{"id":2142,"date":"2025-12-28T15:45:18","date_gmt":"2025-12-28T13:45:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=2142"},"modified":"2025-12-28T15:45:18","modified_gmt":"2025-12-28T13:45:18","slug":"was-ist-in-oesterreich-mit-den-blindenverbaenden-los","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/was-ist-in-oesterreich-mit-den-blindenverbaenden-los\/","title":{"rendered":"Was ist in \u00d6sterreich mit den Blindenverb\u00e4nden los?"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Das Ende der Ferien- und Erholungsh\u00e4user f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte in \u00d6sterreich.<\/strong><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 24.12.2025 kam die Nachricht aus Vorarlberg, dass jetzt auch das letzte Ferien- und Erholungszentrum Ingr\u00fcne f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte in Schwarzach endg\u00fcltig geschlossen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und am 27.12.2025 wurde per einer Mailaussendung verk\u00fcndet, dass der Blinden- und Sehbehindertenverband Vorarlberg finanzielle Probleme hat. Hat nur dieser Blindenverband finanzielle Probleme?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor 20 Jahren konnten blinde und sehbehinderte Menschen in \u00d6sterreich noch auf ein Netz von rund <strong>sieben spezialisierten Ferienh\u00e4usern mit etwa 400 Betten<\/strong> zur\u00fcckgreifen. Diese Einrichtungen, von Blindenverb\u00e4nden betrieben, boten Barrierefreiheit, geschultes Personal und Gemeinschaft \u2013 eine unverzichtbare Infrastruktur f\u00fcr diese Personengruppe und ihre Begleiter. Im Jahr 2025 ist diese \u00c4ra vorbei: <strong>\u00d6sterreich verf\u00fcgt \u00fcber kein einziges dieser dedizierten Ferienh\u00e4user mehr.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung der Waldpension am Hochegg bei Grimmenstein und das Aus des Ferienhauses Ingr\u00fcne des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Vorarlberg in Schwarzach sind die letzten prominenten Beispiele f\u00fcr diesen beunruhigenden Trend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Entwicklung wirft die dringende Frage auf, warum ein solches Angebot in \u00d6sterreich scheitert, w\u00e4hrend es in Nachbarl\u00e4ndern wie <strong>Deutschland oder S\u00fcdtirol<\/strong> offensichtlich erfolgreich betrieben werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00f6gliche Ursachen des Scheiterns:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr den drastischen R\u00fcckgang der Blinden-Ferienh\u00e4user in \u00d6sterreich sind komplex und d\u00fcrften in einer Mischung aus wirtschaftlichen, strukturellen und verbandsinternen Faktoren liegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftliche Herausforderungen und Auslastung:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste und unmittelbarste Ursache ist die <strong>mangelnde Wirtschaftlichkeit<\/strong>. <strong>Hohe Fixkosten:<\/strong> Spezialisierte Einrichtungen erfordern hohe Standards an Barrierefreiheit und oft auch an Betreuungspersonal, was zu hohen Betriebskosten f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Geringe Auslastung:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich sind die H\u00e4user nicht rentabel ausgelastet. Dies kann mehrere Gr\u00fcnde haben:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Reisebed\u00fcrfnisse:<\/strong> Die Zielgruppe ist mobiler und sucht vielleicht vermehrt nach individuellen, inklusiven L\u00f6sungen statt nach traditionellen Heimen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Konkurrenz durch Inklusion:<\/strong> Der allgemeine Tourismus wird zwar barrierefreier, kann die speziellen Bed\u00fcrfnisse (taktile Leitsysteme, Vorlesedienste, geschultes Begleitpersonal) aber oft nicht vollst\u00e4ndig abdecken, was zu einem Dilemma f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unflexibles Verhalten der blinden und Sehbehinderten Community- Man will anscheinend nicht die Komfortzone verlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Verbandslandschaft in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich gibt es eine f\u00f6derale Struktur der Selbsthilfeorganisationen: den <strong>Blinden- und Sehbehindertenverband \u00d6sterreich (BSV\u00d6)<\/strong> als Dachorganisation, die <strong>sieben Landesorganisationen<\/strong> (Landesverb\u00e4nde, z.B. BSV Wien, N\u00d6 und Burgenland, BSV Tirol, etc.) und die <strong>Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen \u00d6sterreichs<\/strong> in Wien. Mit Standorten in Linz und Graz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkung Gerhard Hojas: Der Blinden- und Sehbehindertenverband K\u00e4rnten ist anscheinen vom Dachverband ausgetreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlende Synergien:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einzelne Landesverb\u00e4nde m\u00fcssen die Last des Betriebs und der Finanzierung alleine tragen, anstatt Ressourcen und Know-how zentral zu b\u00fcndeln und \u00fcberregional zu nutzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wettbewerb um Spenden:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehrere Organisationen in einem kleinen Land konkurrieren um limitierte Spendenmittel, anstatt diese f\u00fcr ein nationales Kernprojekt (wie Ferienh\u00e4user) zu b\u00fcndeln.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Finanzkraft:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die finanzielle St\u00e4rke der Landesverb\u00e4nde variiert stark, was zu ungleichen M\u00f6glichkeiten beim Erhalt oder bei Investitionen in Immobilien f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frage der Verbandsf\u00fchrung (Unqualifizierte Vorst\u00e4nde?)<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Vermutung, dass die Schlie\u00dfungen an <strong>unqualifizierten Vorst\u00e4nden<\/strong> liegen k\u00f6nnten, ist ein h\u00e4ufig ge\u00e4u\u00dferter Kritikpunkt bei gemeinn\u00fctzigen Organisationen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ehrenamt vs. Professionalit\u00e4t:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Leitung von Vereinen geschieht oft ehrenamtlich, w\u00e4hrend der Betrieb gro\u00dfer Immobilien und touristischer Angebote <strong>betriebswirtschaftliche und touristische Expertise<\/strong> erfordert. Ein Mangel an professionellem Management-Know-how (Finanzierung, Marketing, Immobilienverwaltung) kann schnell zu Schieflagen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fehlende Investitionsbereitschaft:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn die Entscheidungstr\u00e4ger nicht die notwendigen (und oft unpopul\u00e4ren) Investitionen in Modernisierung, Marketing oder in ein neues, zeitgem\u00e4\u00dfes Konzept durchf\u00fchren, f\u00fchrt dies unweigerlich zum R\u00fcckstand gegen\u00fcber der Konkurrenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Vergleich: Warum funktioniert es in Deutschland\/S\u00fcdtirol?<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg in den Nachbarregionen k\u00f6nnte auf folgende Unterschiede hindeuten:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfere Zielgruppe und Markt:<\/strong> Deutschland hat eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Bev\u00f6lkerung und damit eine gr\u00f6\u00dfere potenzielle Nutzerbasis f\u00fcr solche spezialisierten Angebote, was die Auslastung erleichtert.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anmerkung Gerhard Hojas: Vorarlberg w\u00e4re eigentlich zur N\u00e4he an die Schweiz und nach Deutschland f\u00fcr die blinde und sehbehinderte Community sehr gut aufgestellt gewesen. Da m\u00fcssen andere Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern vorliegen.\u00a0 Das sollte man vielleicht auch analysieren anstatt zur Tagesordnung \u00fcberzugehen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zentrale Strukturen\/Finanzierung:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise gibt es in Deutschland oder S\u00fcdtirol zentralere oder besser abgestimmte F\u00f6rder- oder Finanzierungsmechanismen der Blindenverb\u00e4nde, der Sozialversicherungen oder der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr Rehabilitation und Erholung.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Professionelleres Management:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ferienh\u00e4user dort k\u00f6nnten eher als professionelle Sozial-Tourismus-Betriebe mit zeitgem\u00e4\u00dfem Marketing und Konzept (z.B. barrierefreie Erlebnisse) gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>L\u00f6sungsans\u00e4tze: <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen Ferienh\u00e4user in \u00d6sterreich wieder m\u00f6glich werden?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wiederherstellung eines fl\u00e4chendeckenden Angebots erfordert radikales Umdenken und eine <strong>nationale Kraftanstrengung<\/strong> der Blindenverb\u00e4nde:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fusion oder Zentralisierung des Ferienangebots:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Anstatt dass jeder Landesverband ein eigenes Haus betreibt, m\u00fcsste ein <strong>zentrales &#8222;BSV\u00d6-Tourismus- oder Reha-Fonds&#8220;<\/strong> geschaffen werden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein nationales Haus:<\/strong> Man konzentriert die Ressourcen auf den Ankauf oder die Pacht eines einzigen, strategisch g\u00fcnstig gelegenen und modern ausgestatteten Hauses und betreibt dieses unter <strong>zentraler, professioneller Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung<\/strong> (mit touristischem Know-how).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Synergien nutzen:<\/strong> Alle Landesverb\u00e4nde bewerben und unterst\u00fctzen dieses Haus aktiv, um eine hohe Auslastung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Professionalisierung der F\u00fchrung und des Konzepts.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Betrieb muss nach <strong>modernen betriebswirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen<\/strong> erfolgen, nicht nur ehrenamtlich:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung:<\/strong> Einstellung einer professionellen, auf den <strong>Sozial-Tourismus<\/strong> spezialisierten Leitung.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Neues Konzept:<\/strong> Abkehr vom reinen &#8222;Heim&#8220;-Charakter hin zu einem <strong>inklusiven, modernen Erholungs- und Kompetenzzentrum<\/strong>. Das Haus sollte nicht nur Urlaub anbieten, sondern auch Reha-Wochen, Kochkurse, PC-Schulungen oder Sportprogramme f\u00fcr blinde und sehbehinderte Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkung: Man sollte sich nicht nur auf Blinde und Sehbehinderte konzentrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Finanzierung durch Kooperationen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Finanzierung muss auf eine breitere Basis gestellt werden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentliche Hand:<\/strong> Intensive Lobbyarbeit beim Bund und den L\u00e4ndern, um die Ferienh\u00e4user als <strong>integralen Bestandteil der sozialen Rehabilitation<\/strong> anzuerkennen und eine dauerhafte Basisf\u00f6rderung zu sichern.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sozialversicherungen:<\/strong> Sondierungsgespr\u00e4che, um Kur- und Erholungsaufenthalte von blinden und sehbehinderten Menschen \u00fcber die Sozialversicherungen f\u00f6rdern zu lassen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Inklusive Nutzung:<\/strong> Das Haus k\u00f6nnte in der Nebensaison auch f\u00fcr andere inklusive Zielgruppen (z.B. Menschen mit kognitiven Behinderungen oder Senioren) oder f\u00fcr inklusive Tagungen ge\u00f6ffnet werden, um die Auslastung zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung der Blinden-Ferienh\u00e4user in \u00d6sterreich ist ein <strong>dramatischer Verlust<\/strong> f\u00fcr die betroffene Gruppe und Ausdruck struktureller und wirtschaftlicher Vers\u00e4umnisse. Die <strong>Fragmentierung der \u00f6sterreichischen Blindenverbandslandschaft<\/strong> und der Mangel an zentralem, professionellem Management scheinen die Hauptursachen zu sein. Nur durch eine <strong>B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte<\/strong>, eine <strong>Professionalisierung der F\u00fchrung<\/strong> und die Entwicklung eines <strong>zeitgem\u00e4\u00dfen, inklusiven Konzepts<\/strong> kann eine solche unverzichtbare soziale Infrastruktur in \u00d6sterreich wieder etabliert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mein Wunschdenken:<\/strong><\/p>\n<p>Leider sind die oben beschriebenen Vorstellungen in \u00d6sterreich l\u00e4ngst nur mehr Wunschdenken. Die einzelnen Blindenverb\u00e4nde schaffen es nicht einmal, sich auf ein gemeinsames Ferien- oder Hotelprojekt f\u00fcr ihre Community zu einigen. Selbst eine einheitliche Einkaufsstrategie f\u00fcr die Hilfsmittel ihrer Klientel bekommen sie anscheinend nicht zustande.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel sind die ATAS-Anlagen (akustisch-taktile Signalanlagen). In \u00d6sterreich hat jedes Bundesland sein eigenes System, und innerhalb der Bundesl\u00e4nder pochen wiederum St\u00e4dte, Gemeinden und Verkehrsbetriebe auf ihr Mitspracherecht. Von Einheitlichkeit kann also keine Rede sein. Warum sollte dann ausgerechnet diese Gruppen ein einziges Erholungszentrum auf die Beine stellen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinzu kommen die sehr unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeitsstrukturen der jeweiligen Obm\u00e4nner, Obfrauen, Pr\u00e4sidentinnen und Pr\u00e4sidenten \u2013 oder wie auch immer sie sich gerne nennen m\u00f6chten. Meiner Ansicht nach sollten F\u00fchrungspersonen in solchen Verb\u00e4nden zumindest einen psychologischen und wirtschaftlichen Bef\u00e4higungsnachweis erbringen m\u00fcssen, bevor sie ein derart verantwortungsvolles Amt \u00fcbernehmen. Doch offenbar reicht es aus, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Ergebnis sehen wir in \u00d6sterreich sehr deutlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir \u2013 eine Gruppe Blinder, Sehbehinderter und deren Begleitpersonen aus Ober\u00f6sterreich \u2013 waren von 2018 bis 2024 regelm\u00e4\u00dfig im Ferienhaus <em>Ingr\u00fcne<\/em> des BSVV. Wir kennen die Geschichte und die Problematik rund um dieses Haus sehr genau. Nat\u00fcrlich sind uns auch die Bef\u00fcrworter und Gegner der Anlage bekannt. Menschen aus beiden Lagern bekannt. Eine der Gegnerinnen bzw. einer der Gegner sagte einmal zu mir, man h\u00e4tte das Haus schon vor 20 Jahren zusperren sollen. Da dieses Thema vor 20 Jahren f\u00fcr die Blindenverb\u00e4nde sicher noch kein Problem dargestellt hat, gehe ich davon aus, dass solche Aussagen eher auf pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten beruhen \u2013 und nicht auf den tats\u00e4chlichen Anliegen und Interessen blinder und sehbehinderter Menschen. Das war erst vor 4 Wochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist und war die fehlende Unterst\u00fctzung der einzelnen Blindenverb\u00e4nde f\u00fcr ein gemeinsames Erholungszentrum f\u00fcr ihre eigene Klientel ausschlaggebend f\u00fcr das endg\u00fcltige Ende dieser \u00c4ra.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich tragen auch viele Blinde und Sehbehinderte selbst Verantwortung f\u00fcr diese Entwicklung \u2013 durch Unt\u00e4tigkeit und dadurch, dass sie ihre Wohlf\u00fchlzonen nicht verlassen. Anscheinend reicht manchen bereits ein Gratisessen bei der Generalversammlung oder bei der Weihnachtsfeier. Ob andere vielleicht gerne etwas unternehmen oder Neues kennenlernen m\u00f6chten, scheint vielen egal zu sein. Ich muss leider immer wieder feststellen, dass die Solidarit\u00e4t unter Menschen mit Behinderungen oft erschreckend gering ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Forderung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung f\u00fcr Begleitpersonen von blinden und sehbehinderten Menschen bei Urlaubsreisen durch ihre Landesverb\u00e4nde:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn diese Einrichtungen durch das vermutlich eigene Versagen schon nicht mehr vorhanden sind, sollten die Landesverb\u00e4nde ihre Mitglieder zumindest finanziell unterst\u00fctzen. Da viele Betroffene (mit einigen Ausnahmen) nicht ohne Begleitperson verreisen k\u00f6nnen, w\u00e4re es sinnvoll, diese Begleitpersonen finanziell zu entlasten \u2013 etwa durch Zusch\u00fcsse zu \u00dcbernachtungskosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kenne die Situation der Blinden und Sehbehinderten in Ober\u00f6sterreich sehr gut. Aus meiner Sicht sollte das in die Jahre gekommene Blindenzentrum in der Makartstra\u00dfe so rasch wie m\u00f6glich verkauft werden. Immer wieder gelangen Meldungen \u00fcber dringende Reparaturen an die \u00d6ffentlichkeit. Es w\u00e4re sinnvoll, die Kosten des Hauses *Ingr\u00fcne* in Schwarzach mit den Reparatur- und Erhaltungskosten des Hauses des BSV O\u00d6 zu vergleichen. Wie viele Spendengelder flie\u00dfen in die Erhaltung dieses Geb\u00e4udes? Und welchen Nutzen haben die Mitglieder davon? Hier k\u00f6nnte man l\u00e4ngst etwas schaffen, das der eigenen Klientel direkt zugutekommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Finanzierung von Blindenf\u00fchrhunden durch die Verb\u00e4nde ist ein gro\u00dfer Kostenfaktor. Diese Tiere sind sehr teuer. Mit den daf\u00fcr aufgewendeten Mitteln k\u00f6nnte man auch f\u00fcr jene blinden und sehbehinderten Menschen, die keinen Blindenf\u00fchrhund haben oder ben\u00f6tigen, wertvolle Angebote schaffen. &#8212; In Ober\u00f6sterreich kenne ich zudem Personen, die einen Blindenf\u00fchrhund besitzen, bei denen ich mich frage: Warum haben diese Personen \u00fcberhaupt einen Blindenf\u00fchrhund? Manche f\u00fchren den Hund eher selbst, statt vom Hund gef\u00fchrt zu werden. Andere verf\u00fcgen offenbar noch \u00fcber einen guten Sehrest. Wieder andere haben gesundheitliche oder pers\u00f6nliche Probleme, bei denen die Haltung eines Tieres eigentlich nicht sinnvoll erscheint. Eine genauere \u00dcberpr\u00fcfung der Anspruchsberechtigung k\u00f6nnte erhebliche Kosten einsparen \u2013 Mittel, die man beispielsweise zur Unterst\u00fctzung des Hauses *Ingr\u00fcne* h\u00e4tte nutzen k\u00f6nnen. Doch solche Entscheidungen sind unpopul\u00e4r, und wer sie trifft, riskiert bei der n\u00e4chsten Obmann- oder Obfrauwahl wohl seine Position. Schlie\u00dflich handelt es sich nicht um das eigene Geld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was viele ebenfalls nicht wissen: Es gibt Verb\u00e4nde, die an Firmen beteiligt sind \u2013 Beteiligungen, die vermutlich ebenfalls mit Spendengeldern finanziert wurden. Hier sollten blinde und sehbehinderte Menschen aufmerksam werden, recherchieren und die richtigen Fragen stellen. Ich pers\u00f6nlich konnte bisher keinen erkennbaren Mehrwert dieser Firmenbeteiligungen f\u00fcr die Community feststellen. Die daf\u00fcr eingesetzten Mittel h\u00e4tte man auch in ein gemeinsames Erholungszentrum investieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch diese Vergabe finanzieller Mittel durch die Verb\u00e4nde geh\u00f6rt kritisch hinterfragt. Es hat wohl Gr\u00fcnde, warum solche Beteiligungen und Ausgaben bei Generalversammlungen kaum thematisiert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach k\u00f6nnte auch der Dachverband seine T\u00e4tigkeit einstellen. Immerhin finanzieren die einzelnen Landesverb\u00e4nde \u2013 mit Ausnahme von K\u00e4rnten? \u2013 eine Einrichtung, die aus meiner Sicht kaum Wirkung zeigt. Statt eines zentralen Dachverbandes k\u00f6nnten die Landesorganisationen diese Aufgaben im Rotationsprinzip \u00fcbernehmen. Jeder Landesverband w\u00fcrde f\u00fcr drei Jahre die Verantwortung tragen. Dadurch w\u00e4re sichergestellt, dass bei mangelnder Kompetenz ein Wechsel nach \u00fcberschaubarer Zeit erfolgt, anstatt \u00fcber viele Jahre hinweg mit ungeeigneten Vorst\u00e4nden leben zu m\u00fcssen. Zudem blieben die finanziellen Mittel in den jeweiligen Landesverb\u00e4nden, anstatt nach Wien abzuflie\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die einzelnen Landesverb\u00e4nde sollten ihre Mitglieder bei Urlaubs- oder Erholungsreisen finanziell unterst\u00fctzen. So sollten die Begleitpersonen, die ja unabk\u00f6mmlich sind, f\u00fcr \u00dcbernachtungen einen finanziellen Zuschuss erhalten. Schlie\u00dflich sind genau das die Personen, die uns Blinden und Sehbehinderten das Leben etwas einfacher und lebenswerter machen. Ich pers\u00f6nlich denke da einen Betrag von 25 bis 35 Euro pro Tag. Das w\u00e4re angemessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich weise darauf hin, dass ich davon nicht profitieren w\u00fcrde, da ich kein Mitglied dieser Vereine bin. Somit steckt kein Eigennutz dahinter!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn manche Blindenverb\u00e4nde sich bei gewinnorientierten Unternehmen beteiligen oder in anderen Bundesl\u00e4ndern Niederlassungen aufbauen oder ihre Spenden in marode H\u00e4user stecken k\u00f6nnen, dann k\u00f6nnten sie auch etwas f\u00fcr ihre Blinden und Sehbehinderten tun. Hier w\u00fcrde man auch einen Mehrwert erkennen..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das ist sicher nur mein Wunschdenken! Auch weil viele Menschen mit Behinderung auch noch danke sagen wenn man ihnen in den Hintern tritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abschluss noch etwas \u00fcber die Meinungsfreiheit: Scheint bei bestimmten Blindenverb\u00e4nden noch nicht bekannt zu sein. Schlie\u00dflich reagieren sie sehr hysterisch und unsozial auf kritische Meldungen in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich ist die <strong>Meinungsfreiheit<\/strong> in <strong>Artikel 13 des Staatsgrundgesetzes \u00fcber die allgemeinen Rechte der Staatsb\u00fcrger (StGG)<\/strong> geregelt. Das ist einer der zentralen Grundrechtsartikel und gilt bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eJedermann hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck oder durch bildliche Darstellung seine Meinung innerhalb der gesetzlichen Schranken frei zu \u00e4u\u00dfern.<\/strong> <strong>Die Presse darf weder unter Censur gestellt, noch durch das Concessions-System beschr\u00e4nkt werden.<\/strong> <strong>Administrative Postverbote finden auf inl\u00e4ndische Druckschriften keine Anwendung.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wie in allen Demokratien gilt die Freiheit nur \u201einnerhalb der gesetzlichen Schranken\u201c (z.\u202fB. Schutz der Ehre, Sicherheit, Jugendschutz).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Somit sollten auch kritische Aussendungen \u00fcber Newsletter keine Nachteile nach sich bringen. Sollte aber Jederzeit zu einer Diskussion anregen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 Dezember 2025 by Gerhard Hojas, Linz \/ Ebelsberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ende der Ferien- und Erholungsh\u00e4user f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte in \u00d6sterreich. &nbsp; Am 24.12.2025 kam die Nachricht aus Vorarlberg, dass jetzt auch das letzte Ferien- und Erholungszentrum Ingr\u00fcne f\u00fcr&#8230; <a class=\"read-more-button\" href=\"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/was-ist-in-oesterreich-mit-den-blindenverbaenden-los\/\">Lesen Sie mehr &gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[20,19,21,27],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pawkJb-yy","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2142"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2142"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2143,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2142\/revisions\/2143"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}