\u00e4ndlich ein Euro-Key vorhanden.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Antwort Stadt Linz Mailende:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erfahrungsbericht: Wiederholung eines bekannten Problems in Linz<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leider hat sich in den vergangenen zwei Jahren in Linz hinsichtlich der Barrierefreiheit und des Umgangs mit Behinderten-WCs nichts verbessert oder ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Dienstag, dem 09.09.2025, um 17:45 Uhr, erlebte ich exakt dieselbe Situation wie damals \u2013 erneut beim Behinderten-WC an der Unionkreuzung. Wieder wurde ein Notruf abgesetzt, und die T\u00fcr zum WC war verschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich dort eintraf, standen Sanit\u00e4ter und Feuerwehr ratlos vor Ort. Ein Feuerwehrmann kniete vor der T\u00fcr, ein gro\u00dfer Werkzeugkoffer neben sich, und wollte gerade mit \u201eEinbrechermanier\u201c versuchen, die T\u00fcr gewaltsam zu \u00f6ffnen. Ich ersparte der heldenhaften Feuerwehr diese M\u00fche und \u00f6ffnete die T\u00fcr kurzerhand mit dem Euro-Key.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch diesmal konnte ich nicht erkennen, welche Rettungseinheit vor Ort war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Begleitet wurde mein Eingreifen von der wenig hilfreichen Bemerkung: \u201eSie sollten sich beeilen \u2013 es geht hier schlie\u00dflich um Menschenleben!\u201c Ironischerweise war es genau dieser Feuerwehrmann, der offenbar nicht wusste, dass es den Euro-Key \u00fcberhaupt gibt \u2013 geschweige denn, dass er selbst ohne diesen Schl\u00fcssel keine Hilfe leisten konnte. Nebenbei bemerkt: Ich war mit einem Blindenstock eindeutig als sehbehinderte Person erkennbar. In solchen Situationen w\u00e4ren weniger voreilige und unqualifizierte Kommentare angebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lage konnte auch diesmal rasch gekl\u00e4rt werden \u2013 es handelte sich erneut um einen Fehlalarm. Die \u201everhinderten Lebensretter\u201c verschwanden daraufhin ebenso schnell, wie sie gekommen waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wieder einmal wurde deutlich:<\/strong> Keine der beiden Blaulichtorganisationen war mit dem Euro-Key vertraut. Und wie bereits vor zwei Jahren war keine verantwortliche Person der Stadt Linz vor Ort. Vermutlich befand sie sich \u2013 wie damals \u2013 gerade auf dem Weg zur Toilette, und ich bin ihr erneut zuf\u00e4llig zuvorgekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein Vertrauen in die Verantwortlichen der Stadt Linz ist endg\u00fcltig ersch\u00fcttert \u2013 insbesondere, wenn es um die Rettung von Menschen mit Behinderung geht. Ich musste pers\u00f6nlich feststellen, dass die zust\u00e4ndigen Stellen der Stadt Linz offenbar stets die Letzten w\u00e4ren, die bei einem Notfall eintreffen w\u00fcrden. Und das betrifft ausgerechnet jene, die Zugang zum lebensrettenden Euro-Key haben sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes zu einer Einrichtung f\u00fcr Menschen mit Behinderungen eingeladen, um \u00fcber Notrufarmb\u00e4nder zu informieren. Im Zuge dieser Veranstaltung sprach ich die Referentinnen und Referenten auf den Euro-Key an und \u00fcbergab ihnen auch ein Exemplar. Auch ihnen war dieser Schl\u00fcssel nicht bekannt, und in den Einsatzfahrzeugen des Roten Kreuzes ist er ebenfalls nicht vorhanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuf\u00e4llig hatte ich bereits vor dem Vorfall am 09.09.2025 beim Behinderten-WC an der Unionkreuzung, n\u00e4mlich am 18.08.2025, E-Mails mit dem Betreff \u201eEuro-Key und Blaulichtorganisationen\u201c an BIZEPS, den \u00d6ZIV Burgenland sowie den \u00d6sterreichischen Behindertenrat gesendet. Im Mittelpunkt stand der Vorfall vom 23.07.2023. Ich wollte in diesem Zusammenhang erfahren, welche Entwicklungen seitdem bei den gro\u00dfen Behinderteneinrichtungen im Hinblick auf den Euro-Key sowie die Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen stattgefunden haben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe umgehend R\u00fcckmeldungen von BIZEPS und \u00d6ZIV erhalten \u2013 beide lauteten \u00fcbereinstimmend: Zust\u00e4ndig sei der \u00d6sterreichische Behindertenrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leider habe ich vom \u00d6BR noch keine Antwort erhalten. Immerhin ist der \u00d6BR auch f\u00fcr die Verteilung des Euro-Key verantwortlich oder zust\u00e4ndig. Da sollte er sich auch dazu \u00e4u\u00dfern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Nachfragen bei Polizeiinspektionen verliefen ergebnislos. Es scheint, als g\u00e4be es in den Einsatzfahrzeugen keinerlei Vorkehrungen bez\u00fcglich des Euro-Keys. Ein Defibrillator im Polizeiauto mag lebensrettend sein \u2013 doch n\u00fctzt er wenig, wenn die T\u00fcr zur barrierefreien Toilette verschlossen bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Problem betrifft nicht nur die Stadt Linz, sondern sicher ganz Ober\u00f6sterreich und vermutlich ganz \u00d6sterreich. Es w\u00e4re dringend notwendig, zu hinterfragen, wie das System rund um den Euro-Key bei Blaulichtorganisationen funktioniert. Was passiert, wenn ein Notruf aus einer barrierefreien \u00f6ffentlichen Toilette eingeht? Wie sind die Abl\u00e4ufe geregelt? Die Beispiele aus Linz zeigen deutlich, dass die Stadt hier den \u201eschwarzen Peter\u201c tr\u00e4gt \u2013 sie war nie dort pr\u00e4sent, wo Hilfe gebraucht wurde. Obwohl es so kommuniziert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verantwortung liegt klar bei den zust\u00e4ndigen Stellen \u2013 insbesondere beim Gesundheitsstadtrat und der Sozialstadtr\u00e4tin der Stat Linz. Vielleicht k\u00f6nnten sie nach Jahren aktiv werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich engagiere mich seit 2014 als Behindertenaktivist in Linz und habe in dieser Zeit bedeutende Fortschritte f\u00fcr die blinde und sehbehinderte Community erzielt. Dennoch muss ich leider feststellen, dass Linz nach wie vor die behindertenfeindlichste Stadt \u00d6sterreichs ist \u2013 und das hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Situation h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich mit den handelnden Personen in der Stadtverwaltung sowie mit den wenig durchsetzungsf\u00e4higen Behindertenvereinen vor Ort zusammen. Solange F\u00f6rdermittel von der Stadt flie\u00dfen, scheint Kritik unerw\u00fcnscht \u2013 man bei\u00dft eben nicht die Hand, die einen f\u00fcttert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders eindr\u00fccklich ist mir eine Aussage eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin der Stadt Linz im Ged\u00e4chtnis geblieben, obwohl sie bereits vor \u00fcber zehn Jahren get\u00e4tigt wurde: \u201eDie Behinderten sollen doch zu Hause bleiben!\u201c Diese Haltung scheint bis heute tief verankert zu sein \u2013 zumindest ist das mein pers\u00f6nlicher Eindruck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der Einrichtung eines Inklusionsbeirats k\u00f6nnte sich vieles zum Positiven ver\u00e4ndern. Doch bislang bleibt abzuwarten, ob dieser tats\u00e4chlich einen sp\u00fcrbaren Wandel bewirken wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 September 2025 by G. Hojas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein weiterer Erfahrungsbericht aus Linz. 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