{"id":2252,"date":"2026-10-25T19:46:12","date_gmt":"2026-10-25T17:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=2252"},"modified":"2026-10-25T19:46:12","modified_gmt":"2026-10-25T17:46:12","slug":"reisebericht-5-tage-steiermark-14-09-2026-bis-18-09-2026","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/reisebericht-5-tage-steiermark-14-09-2026-bis-18-09-2026\/","title":{"rendered":"Reisebericht 5 Tage Steiermark (14.09.2026 bis 18.09.2026)"},"content":{"rendered":"<h2>Montag, 14.09.2026 &#8211; ,Die Fahrt in den S\u00fcden.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem 2025 eine Pause eingelegt worden war, war es 2026 wieder so weit: Eine Gruppe Blinder samt Begleitpersonen aus Ober\u00f6sterreich machte sich erneut auf eine kleine Reise durch \u00d6sterreich. Diesmal ging es nicht in den Westen, sondern in den S\u00fcden \u2013 ins gr\u00fcne Herz \u00d6sterreichs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Montag, dem 14. September 2026, trafen sich Andrea, Anni, Alfons, Erika, Gerhard, Gregor, Johanna und Monika beim Infopoint am Hauptbahnhof Linz. Obwohl wir kurzfristig erfahren hatten, dass zwischen Hinterstoder und Windischgarsten wegen eines Oberleitungsschadens ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war, tat das der hervorragenden Stimmung keinen Abbruch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da sowohl die Sitzplatzreservierungen f\u00fcr die Zugfahrt als auch die Ein- und Ausstiegshilfe der \u00d6BB rechtzeitig organisiert worden waren, konnte nichts mehr schiefgehen.<\/p>\n<p>Auch das Team der \u00d6BB-OS (\u00d6BB Operative Services \u2013 ehemals MUNGOS) war p\u00fcnktlich zur Stelle und holte uns am Treffpunkt ab. Es begleitete uns direkt zum Waggon mit unseren reservierten Pl\u00e4tzen. Mit dessen Unterst\u00fctzung verlief das Einsteigen in den IR (InterRegio) 701 z\u00fcgig und reibungslos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich rollten wir aus dem Hauptbahnhof Linz und machten uns auf den Weg Richtung Graz. Auf dem Abschnitt zwischen Linz und Spital am Pyhrn bummelt der Zug noch gem\u00fctlich durch die Landschaft, da er an fast allen Bahnh\u00f6fen h\u00e4lt. Die ober\u00f6sterreichische Landeshauptstadt bildet dabei den n\u00f6rdlichen Ausgangspunkt der Pyhrnbahn, w\u00e4hrend Spital am Pyhrn die s\u00fcdlichste Haltestelle in Ober\u00f6sterreich vor dem Bosrucktunnel zur Steiermark ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch so weit kamen wir mit der Bahn diesmal nicht am St\u00fcck: In Hinterstoder mussten wir den Zug verlassen und auf Busse umsteigen. Der Schienenersatzverkehr brachte uns bis nach Windischgarsten, wo wir wieder in den Zug stiegen. Die Umstiege funktionierten dank der Hilfe des Bahnpersonals und anderer Fahrg\u00e4ste einwandfrei. Somit hatten wir unser erstes Abenteuer bereits erfolgreich gemeistert und setzten unsere Reise auf de Pyhrnbahn weiter. r<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pyhrnbahn bietet viele malerische Abschnitte, aber einer der sch\u00f6nsten Streckenabschnitte liegt zwischen Kirchdorf an der Krems und Selzthal. Hier f\u00fchrt die Bahn durch das beeindruckende Steyrtal und die Urlaubsregion Pyhrn-Priel. Besonders sehenswert sind die Abschnitte rund um Klaus und den Bosrucktunnel, wo die Bahn durch die Ennstaler Alpen f\u00e4hrt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Landschaft ist gepr\u00e4gt von Bergen, T\u00e4lern und Fl\u00fcssen, und die Fahrt bietet atemberaubende Ausblicke auf die Natur. Es ist eine wunderbare Strecke, um die Sch\u00f6nheit der \u00f6sterreichischen Alpen zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kamen wir nach Spital am Pyhrn und hier f\u00fchrt uns die Fahrt durch den Bosrucktunnel. Der Bosruck-Eisenbahntunnel und die beiden R\u00f6hren des Bosruck-Stra\u00dfentunnels unterqueren den Bergstock des Bosruck in den westlichen Ennstaler Alpen. Sie verbinden die Bundesl\u00e4nder Ober\u00f6sterreich und Steiermark. Der 4.766 m lange Bosruck-Eisenbahntunnel verbindet die Bahnh\u00f6fe der Pyhrnbahn Spital am Pyhrn und Ardning in der Steiermark.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er wurde in den Jahren 1901 bis 1906 im Rahmen des gro\u00dfen staatlichen Investitionsprojekts \u201eNeue Alpenbahnen\u201c f\u00fcr die k.k. Staatsbahnen errichtet, nachdem mehrere Trassenvarianten \u00fcber den Pyhrnpass verworfen worden waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist noch gar nicht so lange her und man konnte die Fenster des Eisenbahnwagens \u00f6ffnen und wenn man durch so alte Tunnels fuhr hatte man immer einen modrigen Geruch in der Nase und eine erfrischende k\u00fchle Brise wehte durch den Waggon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser erster Halt in der Steiermark war beim Bahnhof Selzthal. Dieser Bahnhof verbindet die durchgehende Rudolfsbahn mit der Pyhrnbahn und der Ennstalbahn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er ist somit ein wichtiger Eisenbahnknoten im \u00f6stlichen Ennstal. Er geh\u00f6rt zu den denkmalgesch\u00fctzten Objekten in Selzthal. Besonders sch\u00f6n ist der Jugendstil-Wartesaal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der alte Bahnhof in Selzthal sollte ur\u00adspr\u00fcnglich den Namen Liezen bekommen, da vor dem Bau eine Gemeinde Selzthal noch nicht bestand. Selzthal ist erst durch den Bau der Kronprinz-Rudolf-Bahn, Strecke Weyer-Rottenmann, entstanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige von uns erinnern sich bestimmt noch an den mobilen W\u00fcrstelstand am Bahnhof Selzthal \u2013 legend\u00e4r angepriesen mit: <em>\u201eHei\u00dfe W\u00fcrstel, Bier, Limonade!\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die W\u00fcrstel wurden in der K\u00fcche der Bahnhofsrestauration \u201ebeim Mocker\u201c frisch gebr\u00fcht und auf fahrbaren Imbisswagen direkt an die haltenden Z\u00fcge gerollt. Der Verkauf lief blitzschnell \u00fcber die ge\u00f6ffneten Zugfenster ab: W\u00fcrstel und Getr\u00e4nke wurden hineingereicht, das Geld direkt im Gegenzug kassiert. Kein Wunder, dass die W\u00fcrstelverk\u00e4ufer extrem gut zu Fu\u00df waren \u2013 oft lief die Verk\u00f6stigung schlie\u00dflich noch, w\u00e4hrend der Zug bereits langsam anrollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir Selzthal hinter uns gelassen hatten passierten wir Trieben. Ab hier nahm der Zug ordentlich Fahrt auf: Auf den meisten Abschnitten der Schoberpass-Strecke ging es mit 160 km\/h Richtung Leoben. Ab Frohnleiten war ich wieder in meiner steirischen Heimat, und kurz darauf erreichten wir den Hauptbahnhof Graz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch dort erwartete uns bereits der Begleitdienst der \u00d6BB am Bahnsteig und brachte uns direkt zur S1 nach Bruck. Dort ging es mit der S-Bahn eine Stadion weiter nach\u00a0 Judendorf-Stra\u00dfengel. Dieser kleine Bahnhof nordwestlich von Graz stellt durch seine Barrierefreiheit keine H\u00fcrden da und so war das Aussteigen f\u00fcr die Gruppe kein Hindernis und wir machten uns auf den 5 Minuten-Fu\u00dfmarsch zu unserem Quartier beim Gasthaus Lammer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns im gem\u00fctlichen und sonnigen Gastgarten zum Begr\u00fc\u00dfungstrunk. Das Personal vom Gasthaus Lammer stellte uns einen Tisch f\u00fcr 8 Personen zusammen, den wir die n\u00e4chsten Tage f\u00fcr uns nutzen konnten. Man musste also nicht jedes Mal nach einem Tisch fragen. Genauso wurde es auch beim Fr\u00fchst\u00fcck gehandhabt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier gab es f\u00fcr mich wieder das rote Himbeerkracherl. W\u00e4hrend ich dieses Getr\u00e4nk genoss, stellte ich unseren Urlaubsplan f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage vor. Wir hatten ein umfangreiches, aber keineswegs anstrengendes Programm vor uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas zu Judendorf-Stra\u00dfengel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ehemalige Marktgemeinde Judendorf-Stra\u00dfengel (heute Teil der Fusionsgemeinde Gratwein-Stra\u00dfengel) liegt nordwestlich von Graz und vereint hohe Lebensqualit\u00e4t mit regionaler Bedeutung. Durch ihre Lage im Grazer Bergland, eine gute Infrastruktur und ein breites Freizeitangebot ist die rund 5.800 Einwohner z\u00e4hlende Ortschaft ein attraktiver Wohn- und Naherholungsort, der besonders durch die markante Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel gepr\u00e4gt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zudem ist der Ort ein wichtiger Gesundheitssitz: Die moderne Klinik Judendorf-Stra\u00dfengel bietet mit \u00fcber 250 Besch\u00e4ftigten umfassende Rehabilitation in den Bereichen Neurologie, Orthop\u00e4die, Onkologie sowie Kinder- und Jugendrehabilitation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kulturell erlangte Judendorf-Stra\u00dfengel internationale Bekanntheit durch die Pop-Rock-Band OPUS (\u201eLive Is Life\u201c). Mit ihrem vor Ort betriebenen \u201eRecorder Music Studio\u201c, zahlreichen Alben und Open-Air-Konzerten pr\u00e4gte die Band die Gemeinde nachhaltig und fungierte als bedeutender kultureller Botschafter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir uns Fit f\u00fchlten machten wir uns auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel. Der Weg f\u00fchrte uns auch beim Reha-Zentrum und deren Parkanlagen vorbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir entschieden uns f\u00fcr den Aufstieg zur hochgotischen Wallfahrtskirche <strong>Maria Stra\u00dfengel<\/strong> \u00fcber den Stiegenweg. Das\u00a0 ist ein eindrucksvoller Pilger- und Fu\u00dfweg, der schrittweise vom Talkessel auf den freistehenden Kirchberg (ca. 454 m \u00fc. A.) f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>die historische Stiege f\u00fchrt \u00fcber mehr als 120 Stufen durch den bewaldeten Hang steil nach oben).<\/p>\n<p>Die Stufen sind in mehreren Abs\u00e4tzen angelegt, was den Aufstieg rhythmisch gliedert. Seitlich verlaufende Gel\u00e4nder bieten gute Orientierung und Halt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Am oberen Ende der Treppe tritt man aus dem Baumschatten heraus direkt auf das Plateau des Kirchhofs. Hier empf\u00e4ngt einen das sp\u00e4tgotische Ensemble mit der Wallfahrtskirche, ihrem filigranen, 48 Meter hohen Sandsteinturm (\u201eSteirischer Steffl\u201c) sowie den alten Propstei- und Wirtschaftsgeb\u00e4uden. Nat\u00fcrlich darf hier der Kirchenwirt auch nicht fehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Rundumblick bei Maria Stra\u00dfengel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die hochgotische Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel thront auf einer rund 454 Meter hohen H\u00fcgelkuppe nordwestlich von Graz im Gratkorner Becken. Von der ruhigen, historischen Anlage aus bietet sich ein imposanter Rundumblick im Uhrzeigersinn \u00fcber die umliegende Landschaft. Im Norden f\u00e4llt der Blick \u00fcber die Ortschaft Gratwein-Stra\u00dfengel auf das Gratkorner Becken und den markanten Schartnerkogel. Nach Osten pr\u00e4gen die Mur, das Industriegel\u00e4nde von Gratkorn und der m\u00e4chtige Hausberg Sch\u00f6ckl das Panorama. Richtung S\u00fcden \u00f6ffnet sich die Aussicht weit \u00fcber das Grazer Becken bis in die S\u00fcdsteiermark, w\u00e4hrend die Kette des Plabutsch den Blick begrenzt. Im Westen schirmt der dicht bewaldete Hang des Frauenkogels die Kirche ab und sorgt f\u00fcr eine schattige, gesch\u00fctzte Atmosph\u00e4re. Schlie\u00dflich gleitet die Sicht im Nordwesten zur\u00fcck ins mittlere Murtal und zu den Bergen der Pleschkogel-Gruppe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel ist ein bedeutendes gotisches Bauwerk, das eindrucksvoll auf einem steilen H\u00fcgel nahe Graz thront. Ihr markantestes Merkmal ist der rund 48 Meter hohe, filigran durchbrochene Kirchturm aus leicht r\u00f6tlichem Sandstein, dessen kunstvolles Steinmetzwerk im Sonnenlicht warme Farbt\u00f6ne abstrahlt. Der rechteckige Kirchenraum ist als zweischiffige Hallenkirche gestaltet, in der die schlanken Pfeiler nahtlos in ein reich verzweigtes Netzrippengew\u00f6lbe an der Decke \u00fcbergehen. Durch die hohen, schmalen Spitzbogenfenster f\u00e4llt Tageslicht auf die farbenpr\u00e4chtigen mittelalterlichen Glasgem\u00e4lde, die biblische Szenen und Heiligenfiguren darstellen. Im Zentrum des Altarraums steht das ber\u00fchmte Gnadenbild der Maria im \u00c4hrenkleid, eine Darstellung der Jungfrau Maria in einem mit goldenen Korn\u00e4hren bestickten Gewand. Reich verzierten Seitenalt\u00e4re, eine detailreich geschnitzte Kanzel sowie die historische Orgel auf der Chorempore vervollst\u00e4ndigen den harmonischen Gesamteindruck des Innenraums. Dank ihrer klaren architektonischen Gliederung und der akustischen Klarheit l\u00e4sst sich die ruhige, erhabene Atmosph\u00e4re dieses Sakralbaus bei einem Besuch besonders eindringlich wahrnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Kirchlein am Berg von Stra\u00dfengel: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YOuqBc7bMVU&amp;list=RDYOuqBc7bMVU&amp;start_radio=1\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YOuqBc7bMVU&amp;list=RDYOuqBc7bMVU&amp;start_radio=1<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir all diese Eindr\u00fccke in uns aufgenommen hatten machten wir uns auf den R\u00fcckweg. Diesmal nahmen wir die Stra\u00dfe auf der sehr gem\u00fctlich und bequem unser Quartier erreichten. Schlie\u00dflich war es jetzt auch an der Zeit an das Abendessen zu denken. Das Wetter war sehr angenehm und so nahmen wir wieder im Gastgarten Platz. Was in der Steiermark beim Essen sehr wichtig ist. Bei einem Salat sollte man dazu sagen, dass man\u00a0 ihn ohne Kern\u00f6l wm\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So fand der erste Tag in der Steiermark einen gem\u00fctlichen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Dienstag, 15.09.2026: Im Tal der Geschichte.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck machten wir uns auf dem Weg zum nahegelegenen Bahnhof. Von dort brachte uns das Flux-Taci zum Freilichtmuseum St\u00fcbing. Das ist eine Fahrt von etwa 10 Minuten. Das Museum ist auch mit der S-Bahn oder mit Bussen des steirischen Verkehrsverbundes erreichbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das \u00d6sterreichische Freilichtmuseum St\u00fcbing befindet sich etwa 15 Kilometer n\u00f6rdlich von Graz im Tal der Mur. Es erstreckt sich \u00fcber ein rund 60 Hektar gro\u00dfes, l\u00e4ndliches Areal mitten in einem waldreichen Seitental. Seine Aufgabe ist die Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des historischen b\u00e4uerlichen Bauens und Lebens in ganz \u00d6sterreich. Die Entstehung des Museums geht auf das Jahr 1962 zur\u00fcck, als der Grundstein f\u00fcr das Areal gelegt wurde. Heute beherbergt das Freilichtmuseum rund 100 originalgetreue historische Bauwerke aus den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern. Als eines der zehn gr\u00f6\u00dften Freilichtmuseen Europas besitzt die Anlage eine herausragende kulturelle Bedeutung f\u00fcr das materielle Erbe des Landes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dank des weitgehend ebenen Wegenetzes und der klaren Einteilung der Geb\u00e4ude nach Bundesl\u00e4ndern l\u00e4sst sich die Anlage auch r\u00e4umlich gut orientieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das \u00d6sterreichische Freilichtmuseum St\u00fcbing wurde von dem Volkskundler <strong>Prof. Dr. Viktor Herbert P\u00f6ttler<\/strong> begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1962 gr\u00fcndete sich unter seiner entscheidenden Initiative der Verein <em>\u201e\u00d6sterreichisches Freilichtmuseum\u201c<\/em>, der das Projekt eines zentralen Museums f\u00fcr ganz \u00d6sterreich umsetzte. P\u00f6ttler leitete das Museum \u00fcber viele Jahrzehnte als Gr\u00fcndungsdirektor und baute die Anlage ma\u00dfgeblich auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So standen wir nun im Eingangsbereich und orientierten uns am \u00dcbersichtsplan der Museumsanlage. Da es \u00fcberall etwas zu entdecken gab, machten wir uns auf den Weg zum ersten Objekt.<\/p>\n<p>So begann Schritt f\u00fcr Schritt eine eindrucksvolle Reise durch die regionale Architektur und das l\u00e4ndliche Leben vergangener Jahrhunderte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus f\u00fchrt ein gut begehbarer, breiter Naturweg hinein in die atmosph\u00e4rische Kulisse historischer Bauernh\u00f6fe aus ganz \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entlang des Weges laden das Knirschen des Kieses unter den Sohlen und das sanfte Pl\u00e4tschern eines Baches dazu ein, die Umgebung intensiv wahrzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele der historischen Geb\u00e4ude und Au\u00dfenstationen bieten haptische Elemente. Alte Bauweisen \u2013 wie massive Holzbalken, dicke Natursteinmauern und weiche Reetd\u00e4cher \u2013 lassen sich hier direkt ertasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies konnten wir bereits beim ersten historischen Geb\u00e4ude erleben, auf das wir stie\u00dfen: dem sogenannten \u201eBerglerhaus\u201c aus Neustift bei G\u00fcssing.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um das Ensemble eines Hakenhofes, wie ihn einst Kleinbauern \/ Keuschler bewohnten. Das Geb\u00e4ude ist vergleichsweise niedrig und lang gestreckt. Dadurch konnten wir die Traufe des Strohdachs m\u00fchelos erreichen und seine Beschaffenheit mit den H\u00e4nden erkunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Dach ist vollst\u00e4ndig mit dichtem Roggenstroh gedeckt, dessen Unterkante ein St\u00fcck \u00fcber die W\u00e4nde hinausragt. Tritt man nah heran, steigt einem sofort der Duft von trockenem, leicht getreideartigem Stroh in die Nase. Unter den Fingern f\u00fchlt sich die Dachfl\u00e4che fest geb\u00fcndelt an, w\u00e4hrend die Halmenden sp\u00fcrbar faserig nachgeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was waren Keuschler?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein <strong>Kleinkeuschler<\/strong> (auch <em>Kleinh\u00e4usler<\/em>) bezeichnete eine Person bzw. Familie, die ein sehr kleines b\u00e4uerliches Anwesen \u2013 eine sogenannte <strong>Keusche<\/strong> \u2013 bewohnte und bewirtschaftete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kleinkeuschler standen in der traditionellen l\u00e4ndlichen Gesellschaftshierarchie weit unter den Gro\u00df- und Mittelbauern. Da ihr eigener Grundbesitz meist nicht ausreichte, um eine Familie vollst\u00e4ndig zu ern\u00e4hren, arbeiteten sie h\u00e4ufig als Tagel\u00f6hner auf gr\u00f6\u00dferen H\u00f6fen, \u00fcbten Handwerke aus oder nahmen Nebenarbeiten an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu einem Vollbauer besa\u00df der Kleinkeuschler meist nur sehr wenig Vieh (oft nur Ziegen oder eine einzelne Kuh) und eine kleine Handwirtschaft.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Eine <strong>Handwirtschaft<\/strong> ist ein b\u00e4uerlicher Kleinbetrieb, der <strong>ohne Zugtiere<\/strong> (wie Pferde oder Ochsen) und ohne schwere landwirtschaftliche Maschinen bewirtschaftet wird. Die gesamte Arbeit auf den Feldern und im Stall wird ausschlie\u00dflich in <strong>Handarbeit<\/strong> verrichtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Flankiert von unserem Weg boten sich uns vielf\u00e4ltige Einblicke in historische Geb\u00e4ude, Geh\u00f6fte, Scheunen und Schuppen sowie M\u00fchlen und weitere handwerkliche Einrichtungen, die f\u00fcr den damaligen Alltag von zentraler Bedeutung waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den alten Bauernh\u00f6fen war der charakteristische Geruch der Rauchk\u00fcchen noch immer pr\u00e4sent. Russgeschw\u00e4rztes Kochgeschirr hing an den Haken, und auch die \u00fcbrige Ausstattung der guten Stube schien unber\u00fchrt. Beim Betreten der R\u00e4ume war das historische Fundament \u2013 von gestampften Lehmb\u00f6den bis hin zu ausgetretenen Dielen aus Fichtenholz \u2013 sp\u00fcrbar nah.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch die schmalen Fensterdrang nur wenig Tageslicht, sodass die R\u00e4ume in halbdunkles Licht getaucht waren. Erhellt wurden sie damals durch Petroleumlampen mit regulierbaren Dochten. Die geringe Gr\u00f6\u00dfe der Fenster hatte pragmatische Gr\u00fcnde: Sie sch\u00fctzten vor der K\u00e4lte und trugen dem Umstand Rechnung, dass Glas seinerzeit ein kostbares Gut war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Durchqueren der R\u00e4umlichkeiten war Vorsicht geboten, da die T\u00fcrst\u00f6cke auffallend niedrig und die T\u00fcrschwellen hoch angesetzt waren \u2013 ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Menschen jener Epoche im Durchschnitt kleiner waren als heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die sanit\u00e4ren Einrichtungen entsprachen dem damaligen Standard: Da es noch keine Wasserklosetts gab, geh\u00f6rte der Nachttopf unter dem Bett zur selbstverst\u00e4ndlichen Ausstattung der Schlafzimmer. Schlie\u00dflich wollte im Winter niemand auf das kalte Plumsklo hinter dem Misthaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf unserem weiteren Weg passierten wir einen historischen Glockenturm aus dem Jahr 1776. Urspr\u00fcnglich im burgenl\u00e4ndischen Schallendorf errichtet, wurde er 1970 in das Freilichtmuseum St\u00fcbing versetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In vielen kleineren D\u00f6rfern oder Ortsteilen gab es fr\u00fcher keine eigene Kirche. Der freistehende Glockenturm \u00fcbernahm daher zentrale Aufgaben f\u00fcr die Dorfgemeinschaft:<\/p>\n<p><strong>Gebetssignal:<\/strong> Die Glocke l\u00e4utete zu den t\u00e4glichen Gebetszeiten (Morgens, Mittags, Abends).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warnfunktion:<\/strong> Bei Feuer, Unwettern oder drohenden Gefahren wurde Alarm geschlagen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gemeinschaftsanlass:<\/strong> Die Glocke wurde auch bei Todesf\u00e4llen im Dorf gel\u00e4utet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da es gerade Mittag war, erklang p\u00fcnktlich zu unserer Ankunft sein Gel\u00e4ut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6rbild vom Glockenturm aus dem Burgenland:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Glockenturm.MP3\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Glockenturm.MP3<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein St\u00fcck weiter konnte man schon das Rauschen des Enzenbaches vernehmen. Dieser Bach durchflie\u00dft das gesamte Museumsgel\u00e4nde und das Wasser treibt auch die entsprechenden M\u00fchlen entlang des Baches an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6rbild vom Wasserzulauf zur M\u00fchle:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Zulauf_zur_Muehle.MP3\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Zulauf_zur_Muehle.MP3<\/a><\/p>\n<p>So auch die M\u00fchle mit dem imposanten Wasserrad. Sie stammt urspr\u00fcnglich aus dem Ortsteil <strong>Raabau bei Feldbach<\/strong> im steirischen Vulkanland (S\u00fcdoststeiermark).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Errichtet wurde das M\u00fchlengeb\u00e4ude im Jahr <strong>1822.<\/strong> Sie diente als klassische <strong>Bauernm\u00fchle (Getreidem\u00fchle)<\/strong> zum Mahlen von Brotgetreide (wie Rogen und Weizen) sowie Futtergetreide f\u00fcr die umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betrieben wird die M\u00fchle \u00fcber ein oberschl\u00e4chtiges Holz-Wasserrad, das im Museum \u00fcber ein eigens angelegtes Gerinne mit Wasser versorgt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Inneren befindet sich ein voll funktionsf\u00e4higes Mahlwerk\u00a0 mit M\u00fchlsteinen und Beutelwerk zur Trennung von Mehl und Kleie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die M\u00fchle wird zu Schauzwecken regelm\u00e4\u00dfig in Betrieb genommen, um das traditionelle M\u00fchlenhandwerk anschaulich zu demonstrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unterschl\u00e4chtiges und oberschl\u00e4chtiges M\u00fchlrad:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim <strong>unterschl\u00e4chtigen M\u00fchlrad<\/strong> flie\u00dft der Bach flach unten<\/p>\n<p>durch die Schaufeln, sodass die reine Str\u00f6mung des Flusses das Rad wie ein Paddel vorw\u00e4rtsdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim <strong>oberschl\u00e4chtigen M\u00fchlrad<\/strong> wird das Wasser \u00fcber ein Rinnen-System von oben in geschlossene Kammern gegossen, damit das schwere Eigengewicht des fallenden Wassers das Rad nach unten zieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Hauptunterschied liegt im Kraftprinzip: Unterschl\u00e4chtige R\u00e4der nutzen die Geschwindigkeit des flie\u00dfenden Wassers, oberschl\u00e4chtige R\u00e4der nutzen die Schwerkraft der gef\u00fcllten Wasserf\u00e4cher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Taktil betrachtet haben unterschl\u00e4chtige R\u00e4der offene, gerade Holzbretter f\u00fcr den Widerstand im Wasserlauf, w\u00e4hrend oberschl\u00e4chtige R\u00e4der tiefe, becherartige Mulden besitzen, die das Wasser beim Drehen auffangen und halten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund eignet sich das unterschl\u00e4chtige Rad ideal f\u00fcr breite, flache Fl\u00fcsse im Unterland, wohingegen das oberschl\u00e4chtige Rad ein steileres Gef\u00e4lle ben\u00f6tigt, daf\u00fcr aber mit deutlich weniger Wassermenge viel effizienter arbeitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00fchlsteine:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In der S\u00fcdoststeiermark wurden M\u00fchlsteine vorwiegend aus reicher <strong>Quarzit-Sandeinschluss-Formation<\/strong>, lokalem <strong>Tuffstein<\/strong> oder basaltischen Gesteinen sowie <strong>Trachyttuff<\/strong> gewonnen. F\u00fcr feines Mahlen (wie Weizen) nutzte man sehr harte S\u00fc\u00dfwasserquarzite oder importierten <strong>Franz\u00f6sischen Quarzit. <\/strong>w\u00e4hrend heimische Steine eher f\u00fcr Schrot und rohere Getreidearten dienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u00e4uerliche Mahlsteine in alpinen und s\u00fcdoststeirischen Wasserm\u00fchlen hatten in der Regel einen Durchmesser von <strong>100 bis 140 cm<\/strong> und eine St\u00e4rke (Dicke) von etwa <strong>25 bis 40 cm<\/strong>. Ein einzelner Stein wog dabei oft zwischen 500 und 1.200 kg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war das ein besonderes Erlebnis.\u00a0 Schlie\u00dflich wuchs ich in einer M\u00fchle auf. Mein Vater war damals M\u00fcllermeister und so hatten wir als Kinder einen wunderbaren Spielplatz. Unsere M\u00fchle hatte die Alternative zwischen Strom- und Wasserantrieb umzustellen. Bevor die M\u00fchle wegen eines Stra\u00dfenbaues weichen musste, kamen auch einige M\u00fchlsteine und abgetrettene Bodendielen ins Freilichtmuseum St\u00fcbing.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann kam ein Geb\u00e4ude aus meiner Heimatgemeinde Semriach in unser Blickfeld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wagenschuppen aus Semriach ist ein luftig konstruierter Riegelbau aus dunklem Holz, der nach vorne hin komplett offen ist und von einem weit ausladenden Satteldach bedeckt wird. Unter dem sch\u00fctzenden Dach roch es nach altgebundenem Holz und trockenem Heu, w\u00e4hrend man im Inneren die h\u00f6lzernen Ackerw\u00e4gen und historischen Landwirtschaftsger\u00e4te direkt vor sich hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Blickfang war eine historische Seilerei. Sie stammt aus Feldbach in der Oststeiermark und wurde im fr\u00fchen 19. Jahrhundert errichtet. Das Geb\u00e4ude ist ein langgestreckter, schmaler Holzbau, der speziell f\u00fcr die Handwerker ben\u00f6tigt wurde, um lange Seile und Taue aus Naturfasern wie Flachs oder Hanf zu drehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fcher diente die Werkstatt dazu, robuste Seile f\u00fcr die Landwirtschaft, den Hausgebrauch und den Transport und auch f\u00fcr die Seefahrt herzustellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude der Seilerei ist etwa <strong>30 Meter lang<\/strong>. Es handelt sich um eine typische, nur wenige Meter breite, gestreckte Holzbau-Halle (eine sogenannte \u201eSeilerbahn\u201c). Diese Bauweise war notwendig, um den langen Garnstr\u00e4ngen beim Verdrillen ausreichend Platz in der L\u00e4nge zu bieten, w\u00e4hrend in der Breite lediglich Raum f\u00fcr die Ger\u00e4tschaften und den Arbeitsgang des Seilers ben\u00f6tigt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Inneren konnte man den typischen Geruch von Teer und Pflanzenfasern riechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da wir jetzt auch schon langsam Durst und Hunger bekamen machten wir uns auf dem Weg zu einer Gaststube im Museumsgel\u00e4nde. Aber das ist nicht so schnell zu erreichen, da es immer wieder Schauobjekte am Weg gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eines davon war ein Kohlenmeiler aus Gro\u00dfst\u00fcbing. Der Nachbargemeinde von St\u00fcbing. .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kohlenmeiler (K\u00f6hlerei) diente dazu, aus gew\u00f6hnlichem Holz hochwertige Holzkohle herzustellen, die man f\u00fcr b\u00e4uerliche Schmieden und fr\u00fche Industrien brauchte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er gleicht einem riesigen, dicht geschichteten Holzkegel oder H\u00fcgel, in dessen Mitte sich ein vertikaler Feuerschacht befindet. Um den Meiler herum sind kurze Baumst\u00e4mme steil aneinandergelehnt und dicht mit einer Abdeckung aus Tannenzweigen, Erde und feuchter Rasenerde luftdicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Museumsmodell reicht dieser beeindruckende Erdh\u00fcgel etwa auf Augenh\u00f6he, w\u00e4hrend historische Meiler meist zweieinhalb bis vier Meter hoch aufgeschichtet wurden.<\/p>\n<p>Durch das feuchte Erdreich und das kontrollierte Glimmen ohne Sauerstoff verkohlte das Holz langsam im Inneren, anstatt einfach zu Asche zu verbrennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim traditionellen <strong>Erdmeiler<\/strong>, wie er in St\u00fcbing dargestellt wird, entstanden chemisch gesehen zwar erhebliche Mengen an Nebenprodukten (darunter Holzgeist bzw. Methanol, Holzessig, Holzteer und Gase) \u2013 diese wurden jedoch in der klassischen Praxis <strong>meist nicht aufgefangen, sondern entwichen als Rauch<\/strong>.<\/p>\n<p>Auch an diese K\u00f6hlerei hatte ich Erinnerungen. Schlie\u00dflich hatte ich sie damals noch im Betrieb gesehen: Wenn wir sonntags auf dem Weg zu Familienbesuchen von Semriach \u00fcber St\u00fcbing und Gro\u00dfst\u00fcbing nach Geistthal fuhren, kamen wir immer an diesem Meiler vorbei. Er stand direkt an der Stra\u00dfe, qualmte intensiv und daneben t\u00fcrmte sich ein gro\u00dfer Haufen Holzkohle.<\/p>\n<p>Kurz vor unserer Pause und den verdienten Essen besuchten wir die Grei\u00dflerei. Sie lag dierekt auf unseren Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die historische Grei\u00dflerei \u2013 ein traditionelles l\u00e4ndliches Gemischtwarengesch\u00e4ft \u2013 liegt direkt an einem sanft ansteigenden Kiesweg. Schon beim Eingang fallen alte Werbetafeln ins Auge, unter anderem auch Reklame f\u00fcr die gute alte Bensdorp-Schokolade, die man damals f\u00fcr einen Schilling erwerben konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verkaufsraum selbst ist eher klein und strahlt eine wohlige Geborgenheit aus. Der Boden besteht aus alten, uneben gelaufenen Fichtenholzdielen, die bei jedem Schritt leise knarren und den Duft von trockenem Holz und Wachs verstr\u00f6men.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch bevor wir etwas ber\u00fchren, umf\u00e4ngt uns ein intensiv vielschichtiger Duftcocktail, der typisch f\u00fcr das Landleben des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Ladentheke, die vom Museumspersonal besetzt ist, stehen Seifen, Schokoladen und allerhand weiteres Krimskrams zum Verkauf bereit. An der Wand hinter der Theke erstreckt sich ein mannshohes Fichtenholzregal bis zur Decke. Die tiefen F\u00e4cher bieten reichlich Stauraum und sind mit zahlreichen Schubladen ausgestattet, die sich an kleinen h\u00f6lzernen Kn\u00f6pfen herausziehen lassen. In diesen lagerten fr\u00fcher N\u00e4gel, Garnrollen, Kn\u00f6pfe, Gew\u00fcrze und Saatgut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders sch\u00f6n war, dass wir hier viele Gegenst\u00e4nde selbst anfassen und ertasten durften. Auf der Holztheke befindet sich eine alte Registrierkasse mit einer seitlichen Kurbel. Ebenso stehen dort verschiedene Messbecher zum Abmessen der Ware aus den Schubladen sowie eine historische Balkenwaage mit tiefen, runden Schalen samt passenden Gewichten von wenigen Gramm bis zu f\u00fcnf Kilogramm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir einige Kleinigkeiten erworben hatten, verlie\u00dfen wir diesen historischen Ort mit dem sch\u00f6nen Gef\u00fchl, vieles aus der eigenen Kindheit wiedererkannt zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun war es wirklich an der Zeit, eine Pause einzulegen und etwas zu essen. Das nahegelegene Wirtshaus passte perfekt ins Bild: Es handelt sich um das historische Gasthaus \u201eZum G\u00f6ller\u201c, das urspr\u00fcnglich vom Lahnsattel in St. Aegyd stammt und hier im Areal der Kr\u00e4utler-Grei\u00dflerei originalgetreu wieder aufgebaut wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir nahmen an einem gro\u00dfen Holztisch mit B\u00e4nken Platz und lie\u00dfen uns das Essen schmecken. Bereits w\u00e4hrend unseres Spaziergangs durch das Museum war uns immer wieder ein vertrautes Ger\u00e4usch aufgefallen: Da die Anlage auch w\u00e4hrend des Museumsbetriebs st\u00e4ndig gepflegt wird, war regelm\u00e4\u00dfig ein alter, gr\u00fcner Steyr 15 unterwegs. Wer das typische Starten und Knattern dieses Oldtimers einmal geh\u00f6rt hat, vergisst es nie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6rbild: Der Steyr 15 im Hintergrund:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Steyr_15.MP3\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Steyr_15.MP3<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein legend\u00e4res 15er Steyr Lied:<strong> (Stefan Rauch und Petutschnig Hons)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8cGW3d3NTAM&amp;list=RD8cGW3d3NTAM&amp;start_radio=1\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8cGW3d3NTAM&amp;list=RD8cGW3d3NTAM&amp;start_radio=1<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach unserer Rast setzten wir unseren Weg fort und spazierten gem\u00fctlich durch das Gel\u00e4nde, bis wir zur Schule gelangten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das historische Schulgeb\u00e4ude befand sich urspr\u00fcnglich auf dem \u201eSchiesterhof\u201c in Pr\u00e4tis bei P\u00f6llau (Oststeiermark). Es entstand im Zuge der Einf\u00fchrung der allgemeinen Schulpflicht durch Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1774, indem eine ehemalige h\u00f6lzerne Brechelstube zu einem Schulraum umfunktioniert wurde.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Exkurs: Was ist eine Brechelstube?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Brechelstube (auch <em>Brechelh\u00fctte<\/em> oder <em>Haarstube<\/em> genannt) ist ein einfaches historisches Wirtschaftsgeb\u00e4ude auf dem Land, das speziell f\u00fcr die Verarbeitung von Flachs (Lein) genutzt wurde. Um aus den holzigen St\u00e4ngeln der Flachspflanze feine Fasern zum Spinnen zu gewinnen, durchlief das Material hier mehrere traditionelle Arbeitsschritte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude selbst ist somit \u00fcber 200 Jahre alt und steht stellvertretend f\u00fcr die Anf\u00e4nge des l\u00e4ndlichen Schulwesens im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert. Unterrichtet wurden damals vor allem die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Religion. Besonderer Wert wurde zudem auf das Sch\u00f6n- und Richtigschreiben gelegt, bei dem die Kinder die deutsche Kurrentschrift erlernten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ausstattung des Klassenzimmers ist schlicht gehalten: Zur Einrichtung geh\u00f6ren einfache Holzschulb\u00e4nke, auf denen mehrere Kinder nebeneinander sa\u00dfen. Als Schreibunterlage dienten kleine Schiefertafeln mit Griffeln, w\u00e4hrend die Lehrkraft vor einer gro\u00dfen Wandtafel unterrichtete. Ein Stehpult f\u00fcr den Lehrer komplettiert das historische Mobiliar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus vermittelt das im Schulraum ausgestellte Anschauungsmaterial einen authentischen Eindruck vom l\u00e4ndlichen Unterricht jener Zeit:<\/p>\n<p>Da es damals noch keine gedruckten Schulb\u00fccher f\u00fcr jedes Kind gab, dienten gro\u00dfformatige Wandtafeln dazu, den Sch\u00fclern Gegenst\u00e4nde, Tiere, Pflanzen sowie biblische Szenen visuell n\u00e4herzubringen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Vorgezeichnete Alphabete an den W\u00e4nden halfen den Kindern beim Ein\u00fcben der rechtsschr\u00e4gen deutschen Kurrentschrift mit ihren charakteristischen Schleifen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Aber auch etwas ganz besonderes fanden wir in der Schule. Mir war dieses Spiel nicht bekannt. F\u00fcr andere aus unserer Gruppe war es ein Wiedersehen. Das Spiel hei\u00dft \u201eAlle Neune\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Spiel war zur Zeit der einklassigen Volksschulen im 18. und 19. Jahrhundert bereits seit Jahrhunderten im gesamten mitteleurop\u00e4ischen Raum verbreitet.<\/p>\n<p>Das Spiel war und ist auch heute noch unter den Namen <strong>\u201eShut the Box\u201coder \u201eKlappbrett\u201c\u00a0 bekannt. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Klappbrett-W\u00fcrfelspiel (\u201eShut the Box\u201c \/ \u201eAlle Neune\u201c):<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Dieses einfache Holzspiel mit Klappen von 1 bis 9 war im 18. und 19. Jahrhundert als Zeitvertreib in Stuben und Schankr\u00e4umen extrem beliebt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Da man beim W\u00fcrfeln mit zwei W\u00fcrfeln die Zahlen zerlegen und zusammenz\u00e4hlen muss (z. B. bei einer gew\u00fcrfelten 9 entweder die 9 direkt oder 5+4, 6+3 etc. umklappen), wurde es oft auch als anschauliche Rechen\u00fcbung f\u00fcr Kinder genutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer historischen Dorfschule selbst stand das Vergn\u00fcgungsspiel zwar nicht auf dem offiziellen Lehrplan, aber in den Bauernstuben und am Dorfplatz geh\u00f6rte \u201eAlle neune\u201c ganz selbstverst\u00e4ndlich zum Alltag der Kinder und Erwachsenen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Spiel gibt es noch heute und es ist auch f\u00fcr Blinde und Sehbehinderte mit habtischer Schrift und Braille adaptiert.<\/p>\n<p>Nach dem Schulbesuch war es schlie\u00dflich Zeit f\u00fcr den R\u00fcckweg. Der Tag im Freilichtmuseum verging wie im Flug, sodass wir nicht einmal die H\u00e4lfte des weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4ndes besichtigen konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zum Talschluss im Westen und zur Sennerei aus dem Bregenzerwald in Vorarlberg schafften wir es diesmal gar nicht. Auch den Almenbereich im hinteren Drittel des Areals mit seinen traditionellen Kaser- und Sennh\u00fctten aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg konnten wir noch nicht erkunden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unser Erfahrungstipp:<\/strong> Das Freilichtmuseum in St\u00fcbing ist extrem umfangreich und auch f\u00fcr Blinde sowie sehbehinderte Menschen ein wahres Eldorado zum Begreifen, Ertasten, Erforschen, Riechen und F\u00fchlen. Man sollte sich hier definitiv zwei Tage Zeit nehmen; ein durcheiltes Durchgehen macht wenig Sinn, da man schlichtweg zu viel verpassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir noch eine Runde durch den Museumsshop im Eingangs- und Besucherzentrum gedreht hatten, setzten wir uns in den Garten des Museumscaf\u00e9s, um auf unser Gro\u00dfraumtaxi zu warten. Da dieses jedoch im Stau steckte, wurden wir schlie\u00dflich in zwei Gruppen zu unserer Unterkunft gebracht. Aufgrund der kurzen Strecke war das v\u00f6llig problemlos \u2013 und so lernten wir auch gleich Dimitri kennen, unseren Taxifahrer aus der Ukraine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abendessen kamen wir wieder im Gastgarten zusammen, wo wir heute sogar musikalisch untermalt wurden: Ein Geburtstag wurde gefeiert, und es trat ein ganz besonderer Stargast auf \u2013 Elvis Presley. Er lebt also doch noch, was acht Personen aus Ober\u00f6sterreich, darunter vier blinde Teilnehmer, eidesstattlich bezeugen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So fand ein wundersch\u00f6ner und lehrreicher Ausflug mit viel Musik einen gelungenen Abschluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlu\u00dfgedanke:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Besuch im Freilichtmuseum kam auch der Gedanke auf wie damals Menschen mit Behinderung am Land und besonders auf Bauernh\u00f6fen lebten und \u00fcberlebten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Leben von Menschen mit Behinderung auf dem Land und an Bauernh\u00f6fen im 18. Jahrhundert war gepr\u00e4gt von strenger N\u00fctzlichkeitsethik, starker Religiosit\u00e4t und dem Fehlen jeglicher staatlicher oder medizinischer Versorgungssysteme.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sozialer Status und Alltag auf dem Bauernhof:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert bildete der Bauernhof eine Arbeits- und \u00dcberlebensgemeinschaft. Der soziale Status eines Menschen h\u00e4ngte ma\u00dfgeblich von seiner <strong>Arbeitsf\u00e4higkeit<\/strong> ab:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Integrierte Nutzbarkeit:<\/strong> Menschen mit leichten k\u00f6rperlichen oder geistigen Einschr\u00e4nkungen wurden im Alltag nicht grunds\u00e4tzlich ausgegrenzt, sondern bekamen Aufgaben zugewiesen, die ihren M\u00f6glichkeiten entsprachen (z. B. Viehh\u00fcten, Kr\u00e4utersammeln, Hilfe im Haushalt oder einfache Handreichungen). Solange jemand zum Gesamtertrag beitragen konnte, war er fester Bestandteil der Hofstruktur.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schwere Beeintr\u00e4chtigungen:<\/strong> Wer aufgrund schwerer geistiger oder k\u00f6rperlicher Behinderungen nicht arbeitsf\u00e4hig war, galt als \u201eEsser ohne Ertrag\u201c und bedeutete eine erhebliche \u00f6konomische Belastung f\u00fcr die Familie. Solche Angeh\u00f6rigen wurden oft auf den H\u00f6fen mitversorgt, lebten jedoch oft isoliert in Nebenr\u00e4umen, Kammern oder St\u00e4llen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Religi\u00f6se Deutung:<\/strong> Das Umfeld deutete Behinderungen meist christlich-fatalistisch. Sie wurden wahlweise als \u201eGottes F\u00fcgung\u201c, Pr\u00fcfung des Glaubens, Strafe f\u00fcr S\u00fcnden der Eltern oder \u2013 im Volksglauben \u2013 als Einwirkung von Hexerei oder dem Teufel (\u201eWechselbalg\u201c) interpretiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Absichtliche Kindst\u00f6tung und vernachl\u00e4ssigende Sterblichkeit:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Absichtliche Kindst\u00f6tungen (Infantizid) kamen vor, betrafen jedoch im 18. Jahrhundert vor allem uneheliche Kinder aufgrund der enormen gesellschaftlichen und rechtlichen \u00c4chtung unhelicher M\u00fctter.<\/p>\n<p>Bei Kindern, die mit offensichtlichen schweren Behinderungen oder Fehlbildungen geboren wurden, war das Bild komplexer:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verdeckte Vernachl\u00e4ssigung (\u201ePassive T\u00f6tung\u201c):<\/strong> Direkte, gewaltsame Kindst\u00f6tungen wurden von Kirche und weltlicher Obrigkeit strengstens verfolgt und mit dem Tod bestraft. Daher \u00fcberwog das Muster der <strong>selektiven oder passiven Vernachl\u00e4ssigung<\/strong>: Beeintr\u00e4chtigte Neugeborene oder Kleinkinder erhielten weniger Nahrung, verunreinigte Milch oder wurden bei K\u00e4lte unzureichend versorgt. Infantiles Dahinscheiden durch Unterern\u00e4hrung oder Infekte wurde dann als nat\u00fcrlicher Tod bzw. als \u201eSchicksal\u201c hinangenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wurden S\u00e4uglinge im Winter nass gemacht und ins Freie gelegt. Sie starben dann an einer Lungenentz\u00fcndung. Oder man schob sie in den Backofen und wenn man an \u00fcberhitzte Autos denkt kann man sich vorstellen was passiert ist. Der Doktor konnte nur einen pl\u00f6tzlichen Kindstot feststellen.\u00a0\u00a0 Was damals sicher sehr oft die \u201eFroass\u201c war.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Glaube an den \u201eWechselbalg\u201c:<\/strong> Wenn ein Kind sich geistig nicht wie erwartet entwickelte oder schwere Kr\u00e4mpfe zeigte, entstand im Volksglauben manchmal der Verdacht, das eigentliche Kind sei von D\u00e4monen ausgetauscht worden. Die verzeichneten Br\u00e4uche zur \u201eAustreibung\u201c bedeuteten oft extreme physische Misshandlung, die nicht selten zum Tod des Kindes f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Froass<\/strong> (auch <em>Fraisch<\/em>, <em>Fraas<\/em> oder <em>Freisch)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong>\u201eFroass\u201c<\/strong> (auch <em>Fraisch<\/em>, <em>Fraas<\/em> oder <em>Freisch<\/em> genannt) war im 18. Jahrhundert <strong>nicht<\/strong> der pl\u00f6tzliche Kindstod (SIDS), sondern ein Sammelbegriff f\u00fcr <strong>Krampfanf\u00e4lle und Konvulsionen bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Symptome:<\/strong> Unter der Fraisch verstand man epileptische Anf\u00e4lle, Fieberkr\u00e4mpfe, Kr\u00e4mpfe bei Mangelkrankheiten (z. B. Tetanie durch Vitamin-D-\/Calciummangel) oder Kr\u00e4mpfe bei schweren Infektionskrankheiten (wie Tetanus oder Hirnhautentz\u00fcndung).<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bedeutung:<\/strong> Da solche Kr\u00e4mpfe bei S\u00e4uglingen sehr h\u00e4ufig t\u00f6dlich verliefen, war die \u201eFroass\u201c eine der am h\u00e4ufigsten eingetragenen Todesursachen in den historischen Pfarrmatriken\/Sterbeb\u00fcchern dieser Zeit.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Volksglaube und Schutz:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen die \u201eFraisch\u201c gab es eine ausgepr\u00e4gte religi\u00f6se Volksmedizin. Weit verbreitet waren sogenannte <strong>Fraischbriefe<\/strong> (Schutzamulette mit religi\u00f6sen Texten oder Symbolen) oder <strong>Fraisch-M\u00fcnzen<\/strong>, die man Kindern unter das Kopfkissen legte oder umh\u00e4ngte, um die Kr\u00e4mpfe abzuwehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Einleger und Einlegerinnen am Land:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Einlegewesen<\/strong> (auch <em>Einlegeverfahren<\/em> oder <em>Einlegersystem<\/em>) war die traditionelle, kommunale Form der Armenf\u00fcrsorge in l\u00e4ndlichen Regionen \u00d6sterreichs vor der Einf\u00fchrung moderner Sozialsysteme.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer waren die Einleger?<\/strong> Als Einleger oder Einlegerinnen bezeichnete man verarmte, arbeitsunf\u00e4hige, alte oder chronisch kranke und behinderte Menschen, die keine eigene Familie zur Versorgung hatten und keinen Besitz besa\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das System des \u201eEinlegens\u201c:<\/strong> Die Ortsgemeinde verpflichtete die ans\u00e4ssigen Bauernh\u00f6fe der Reihe nach, diese Personen f\u00fcr eine festgelegte Zeit (oft tage- oder wochenweise) bei sich aufzunehmen und zu verk\u00f6stigen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lebensbedingungen:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Dasein als Einleger war von hoher sozialer Declassierung gepr\u00e4gt. Sie standen in der Hierarchie des Hofes ganz unten \u2013 oft noch unter den M\u00e4gden und Knechten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Unterbringung dienten meist unheizbare Ausgedingekammern, Schuppen oder St\u00e4lle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn der Einleger noch zu einfachen Handreichungen (z. B. Wolle spinnen, Holz klauben, Schnitzen) f\u00e4hig war, musste er diese Leistung als Gegenwert f\u00fcr die Verpflegung erbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr viele behinderte oder gebrechliche Menschen ohne Angeh\u00f6rige war das Einlegewesen die einzige M\u00f6glichkeit, das physische \u00dcberleben auf dem Land zu sichern, wenngleich unter oft sehr demoralisierenden und d\u00fcrftigen Bedingungen.<\/p>\n<p>Hierzu l\u00e4sst sich an die Erz\u00e4hlungen von Peter Rosegger ankn\u00fcpfen: In seinem Werk Das Waldbauernb\u00fcbelschildert er die Geschichte seiner blinden F\u00fchrerin, die ihr Dasein ebenfalls als Einlegerin verbrachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meiner Kindheit waren Begriffe wie \u201eEinleger\u201c oder \u201eFroass\u201c noch durchaus gel\u00e4ufig. Damals hielt ich jedoch die Welt von Heidi und ihrer im Rollstuhl sitzenden Freundin Klara f\u00fcr das echte Leben \u2013 voller Sozialromantik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch in unserer Gemeinde gab es damals noch einen Einleger. Die Gemeinde stellte ihm einen Bauwagen zum Wohnen und Schlafen zur Verf\u00fcgung, und so zog der \u201eKarrer Bertl\u201c t\u00e4glich von einem Hof zum n\u00e4chsten, um verk\u00f6stigt zu werden. Bei jedem Bauern lie\u00df er aufs Neue seine Schimpftriaden \u00fcber den B\u00fcrgermeister los. Die letzten Jahre seines Lebens durfte er schlie\u00dflich in einer Seniorenresidenz verbringen und sanft aus dieser Welt scheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Mittwoch, 16.09.2026: Von der steirischen Knopfharmonika zum gr\u00f6\u00dften freih\u00e4ngenden Tropfstein der Welt.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute war ein besonderer Tag, denn es standen zwei Highlights auf dem Programm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon nach dem Fr\u00fchst\u00fcck wartete der Bus auf dem Parkplatz beim Gasthaus Lammer. Am Steuer sa\u00df ein ganz besonderer Chauffeur: mein Bruder G\u00fcnter. Unser Bus war \u00e4u\u00dferst komfortabel und bot den Vorteil, dass man auf beiden Seiten ein- und aussteigen konnte. Nachdem alle ihren Platz eingenommen hatten, brachen wir in Richtung Norden auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Strecke passierten wir Gratwein. Das dortige Restaurant <em>Fischerwirt<\/em> d\u00fcrfte einigen Blinden und Sehbehinderten aus Ober\u00f6sterreich ein Begriff sein. Auch ich habe beste Erinnerungen daran \u2013 schlie\u00dflich h\u00f6rte ich dort zum ersten Mal das Lied \u201eF\u00fcrstenfeld\u201c von STS. Das war 1984.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier kamen wir auch an einen gro\u00dfen Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im Bezirk vorbei. Es ist die Papier- und Zellstofffabrik SAPPI (South African Pulp and Paper Industries Limite &#8211; S\u00fcdafrikanische Zellstoff- und Papierindustrie GmbH). Fr\u00fcher war das die Leykam M\u00fcrztaler Papierfabrik mit Standorten in Fronleiten, Bruck an der Mur und Niklasdorf. Die Papierfabrik Niklasdorf wurde vom Industriellen Prinzhorn \u00fcbernommen. Das ist jener Zeitgenosse der den damaligen Bundespr\u00e4sidenten Klestil eine blutige Nase androhte. Prinzhorn wundert sich sicher noch bis heute warum er nie einen Ministerposten bekam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dieser Papierfabrik habe ich meinem ersten Beruf erlernt. Hier wurde ich zum Betriebsschlosser ausgebildet. Mein Spezialgebiet waren Kupplungen und Transmissionen auf jeder nur m\u00f6gliche Arten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Gratkorn bogen wir auf die B67 ein. Diese war fr\u00fcher als ber\u00fcchtigte \u201eGastarbeiterroute\u201c nach Jugoslawien bekannt. Besonders im Sommer musste man lange warten, um \u00fcberhaupt auf die Bundesstra\u00dfe einzubiegen. Unz\u00e4hlige Fahrzeuge rollten damals Richtung Heimat oder zur\u00fcck nach Deutschland und Nordeuropa \u2013 nicht selten v\u00f6llig \u00fcberladen. Auf den D\u00e4chern t\u00fcrmten sich Schubkarren, K\u00fchltruhen oder Waschmaschinen. Leider kam es auf dieser Strecke immer wieder zu schweren Unf\u00e4llen, bis in den 1980er-Jahren parallel dazu die Pyhrnautobahn (A9) gebaut wurde. Mein Vater nutzte damals oft den angrenzenden Fahrradweg, um mit seinem VW K\u00e4fer an den endlosen Kolonnen vorbeizuzockeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einigen Minuten auf der B67 verlie\u00dfen wir das Murtal und bogen rechts ab auf die Landstra\u00dfe nach Semriach. Wir \u00fcberquerten die A9, fuhren durch Friesach und schlugen eine \u00f6stliche Route durch den Augraben ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Augraben (auch R\u00f6tschgraben) ist ein tief eingeschnittenes, enges und dicht bewaldetes Kerbtal des Grazer Berglandes. Es wirkt schattig und k\u00fchl, stark gepr\u00e4gt von den steil abfallenden Hangw\u00e4ldern und dem R\u00f6tschbach. Der Name bedeutet schlicht \u201efeuchtes beziehungsweise wasserreiches Engtal\u201c. Der R\u00f6tschbach entspringt im Semriacher Becken nahe dem Hochtr\u00f6tsch, st\u00fcrzt durch die bekannte Kesselfallklamm hinab in den Augraben und m\u00fcndet schlie\u00dflich bei Friesach in die Mur. Dieser Bach ist fest mit meiner Kindheit verbunden, denn in der N\u00e4he unseres Wohnhauses habe ich ihn damals regelm\u00e4\u00dfig befischt oder auch leergefischt..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entlang der Stra\u00dfe bis zum Kesselfall gab es fr\u00fcher vier Gasth\u00e4user, von denen heute nur noch eines betrieben wird \u2013 jenes, in dem wir am Nachmittag einkehrten. Das erste Lokal der Strecke war einst der <em>Weingrill in Friesach<\/em>: eine hervorragende Adresse f\u00fcr gutes Essen, bei der Kern\u00f6l selbstverst\u00e4ndlich ungefragt auf den Tisch kam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bereits bei unserer Anreise am Montag nach Graz und beim Besuch der Kirche Maria Stra\u00dfengel war uns in der Ferne ein Steinbruch aufgefallen, der am oberen Rand markant von B\u00e4umen ges\u00e4umt wird. Nun fuhren wir direkt daran vorbei: Es handelt sich um den Steinbruch Harrer, den ich ebenfalls seit meiner Kindheit kenne. Auf Google Earth oder Google Maps dienen solche pr\u00e4gnanten Landschaftspunkte bis heute als hervorragende Orientierungshilfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter passierten wir das n\u00e4chste, mittlerweile geschlossene Wirtshaus: den <em>Woff<\/em>. Hier fanden am Karsamstag fr\u00fcher immer die Fleischweihen statt. Da der Wirt J\u00e4ger war, standen auch die Veranstaltungen ganz im Zeichen der Jagd und des J\u00e4gerlateins..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kam auf der rechten Seite ein kleiner H\u00fcgel in Sicht. Davor stand fr\u00fcher ein S\u00e4gewerk, bei dem wir regelm\u00e4\u00dfig \u201eSoschortn\u201c als Einstreu f\u00fcr den Kuh- und Schweinestall holten. Auf dem H\u00fcgel befand sich ein kleiner Skilift mit zwei B\u00fcgeln. Dort zog ich meine ersten Schw\u00fcnge im Schnee \u2013 auch wenn mein Fahrstil damals eher einem Kamikaze-Piloten glich, der im Morsestyle nach unten brauste: <em>Strich, Punkt, Strich, Punkt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erreichten wir unser Ziel und bogen links zur Harmonikaerzeugung Franz Parz ein. Die Umgebung hier ist von dichtem Wald gepr\u00e4gt. Auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite liegt eine Wiese, auf der fr\u00fcher unsere K\u00fche ihren t\u00e4glichen Auslauf hatten; heute weiden dort Schafe. Direkt an die Wiese grenzt der R\u00f6tschbach an, hinter dem sich ein steiler Waldberg erhebt: die Rannach. Durch den dichten Bewuchs sind die drei Forststra\u00dfen, die sich dort in verschiedenen H\u00f6hen durch den Hang ziehen, von unten nicht zu erkennen. Ein Gro\u00dfteil dieser ausgedehnten Forstfl\u00e4chen geh\u00f6rt seit jeher zum Waldbesitz des nahegelegenen Zisterzienserstiftes Rein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir\u00a0 waren aber nicht hier um auf B\u00e4ume zu starren sondern zu erfahren was man mit solchen H\u00f6lzern machen kann. Wir standen beim Eingang bei der Harmonikaerzeugung Franz Parz in Semriach. Hier entstehen die bekannten altsteirischen Knopfharminikas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wurden auch dementsprechend mit steirischer Harmonika und Teufelsgeige begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6rbild Begr\u00fc\u00dfung bei Franz Parz: <a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Begruessung_Parz.MP3\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Begruessung_Parz.MP3<\/a><\/p>\n<p>altsteirischen Knopfhamonika<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Harmonikaerzeugung Franz Parz:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Franz Parz senior war von Jugend an ein begeisterter Knopfharmonikaspieler. Sein Drang, nicht nur zu musizieren, sondern das Instrument im Detail zu verstehen und selbst zu bauen, pr\u00e4gte seinen Werdegang.<\/p>\n<p>Seine Ausbildung zum Tischler lieferte das n\u00f6tige Holzhandwerk. W\u00e4hrend seiner Lehrzeit bot ihm sein Chef an, eine eigene Harmonika zu fertigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach intensiver Einarbeitung gr\u00fcndete Franz Parz sen. 1978 seine eigene Werkstatt in Semriach bei Graz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Betrieb wuchs zu einem reinen Familienunternehmen heran. Neben seiner Frau unterst\u00fctzen die Kinder den Betrieb: Tochter Gabriele gibt Harmonikakurse, Tochter Christine f\u00fchrt die Organisation, und Sohn Franz Parz jun. baut gemeinsam mit dem Vater in der Werkstatt neue Modelle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Werkstatt entstehen handgefertigte Einzelst\u00fccke aus heimischen H\u00f6lzern wie Fichte, Erle, Nuss oder Ahorn. Neben dem Neubau widmet sich die Werkstatt auch der Restauration alter Instrumente.<\/p>\n<p>Um sich eine<\/p>\n<p>Harmonika ohne visuelle Eindr\u00fccke vorzustellen, hilft ein Blick auf die drei haptischen und akustischen Hauptkomponenten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Geh\u00e4use (Diskant- und Bassseite):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei feste Holzk\u00e4sten bilden das \u00c4u\u00dfere. Die rechte Seite (Diskant) spielt die Melodie, die linke Seite (Bass) sorgt f\u00fcr den Rhythmus und die tiefen Begleitt\u00f6ne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bedeutet <strong>Diskant? <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist die Seite des Instruments, mit der die eigentliche <strong>Hauptmelodie in den hohen T\u00f6nen<\/strong> gespielt wird.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Wort stammt vom lateinischen <em>discantus<\/em> ab und bedeutete urspr\u00fcnglich \u201eOberstimme\u201c oder \u201ehoher Gesang\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn du das Instrument h\u00e4ltst, ist der Diskant die <strong>rechte Seite<\/strong>. Deine rechte Hand spielt hier die hohen Melodiet\u00f6ne \u2013 im Gegensatz zur linken Hand, die auf der <strong>Bassseite<\/strong> den tiefen Rhythmus und die Begleitung spielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Balg:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein faltbarer Schlauch aus gefaltetem Karton, Leder und Stoff verbindet die beiden Holzk\u00e4sten. Durch Auseinanderziehen und Zusammendr\u00fccken bewegt der Balg die Luft im Inneren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Stimmzungen (Durchschlagzungen):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die str\u00f6mende Luft bringt kleine Metallpl\u00e4ttchen (Stimmzungen) im Inneren zum Schwingen, wodurch der Ton erzeugt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die verschiedenen Arten von Harmonika-Instrumenten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Handharmonikas nutzen alle dieselbe Krafterzeugung durch Luftbewegung, unterscheiden sich aber in der Anordnung der Tasten und den Spielmechanismen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Steirische Harmonika:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonderheit: Diatonisch und wechselt\u00f6nig. Das bedeutet: Wenn du einen Knopf dr\u00fcckst, erklingt beim Ziehen des Balgs ein anderer Ton als beim Dr\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tastatur: Kn\u00f6pfe auf der Diskantseite, angeordnet in 3 bis 5 Reihen. Jede Reihe ist auf eine bestimmte Tonart abgestimmt.<\/p>\n<ul>\n<li><\/li>\n<\/ul>\n<p>Klang: Charakteristisch sind die tiefen &#8222;Helikonb\u00e4sse&#8220;, die extrem kr\u00e4ftig und tief klingen und Blasinstrumente wie eine Tuba nachahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Standard-Akkordeon (Piano-Akkordeon) oder auch das Schifferklavier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonderheit: Gleicht\u00f6nig. Ein Druck auf dieselbe Taste erzeugt beim Ziehen und Dr\u00fccken des Balgs exakt denselben Ton.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tastatur: Die Melodieseite hat Klaviertasten (schwarze und wei\u00dfe Tasten). Die Bassseite besitzt ein Feld aus vielen kleinen Kn\u00f6pfen f\u00fcr Einzelb\u00e4sse und fertige Akkorde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Knopfakkordeon (Chromatisches Akkordeon):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonderheit: Ebenfalls gleicht\u00f6nig, besitzt aber anstelle von Klaviertasten mehrere Reihen kleiner, runder Kn\u00f6pfe auf der Melodieseite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorteil: Durch die kompakte Knopfanordnung lassen sich gro\u00dfe<\/p>\n<p>Tonabst\u00e4nde sehr greifnah spielen.<\/p>\n<p>Die Schrammelharmonika \/ Wiener Harmonika:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonderheit: Eine traditionelle ost\u00f6sterreichische Sonderform, oft diatonisch mit Kn\u00f6pfen gebaut. Sie wird vor allem in der Wiener Schrammelmusik eingesetzt und hat einen weichen, schwebenden Klang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Concertina und Bandoneon:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonderheit: Kompakte, sechseckige oder quadratische Geh\u00e4useformen ohne gro\u00dfe Bassmechanik-Felder. Beide H\u00e4nde spielen Kn\u00f6pfe, die direkt auf den Stirnseiten liegen. Das Bandoneon ist vor allem aus dem argentinischen Tango bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Franz Parz Sen. Spielt den\u00a0\u00a0 Jagasepp<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Video zeigt den Gr\u00fcnder Franz Parz sen. beim Musizieren auf einer seiner selbst gebauten Harmonikas und vermittelt einen Eindruck vom traditionellen Klang des Semriacher Handwerks.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7e9Dt2o7oB8\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7e9Dt2o7oB8<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als wir die Werkstatt betraten, umfing uns sofort eine dichte, beinahe greifbare Atmosph\u00e4re. Wir sp\u00fcrten augenblicklich, dass wir einen Raum betreten hatten, in dem Holz nicht nur verarbeitet, sondern behutsam zum Klingen gebracht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es f\u00fchlte sich an wie das Eintauchen in eine ganz eigene, gesch\u00fctzte Welt. Die absolute Hingabe an das Instrument war allgegenw\u00e4rtig \u2013 eine handwerkliche Leidenschaft, die den Raum mit jedem feinen Werkzeugklirren mit Leben f\u00fcllte. Es war ein Ort, der nicht nur f\u00fcr die Augen geschaffen schien, sondern ganz auf das H\u00f6ren und F\u00fchlen ausgerichtet war: die wahre Geburtsst\u00e4tte des Klangs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Franz Parz wurde sofort sp\u00fcrbar, wie sehr er f\u00fcr die Steirische Harmonika und alles, was dazugeh\u00f6rt, lebt. Ganz besonders freute es uns, dass er sich auf unsere Gruppe vorbereitet hatte: Anhand vorgefertigter Werkst\u00fccke erkl\u00e4rte er uns Schritt f\u00fcr Schritt die Herstellung einer Harmonika. So konnten wir die Entstehung des Instruments \u2013 vom ersten geleimten Kasten bis zum ersten erklingenden Ton \u2013 hautnah mitverfolgen.<\/p>\n<p>Es ist faszinierend mitzuerleben, wie aus einem Baum das Innenleben einer Harmonika, aus einem Kartonschlauch ein Balg und aus einfachen Metallpl\u00e4ttchen Stimmzungen werden. Und das Beste daran: Wir durften alles angreifen, ertasten und mit den H\u00e4nden begreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus wie vielen Teilen besteht nun so eine steirische Harmonika?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Diskantseite (Griffkasten \/ Melodieseite): Befindet sich rechts und enth\u00e4lt die Melodiekn\u00f6pfe, Tastenmechanik und die Diskant-Stimmst\u00f6cke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Balg: Das faltbare Mittelteil aus Leder, Karton und Stoff, das durch Auf- und Zuziehen den notwendigen Luftstrom erzeugt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bassseite (Basskasten): Befindet sich links und beinhaltet die Bass- und Begleitkn\u00f6pfe, Helikonb\u00e4sse, Stimmst\u00f6cke sowie das Luftsventil \/ die Lufttaste. (Diese Taste wird dann gedr\u00fcckt wenn beim Auf- oder Zuziehen des Balgs kein Ton entstehen soll).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese drei Hauptteile sind meist \u00fcber 8 Geh\u00e4usestifte (Balgstifte) miteinander verbunden und lassen sich zur Wartung oder Reparatur leicht voneinander trennen.<\/p>\n<p>Wie viele Einzelteile stecken im Inneren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Blickt man auf die genaue Verarbeitung, ist eine Steirische Harmonika ein hochkomplexes Kunsthandwerk. Je nach Modell (z. B. 3- oder 4-reihig) besteht ein einziges Instrument aus etwa 2.000 bis 2.500 Einzelteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren unter anderem:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stimmzungen und Stimmplatten (aus Pr\u00e4zisionsstahl und Messing\/Aluminium)<\/p>\n<p>Klappen, Hebel und Gest\u00e4nge der Mechanik<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kn\u00f6pfe (aus Holz, Horn, Perlmutt oder Kunststoff)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ventile (aus Leder oder Kunststoffen auf den Stimmplatten)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eckschoner, Streifen und B\u00fcnde am Balg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tragriemen-Beschl\u00e4ge, Verdecke und Geh\u00e4useteile aus Edelholz oder Spezialmaterialien<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend hatten wir die Gelegenheit auszuprobieren, ob in uns ein Talent f\u00fcr das Spielen der Steirischen Harmonika schlummert. Besonders die Damen unserer Gruppe bewiesen hierbei gro\u00dfes Geschick.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Werkstatt von Franz Parz gibt es zudem ein Modell, bei dem \u00fcber eine Speicherkarte automatische Musik abgespielt werden kann. Diese Harmonika wird vor allem dann erworben und eingesetzt, wenn man auf ein Ensemblespiel verzichten m\u00f6chte oder muss. Nicht selten stellt sich dann ein Laienmusiker auf die B\u00fchne und mimt den Profi. Anhand des Klangbilds und der unpassenden Bewegungen durchschaut das Publikum die Vorf\u00fchrung allerdings meist rasch als reine Show.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach diesen eindrucksvollen Einblicken in den Bau dieses traditionellen Instruments besuchten wir den Schauraum, der mit einer Vielzahl unterschiedlichster Exponate aufwartete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den besonderen Highlights z\u00e4hlten neben der Teufelsgeige und dem Schafflbass vor allem ein echtes Unikat aus dem Hause Franz Parz: seine selbst entwickelte Fasslharmonika.<\/p>\n<p>Die Fasslharmonika ist eine weltweit einzigartige Sonderanfertigung im Design eines Holzfasses. Der verbaute, funktionsf\u00e4hige Getr\u00e4nkebeh\u00e4lter erm\u00f6glicht es dem Musiker, w\u00e4hrend des Spielens direkt aus dem Instrument einen kleinen Durst zu l\u00f6schen. Dieses raffinierte und kreative Zusammenspiel aus Gebrauchsgegenstand und Musikinstrument hat sich Franz Parz rechtlich sch\u00fctzen lassen. Neben ihrer spektakul\u00e4ren Optik besticht die Fasslharmonika als vollwertiges, original spielbares Musikinstrument mit vollem Klang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 01.10.2012 kam es durch einen Kurzschluss\u00a0 zu einem Gro\u00dfbrand bei der Harmonikaerzeugung. Damals wurde die historische Werkstatt inklusive zahlreicher gelagerter Edelh\u00f6lzer, Spezialwerkzeuge und fertiger Instrumente weitgehend zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nach dem verheerenden Brand baute die Familie Parz den Traditionsbetrieb wieder auf und setzte die handwerkliche Fertigung von Steirischen Harmonikas fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach diesen faszinierenden Eindr\u00fccken war es wieder an der Zeit, unsere Reise fortzusetzen. Wir fuhren weiter zu unserem n\u00e4chsten Ziel in Semriach. Zuvor kamen wir jedoch an Stellen vorbei, die f\u00fcr mich von ganz besonderer Bedeutung sind. Gleich nach der Harmonikaerzeugung Parz liegt auf der linken Seite der Landesstra\u00dfe mein Elternhaus. Hier stand bis 1974 auch unsere M\u00fchle, deren Haus- beziehungsweise Vulgoname bis heute \u201eSchmollm\u00fchle\u201c lautet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1974 wurde das historische Geb\u00e4ude im Zuge des Neubaus und der Verbreiterung der Landesstra\u00dfe abgerissen.<\/p>\n<p>Nach dem Abbruch wurden zahlreiche historische Teile sowie Ausstattungsgegenst\u00e4nde der Schmollm\u00fchle an das nahegelegene \u00d6sterreichische Freilichtmuseum St\u00fcbing \u00fcbergeben, wo sie als Kulturgut f\u00fcr die Nachwelt erhalten bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damals war geplant, die M\u00fchle spektakul\u00e4r zu sprengen. \u00dcber mehrere Wochen hinweg wurden unz\u00e4hlige L\u00f6cher gebohrt und mit Sprengstoff bef\u00fcllt. Am Tag der Sprengung herrschte gro\u00dfe Aufregung \u2013 1974 war so ein Ereignis schlie\u00dflich eine Besonderheit. Die Experten erkl\u00e4rten vorab, dass es einen lauten Knall geben und das Geb\u00e4ude anschlie\u00dfend in sich zusammenfallen werde. Auch die Medien, einschlie\u00dflich des ORF, waren vor Ort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erfolgte die Sprengung: Es gab einen lauten Knall \u2013 doch die M\u00fchle stand noch genauso da wie vor 200 Jahren, ohne auch nur einen einzigen Kratzer. Daraufhin wurden dicke Seile durch die Fenster gespannt, um die W\u00e4nde mithilfe von Planierraupen herauszurei\u00dfen. Aber das Bauwerk hielt stand. Schlie\u00dflich blieb den Arbeitern nichts anderes \u00fcbrig, als das Haus vom Dach aus Schritt f\u00fcr Schritt nach unten abzutragen. Die M\u00fchle verf\u00fcgte immerhin \u00fcber 1,5 Meter dicke Steinmauern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach etwa 700 Metern erreicht man auf der rechten Seite die Volksschule Augraben, in der sich heute auch ein Kindergarten befindet. Hier habe ich meine ersten Schritte in die Schulzeit gewagt. Schon damals wurden alle vier Schulstufen gemeinsam in einem einzigen Klassenzimmer unterrichtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Umfeld der Schule befand sich einst der dritte Gasthof der Umgebung, den es heute ebenfalls nicht mehr gibt: der Papstwirt.<\/p>\n<p>Das Aufstellen und Umschneiden des Maibaums sowie Fr\u00fchlings- und Sommerfeste wurden hier stets gro\u00df gefeiert. Und hier gab es auch die Schokolade von Bensdorp f\u00fcr ein oder zwei Schilling \u2013 mit der blauen oder gr\u00fcnen Schleife. Der Wirt hat damals recht gut von meinem Taschengeld gelebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An dieser Stelle befindet sich nach wie vor die Postbushaltestelle, von der aus ich sp\u00e4ter in die Hauptschule nach Semriach gefahren bin. Ich kann mich noch sehr gut an die alten Schnauzenbusse erinnern: Der Fahrer zog die T\u00fcr manuell mit einem Lederriemen zu, und im Winter mussten nicht selten Schneeketten aufgezogen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich fuhren wir die steile und kurvenreiche Stra\u00dfe nach Semriach hinauf. Passend dazu gibt es auf YouTube ein sch\u00f6nes Video von Motorradfahrern, die genau diese Strecke befahren (Titel: \u201eBiken in Semriach\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7Db0niqNixA\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7Db0niqNixA<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann erreichten wir das Hochplateau von Semriach und fuhren durch den kleinen ort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Semriach ist eine Marktgemeinde im Bezirk Graz-Umgebung, rund 25 Kilometer n\u00f6rdlich von Graz.<\/p>\n<p>Sie liegt eingebettet in die h\u00fcgelige Landschaft des Passailer Beckens im Grazer Bergland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ortszentrum liegt auf ca. 708 Metern \u00fcber dem Meeresspiegel. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von tiefer gelegenen Gr\u00e4ben bis hinauf auf die H\u00f6henlagen des Sch\u00f6ckls (1.445 Meter).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Gemeindegebiet umfasst rund 48,7 Quadratkilometer. In Semriach leben etwa 3.300 Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Landschaft rund um den Ort ist gepr\u00e4gt von sanften Kuppen, dichten Mischw\u00e4ldern, saftigen Almen und tiefen Schluchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sch\u00f6ckl: Der Grazer Hausberg grenzt direkt an das Gebiet. Fr\u00fcher gab es einen Sessellift von der Semriacherseite auf den Sch\u00f6ckel. Da musste man w\u00e4hrend der Fahrt auf- oder abspringen. Und der Gipfel war immer ein Ziel bei Schulausfl\u00fcgen. Nat\u00fcrlich \u00fcber die extrem steile Trasse unter dem Sessellift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Sch\u00f6ckl steht eine bedeutende Gro\u00dfsendeanlage f\u00fcr Fernsehen und Radio.<\/p>\n<p>Betrieben wird der knapp 100 Meter hohe Sendeturm (interner Standortname <em>GRAZ 1<\/em>) von der <strong>ORS<\/strong> (\u00d6sterreichische Rundfunksender GmbH), einer Tochtergesellschaft des ORF.<\/p>\n<p>Im Ort befinden sich <strong>traditionelle Gesch\u00e4fte<\/strong> , wie die B\u00e4ckerei oder Konditorei Pfleger. In meiner Schulzeit kam ich \u00f6fter zu Sp\u00e4t zum Unterricht weil ich in der Konditorei noch schnell am Flipper oder an den neuen elektronischen Ping-Pong Automaten spielte. Die B\u00e4ckerei ist f\u00fcr ihr Bauernbrot bekannt. Es ist eines der Besten. Sogar Frank Stronach hat das Rezept vom Pflegerbrot nach Kanada mitgenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorbei ging es an der Kirche, den Friedhof und den Sportplatz und nach etwa 2 Km waren wir am Ziel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als wir am Gel\u00e4nde der Lurgrotte ankamen , wechselte die Atmosph\u00e4re sp\u00fcrbar von einer sonnigen Freiluft- und Wiesenlandschaft hin zu einem schattigen, k\u00fchleren Felsenkessel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir befanden uns in einer Umgebung , die von hoch aufragenden Felsw\u00e4nden (der sogenannten Lurwand) eingerahmt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir befanden uns beim Eingang zur Lurgrotte auf der Semriacher Seite und erwarteten unseren H\u00f6llenf\u00fchrer, Herrn Schinnerl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier betritt man die H\u00f6lle durch das nat\u00fcrliche Schluckloch (<em>Ponn\u00f6r<\/em>) des Lurbachs \u2013 dort, wo der Bach spurlos im Berg verschwindet. Der Eingang liegt am Fu\u00df einer steil aufragenden Kalkfelswand. Er wirkt wie ein breites, dunkles Felstor, das sich schr\u00e4g nach unten in den Berg hineinneigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lurgrotte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lurgrotte ist \u00d6sterreichs gr\u00f6\u00dfte wasserf\u00fchrende Tropfsteinh\u00f6hle und verbindet die Orte Semriach und Peggau durch das Karstmassiv der Tanneben. Seine Geschichte ist eng verkn\u00fcpft mit Pioniergeist, Dramatik und jahrzehntelangem Familieneinsatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl die Vorh\u00f6hlen der Lurgrotte der lokalen Bev\u00f6lkerung seit Jahrhunderten bekannt waren, gilt der <strong>1. April 1894<\/strong> als das offizielle Entdeckungsdatum der tieferen H\u00f6hlensysteme:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der italienische bzw. steirische H\u00f6hlenforscher <strong>Max Brunello<\/strong> drang an diesem Tag mit einer Expedition tiefer in das System vor und entdeckte den \u201eGro\u00dfen Dom\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon 1895 begannen erste F\u00fchrungen. Den gezielten kommerziellen Ausbau als Schauh\u00f6hle trieb ab <strong>1930<\/strong> vor allem die <strong>Familie Schinnerl<\/strong> voran. Zusammen mit H\u00f6hlenforschern wurden Stege, Gel\u00e4nder und Beleuchtungen installiert. Im Februar 1935 gelang schlie\u00dflich erstmals die vollst\u00e4ndige Durchquerung der Lurgrotte von Semriach nach Peggau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Drama um die eingeschlossenen H\u00f6hlenforscher (1894) <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Kurz nach der Entdeckung wurde die Lurgrotte schlagartig weltber\u00fchmt. Am <strong>28. April 1894<\/strong> stieg eine siebenk\u00f6pfige Gruppe von H\u00f6hlenforschern trotz drohender Regenf\u00e4lle tiefer in die H\u00f6hle ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Starke Regenf\u00e4lle lie\u00dfen den Lurbach rapide ansteigen und schnitten den Forschern den R\u00fcckweg komplett ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nachricht von den Gefangenen im Berg l\u00f6ste internationales Aufsehen aus. Sogar Kaiser Franz Joseph I. griff ein und ordnete Unterst\u00fctzung an. Nach <strong>neun Tagen<\/strong> bangen Wartens und m\u00fchsamen Vortriebs mittels Felssprengungen konnten alle sieben Forscher am 6. Mai 1894 lebend gerettet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das verheerende Hochwasser von 1975: <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Jahrzehntelang war die Lurgrotte ein beliebtes Ausflugsziel und eine durchgehende Schauh\u00f6hle zwischen Semriach und Peggau.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Am <strong>15. Juli 1975<\/strong> brach nach enormen Niederschl\u00e4gen eine verheerende Hochwasserkatastrophe \u00fcber das Gebiet herein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem H\u00f6hleneingang in Semriach staute sich das Wasser bis zu 10 Meter hoch auf. Die gewaltigen Wassermassen sp\u00fclten gro\u00dfe Mengen Ger\u00f6ll, Schlamm und Baumst\u00e4mme in das H\u00f6hlensystem, zerst\u00f6rten die Br\u00fccken, Stege und die elektrische Beleuchtung fast vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit diesem Hochwasser ist eine <strong>durchgehende Begehung der Lurgrotte nicht mehr m\u00f6glich<\/strong>, da die tief liegenden Syphone seither wieder dauerhaft versch\u00fcttet sind. Beide H\u00f6hlenseiten (Semriach und Peggau) werden seither unabh\u00e4ngig voneinander als Schauh\u00f6hlen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch ich kann mich an dieses Hochwasser von 1975 gut erinnern. Schlie\u00dflich standen wir auch durch den R\u00fctschbach im Augraben unter Wasser. Innerhalb von 30 Minuten hat sich eine Katastrophe angebahnt. In dieser Zeit stand das gesamte Tal unter Wasser. Ein Wasser, dass sich rei\u00dfend durch das Tal seinen bahnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Semriacher H\u00f6hlenteil befindet sich im Eigentum der <strong>Familie Schinnerl<\/strong>.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Die Tradition begann 1930 mit Peter Schinnerl Und\u00a0 Heute wird die Schauh\u00f6hle in f\u00fcnfter <strong>\u00a0Generation<\/strong> von <strong>Andreas Schinnerl<\/strong> und seiner Familie gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andreas Schinnerl f\u00fchrte uns dann auch durch seine Lurgrotte mit all seinen Facetten. Durch seine Langj\u00e4hrige Erfahrung von 40 Jahren hatt er schon einiges erlebt und das konnte er uns auch sehr gut vermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Blinde und Sehbehinderte, die auch gut bei Fu\u00df sind, stellt der Weg durch die Lurgrotte kein besonderes Hindernis oder H\u00fcrde da. Die F\u00fchrungswege sind befestigt, teils betoniert, teils geschottert oder mit Gitterroststufen versehen. Feste Schuhe mit rutschfester Sohle sind unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An allen Wegstrecken verlaufen durchgehende Gel\u00e4nder oder Handl\u00e4ufe, an denen man sich hervorragend orientieren und festhalten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da die Lurgrotte eine aktive Wasser- und Tropfsteinh\u00f6hle ist erwartet uns ein extrem reichhaltiges, mehrsensorisches Erlebnis:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der H\u00f6hle herrscht ganzj\u00e4hrig eine konstante Temperatur von ca. <strong>9 bis 10 \u00b0C<\/strong>. Es empfiehlt sich daher auch im Sommer eine warme Jacke und keine Sandalen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung entf\u00fchrt uns in eine faszinierende Unterwelt aus k\u00fchler H\u00f6hlenluft, sanft tropfendem Wasser und der sp\u00fcrbaren Akustik m\u00e4chtiger Felsformationen. Entlang des gut ausgebauten F\u00fchrungsweges geht es \u00fcber etwa <strong>200 Stufen<\/strong> tief in den Berg hinein. Besondere Vorsicht gilt in den engeren Verbindungsstollen und Felsdurchg\u00e4ngen: Hier sollte man den Kopf deutlich einziehen, um Kontakt mit tief h\u00e4ngenden Felsvorspr\u00fcngen zu vermeiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier konnten wir eine der eindrucksvollsten Tropfsteinlandschaften Mitteleuropas erleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>kohlens\u00e4urehaltiges Wasser, das \u00fcber Jahrtausende durch den Kalkstein sickert, haben sich hier vielf\u00e4ltige Gebilde geformt:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der \u201eRiese\u201c:<\/strong> Das bekannteste Highlight der Semriacher H\u00f6hle ist der gr\u00f6\u00dfte freih\u00e4ngende Tropfstein der Welt. Er misst rund 13 Meter in der H\u00f6he, wiegt etwa 40 Tonnen und besitzt einen Umfang von gut 9 Metern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr uns nat\u00fcrlich ein sch\u00f6nes Fotomotiv war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Gro\u00dfe Dom:<\/strong> Eine gewaltige unterirdische Halle (einer der gr\u00f6\u00dften H\u00f6hlendome Mitteleuropas), in der zahllose filigrane Stalaktiten von der Decke h\u00e4ngen und m\u00e4chtige Stalagmiten emporwachsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben klassischen Tropfsteinen gibt es terrassenf\u00f6rmige Kalkbecken mit kristallklarem Wasser sowie fl\u00e4chige Kalksinter-\u00dcberz\u00fcge an den Felsw\u00e4nden, die wie erstarrte Wasserf\u00e4lle wirken.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Entlang des Lurbachs finden sich verschieden geformte Tropfsteingruppen, die mitunter fantastische Formen annehmen (z. B. S\u00e4ulen, Wandsintervorh\u00e4nge oder schlammartig wirkende, aber steinharte Kalkkegel).<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unterschied: Stalaktiten vs. Stalagmiten (vs. Stalagnaten) <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied liegt in der <strong>Wuchsrichtung<\/strong> und der <strong>Entstehung<\/strong>:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stalaktit:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H\u00e4ngt von oben nach unten<\/strong> (von der Decke).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4chst durch Wassertropfen, die an der Decke h\u00e4ngen bleiben und beim Abperlen gel\u00f6sten Kalk ablagern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stalagmit:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>W\u00e4chst von unten nach oben<\/strong> (vom Boden).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entsteht dort, wo Tropfen von der Decke auf den Boden treffen und den restlichen Kalk ablagern.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stalagnat:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vollst\u00e4ndige S\u00e4ule<\/strong> (durchgehend).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>entsteht, wenn ein Stalaktit und ein Stalagmit zusammenwachsen und eine tragende Wand\/S\u00e4ule bilden.<\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt bei unserer F\u00fchrung war das <strong>Licht-Klang-Erlebnis<\/strong> im <em>Gro\u00dfen Dom<\/em>, bei dem Musik eingespielt wird. Durch die gewaltige Raumh\u00f6he der Halle entfaltet die Musik eine beeindruckende r\u00e4umliche Resonanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die beeindruckenden Ausma\u00dfe des gro\u00dfen Doms:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>L\u00e4nge:<\/strong> ca. 120 Meter<\/p>\n<p><strong>Breite:<\/strong> ca. 80 Meter<\/p>\n<p><strong>H\u00f6he:<\/strong> ca. 40 Meter<\/p>\n<p>Er z\u00e4hlt damit zu den gr\u00f6\u00dften H\u00f6hlendomen Mitteleuropas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Videoaufnahme vom <strong>Licht-Klang-Erlebnis im gro\u00dfen Dom: <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Lurgrotte.mp4\"><strong>https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Lurgrotte.mp4<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u00a9 Video September 2026 by Gregor Piringer)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit diesen besonderen Eindr\u00fccken von der Lurgrotte und den faszinierenten Erz\u00e4hlungen von Andreas Schinnerl machten wir uns auf dem R\u00fcckweg. Schlie\u00dflich konnten wir die H\u00f6llenwelt auch mit den Fingern erforschen und ertasten. Was einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war 2016 in der Lurgrotte und es hat mich gefreut, dass mich\u00a0\u00a0\u00a0 Andreas Schinnerl wieder erkannt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6rbild des Brunnentroges mit rinnenden Wasser aus einem Rohr wie in alten Zeiten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Trinkbrunnen_bei_Lurgrotte.MP3\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Trinkbrunnen_bei_Lurgrotte.MP3<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit diesem letzten Eindruck der Lurgrotte machten wir uns wieder auf den R\u00fcckweg. Wir fuhren die Strecke zur\u00fcck bis in den Augraben und bogen beim Papstwirt links in die Kesselfallstra\u00dfe zum Sandwirt ein. Nach etwa zwei Kilometern hatten wir das Gasthaus erreicht, wo die Stra\u00dfe schlie\u00dflich endete. Von dort aus f\u00fchrten nur noch ein befestigter Schotterweg zu den umliegenden Bauernh\u00f6fen sowie ein Fu\u00dfweg zum Eingang der Kesselfallklamm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dank dieser ruhigen Lage, fernab jeglicher L\u00e4rmquellen, lie\u00df es sich im schattigen Gastgarten wunderbar sitzen und das Essen sowie die Getr\u00e4nke genie\u00dfen. Auch hier gab es wieder mein beliebtes Himbeerkracherl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sandwirt ist das letzte verbliebene von einst vier Gasth\u00e4usern entlang des Augrabens. Als beliebtes Ausflugsziel liegt er direkt am Eingang zur Kesselfallklamm und ist durch eine nahegelegene Bushaltestelle sehr gut erreichbar. H\u00e4ufig reisen Schulklassen aus Graz mit dem Postbus an, wandern durch die Klamm nach Semriach und fahren am Abend wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Kesselfallklamm (Die kleine Schwester der B\u00e4rensch\u00fctzklamm):<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kesselfallklamm z\u00e4hlt zu den eindrucksvollsten Naturdenkm\u00e4lern der Mittelsteiermark. Der R\u00f6tschbach st\u00fcrzt hier \u00fcber mehrere Felsstufen und gelbe Kalksteinformationen tosend in die Tiefe. Erschlossen ist die wildromantische Schlucht durch ein gut ausgebautes System aus Holzstegen, Br\u00fccken und \u00fcber 500 Treppenstufen. Der Weg f\u00fchrt schattig und bestens gesichert unmittelbar am Wasser sowie an steilen Felsw\u00e4nden entlang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das tosende und rauschende Wasser des in die Tiefe st\u00fcrzenden R\u00f6tschbachs hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen; von diesen Kl\u00e4ngen bin ich nach wie vor fasziniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fasziniert war beim Bezahlen auch die Bedienung beim Sandwirt: Alfons demonstrierte eindrucksvoll, wie sich Geldscheine durch Erf\u00fchlen und Ertasten unterscheiden lassen. Das hat den Kellner sichtlich beeindruckt \u2013 auch er hat an diesem Tag sicherlich etwas Neues und Wichtiges dazugelernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die passende musikalische Untermalung beim Sandwirt sorgte ein Stammtisch von Harmonikaspielern, der dort sein Treffen abhielt. So kamen wir in den Genuss ihrer Musik und wurden stimmungsvoll \u201ehinausgespielt\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich nahmen wir Abschied von einem rundum gelungenen, erlebnisreichen Tag und traten den Heimweg an, auf dem uns G\u00fcnter wieder sicher nach Hause brachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein besonderer Dank gilt allen, die diesen Tag mit so viel Engagement begleitet haben: der Familie Parz, Andreas Schinnerl, meinem Bruder G\u00fcnter und allen weiteren Begleitpersonen. Ohne Ihre und eure Unterst\u00fctzung w\u00e4re dieser Tag nicht dasselbe gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Donnerstag, 17.09.2026: <\/strong>Von der Murinsel,einer besonderen Treppe bis zu den Liebesschl\u00f6ssern und einem Erzherzog.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den heutigen Tag stand die Erkundung von Graz auf unserem Programm. Obgleich sich das Wetter am Morgen nicht von seiner besten Seite zeigte, waren wir dank passender Kleidung bestens ger\u00fcstet. Da die S-Bahn-Linie S1 im Halbstundentakt verkehrt, konnten wir unsere Tagesgestaltung flexibel und entspannt einteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als unsere Schnellbahn in den Bahnhof Judendorf-Stra\u00dfengel einfuhr, erlebten wir eine besondere Premiere: Vor uns hielt ein neuer \u00d6BB Cityjet-Doppelstockzug, der erst seit dem 13. September 2026 im Einsatz ist und auf der Strecke zwischen Spielfeld-Stra\u00df und M\u00fcrzzuschlag verkehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den vollen Komfort der neuen Zuggarnitur konnten wir allerdings kaum austesten, da die Fahrt bereits nach einer einzigen Station und wenigen Minuten am Grazer Hauptbahnhof endete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der gro\u00dfen Stra\u00dfenbahnhaltestelle des Hauptbahnhofs stiegen wir in die n\u00e4chstbeste Linie Richtung Innenstadt ein. Unser Ziel war die Haltestelle S\u00fcdtiroler Platz, Mit dem Zugang in die Mariahilfer Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Beginn der Mariahilfer Stra\u00dfe befindet sich das \u201eFriendly Alien\u201c \u2013 das pr\u00e4gnante Grazer Kunsthaus von Weltruf. Es wurde im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2003 errichtet und gilt seither als architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Formgebung und das innovative Design heben das Geb\u00e4ude deutlich von klassischen Ausstellungsbauten ab und machen es zu einem einzigartigen Zentrum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier startete unser gem\u00fctlicher Spaziergang durch die Mariahilfer Stra\u00dfe, die das Herzst\u00fcck des Grazer Lendviertels bildet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor mehr als 45 Jahren galt diese Gegend noch als ber\u00fcchtigter Rotlichtbezirk voller Nachtclubs und Etablissements. Heute hat sich das einstigen Scherbenviertel zu einem lebendigen Kreativquartier entwickelt, das mit trendigen Gesch\u00e4ften, kleinen L\u00e4den und vielseitiger Gastronomie zum Flanieren und Verweilen einl\u00e4dt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Schlendern durch die Stra\u00dfe bot sich immer wieder ein sch\u00f6ner Blick hinauf zum Uhrturm, w\u00e4hrend wir unseren Weg parallel zur Mur und zum Lendkai fortsetzten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser erstes Etappenziel war das tag.werk in der Mariahilfer Stra\u00dfe 13.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Projekt tag.werk der Caritas Steiermark ist eine Besch\u00e4ftigungsinitiative f\u00fcr Jugendliche und junge Erwachsene in schwierigen Lebenslagen.<\/p>\n<p>In den hauseigenen Werkst\u00e4tten fertigen die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung kreative Upcycling-Produkte wie Taschen, Notebook-H\u00fcllen und Wohnaccessoires aus wiederverwerteten Materialien.<\/p>\n<p>Die dort hergestellten Unikate werden direkt im angeschlossenen tag.werk-Shop verkauft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gesch\u00e4ft konnten wir uns von den kreativen Ideen der Jugendlichen einen Eindruck machen und die Taschen , Geldb\u00f6rsen oder Rucks\u00e4cke selber anfassen und die verschiedenen Materialien kennenlernen. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde keinen Cent mehr an Vereine spenden sondern solche Produkte erwerben. Schlie\u00dflich steckt hier schon eine Arbeit dahinter und man bezahlt diese Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir uns im Laden umgesehen hatten und auch einige Produkte zeigen lie\u00dfen traten wir wieder auf die Mariahilfer Stra\u00dfe hinaus. In der Zwischenzeit hatte auch der Regen aufgeh\u00f6rt und er kam auch nicht mehr wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir gingen durch die kurze Lendgasse Richtung Lendkai und gingen kurz auf dem Mursteg um unser n\u00e4chstes Ziel von hier aus zu sehen. Auch akustisch hat diese Stelle etwas zu bieten. Hier wurden k\u00fcnstliche Stromschnellen in der Mur angebracht und so ist hier das Rauschen der Mur besonders intensiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Video von der rauschenden Mur und der Murinsel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Murinsel.mp4\">https:\/\/www.hojas.co.at\/extern\/audio\/Murinsel.mp4<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 Video September 2026 by Gregor Pirninger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mursteg beim Lendkai ist eine Fu\u00dfg\u00e4nger- und Fahrradbr\u00fccke \u00fcber die Mur, die den Lendkai mit dem linken Murufer verbindet. Er wurde 1992 als schlichte, funktionale Stahlkonstruktion f\u00fcr den Alltagsverkehr errichtet und diente lange Zeit als einfache Querung nahe dem Schlossbergplatz. Im Jahr 2003 wurde er zu Ehren des Grazer Gemeinderats Erich Edegger in <strong>Erich-Edegger-Steg<\/strong> umbenannt.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Unser n\u00e4chstes Ziel war die bekannte Murinsel mit ihrem barrierefreien Zugang auf der rechten Murseite. \u00dcber den sch\u00f6nen, schattigen Weg gelangten wir schlie\u00dflich auf das Bauwerk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Murinsel ist vollst\u00e4ndig barrierefrei zug\u00e4nglich und befahrbar. Vom rechten Murufer aus f\u00fchrt eine asphaltierte Rampe mit moderater Steigung (ca. 6\u201310 %) zur Insel. Vom linken Ufer erg\u00e4nzt eine Kombination aus Rampe (ebenfalls ca. 6\u201310 % Steigung) und Aufzug den Zugang. Dadurch k\u00f6nnen Rollstuhlfahrer, Personen mit Kinderwagen oder Gehschwierigkeiten die Stege und die Plattform problemlos nutzen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Entworfen wurde das schwimmende Bauwerk von dem New Yorker K\u00fcnstler Vito Acconci anl\u00e4sslich des Kulturhauptstadtjahres 2003 in Graz. Urspr\u00fcnglich nur als tempor\u00e4re Installation geplant, entwickelte sich die Insel schnell zu einem beliebten Treffpunkt und dauerhaften Wahrzeichen der Stadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Murinsel ist keine klassische Insel, sondern eine 47 Meter lange und 16 Meter breite muschelf\u00f6rmige Stahlkonstruktion, die auf der Mur schwimmt. Verankert ist sie flussaufw\u00e4rts an einem Betonpfahl durch zwei m\u00e4chtige Stahlseile mit einer Tragkraft von jeweils 135 Tonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Inneren der geschwungenen Muschel befinden sich ein beliebtes Caf\u00e9 sowie ein Bereich f\u00fcr Veranstaltungen und Ausstellungen. Das offene Amphitheater dient als Treffpunkt im Freien. Zudem verbindet die Insel die beiden Flussufer miteinander und fungiert so als Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke zwischen der historischen Altstadt und dem modernen Bezirk Lend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuf\u00e4llig wurde bei unserem Besuch auf der Murinsel eine Ausstellung er\u00f6ffnet. Diese Ausstellung tr\u00e4gt den Titel <strong>\u201eHandwerk als Kulturgut\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ausstellung verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele:<\/p>\n<p><strong>Sichtbarkeit f\u00fcr regionales Handwerk:<\/strong> 20 ausgew\u00e4hlte Handwerksbetriebe und Manufakturen aus Graz und der Region (von Holz, Keramik, Glas und Textil \u00fcber Schmuck bis hin zu kulinarischen Spezialit\u00e4ten) sowie die Menschen hinter den Produkten w0erden vor den Vorhang geholt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Familie Parz mit ihrer Harmonikaerzeugung konnten wir auf der Bildergalerie ausfindig machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Freiluft-Ausstellung ist bis 10. November rund um die Uhr zu sehen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir wurden von sehr freundlichen Angestellten der Insel empfangen und bekamen einen sehr gem\u00fctlichen Tisch und genossen unsere ersten Getr\u00e4nke am heutigen Tag in Graz.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Uns fielen der Tisch und die Sitzb\u00e4nke auf. Das war keine standardm\u00e4\u00dfige Ausstattung sondern schon Kunst.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesen Tischen handelt es sich um eine <strong>Verbindung aus Handwerkskunst und funktionalem Produktdesign<\/strong>. Sie sind nicht Teil des urspr\u00fcnglichen Kunstwerks von Vito Acconci, sondern wurden 2017 im Zuge einer Neugestaltung des Caf\u00e9s von dem steirischen Tischler und Innenausstatter <strong>Raimund Gamerith<\/strong> entworfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gestaltung zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Spalt als Design- und Funktionselement:<\/strong> Der charakteristische Spalt bzw. die Fuge in der Mitte teilt die Massivholzplatte optisch. Das l\u00e4sst das M\u00f6belst\u00fcck einerseits trotz des robusten Materials leichter und moderner wirken, dient aber andererseits auch dem Holzschutz (damit das Holz bei schwankender Luftfeuchtigkeit auf dem Fluss arbeiten kann).<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verbindung zweier Welten:<\/strong> Idee des K\u00fcnstlers war es, die k\u00fchle, organisch-futuristische Stahl- und Glasarchitektur Acconcis mit der W\u00e4rme von heimischem Holz zu kontrastieren.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Regionale Handwerkskunst:<\/strong> Die M\u00f6bel wurden als Schauseite der Grazer Kreativ- und Designszene gefertigt.<\/p>\n<p>Die Tische sind also <strong>modernes M\u00f6beldesign mit handwerklichem Kunstanspruch<\/strong>, geschaffen als gezielter Gegenpol zur futuristischen Inselarchitektur.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0Dieses einzigartiges Gebilde auf der Mur hat seinen eigenen Charme und Gem\u00fctlichkeit. Trotzdem mussten wir nach einiger Zeit dieses gem\u00fctliche Ambiente verlassen. Diesmal nahmen wir den Lift auf der Schlossbergseite nahmen so Abschid von der Insel auf der Mur.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir gingen entlang der Mur bis zur Erzherzog-Johann-Br\u00fccke. <\/strong>(umgangssprachlich wird diese Br\u00fccke von vielen Grazerinnen und Grazern weiterhin einfach <strong>Hauptbr\u00fccke<\/strong> genannt). Dort bogen wir in die Murgasse und nach wenigen Minuten in die schmale Paradeisgasse ein, die uns zum Paradeishof f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Paradeisgasse ist eine kleine, charmante Fu\u00dfg\u00e4ngerpassage \u2013 stellenweise kaum mehr als zwei Meter breit \u2013, die direkt in den historischen Paradeishof f\u00fchrt. Mit ihren \u00fcberdachten Abschnitten und dem traditionellen Pflaster verk\u00f6rpert sie den typischen Charakter einer schmalen Altstadtgasse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende dieses engen Durchgangs \u00f6ffnet sich \u00fcberraschend der denkmalgesch\u00fctzte Paradeishof. Dieser Renaissance-Innenhof liegt im Geb\u00e4udekomplex des Kaufhauses Kastner &amp; \u00d6hler und wirkt wie ein gesch\u00fctzter, ruhiger Raum. Die dreigeschossigen, umlaufenden Arkadeng\u00e4nge mit ihren steinernen Rundb\u00f6gen im Erdgeschoss und den dar\u00fcberliegenden S\u00e4uleng\u00e4ngen verleihen ihm eine erhabene Atmosph\u00e4re, die v\u00f6llig vom Trubel der nahegelegenen Murgasse abgeschnitten scheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wurzeln des Areals gehen auf ein ehemaliges protestantisches Stiftsgymnasium sowie ein sp\u00e4teres Kloster zur\u00fcck. Der Name \u201eParadeis\u201c leitet sich vom Wort Paradies ab und verweist auf das historische Klarissinnenkloster \u201eZu den Allerheiligen im Paradeis\u201c, das 1602 von Erzherzogin Maria gestiftet wurde. Unter den Arkaden erinnert zudem eine Gedenktafel daran, dass der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler hier Ende des 16. Jahrhunderts lehrte. Heute vereint der Paradeishof historische Architektur, Einkaufsflair und Gastronomie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir durchquerten das traditionsreiche Kaufhaus Kastner &amp; \u00d6hler \u2013 das als einziges der gro\u00dfen historischen Warenh\u00e4user in Graz erhalten geblieben ist \u2013 und traten auf der gegen\u00fcberliegenden Seite auf die Sackstra\u00dfe heraus. Diese Fu\u00dfg\u00e4ngerzone f\u00fchrt direkt zum Schlossbergplatz. Wer es gem\u00fctlicher mag, kann auch die regelm\u00e4\u00dfig durch die Sackstra\u00dfe fahrenden Stra\u00dfenbahnen nutzen, die direkt am Schlossbergplatz und bei der Murinsel halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sackstra\u00dfe in Graz ist der \u00e4lteste noch bestehende Stra\u00dfenzug der Stadt, der im fr\u00fchen 12. Jahrhundert angelegt und nach der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer benannt wurde. Historisch gepr\u00e4gt von prachtvollen Adelspalais, Handwerkern und dem heutigen Antiquit\u00e4ten- sowie Kunsthandel, gilt sie als kulturelle \u201eKunstmeile\u201c. Sie f\u00fchrt vom Grazer Hauptplatz nach Norden zwischen dem Schlo\u00dfberg und der Mur bis zum Kaiser-Franz-Josef-Kai bzw. zur Keplerbr\u00fccke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Schlossbergplatz befindet sich der Zugang zum Felsstollen, \u00fcber den man zum gl\u00e4sernen Schlossberglift im Inneren des Berges gelangt. Nachdem wir unsere Tickets gel\u00f6st hatten \u2013 f\u00fcr Menschen mit Behinderung und deren Begleitpersonen ist die Nutzung kostenlos \u2013, machten wir uns auf den Weg zum Lift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Direkt im Zugangsbereich f\u00e4llt eine Besonderheit ins Auge: Hier endet der Auslauf der Schlossberg-Rutsche. Diese z\u00e4hlt mit einer Streckenl\u00e4nge von rund 170 Metern und einer H\u00f6hendifferenz von 64 Metern zu den l\u00e4ngsten Indoor-Trockenrutschen der Welt. Auf Spezialmatten gleitet man in etwa 40 Sekunden mit bis zu 25 km\/h durch eine imposante R\u00f6hrenkonstruktion mitten im Berg hinab. Der Einstieg befindet sich an der Bergstation des Lifts bei der Uhrturm-Kasematte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach unserer Liftfahrt nach oben und dem Verlassen des gl\u00e4sernen Liftpavillons er\u00f6ffnete sich uns ein eindrucksvoller Blick nach S\u00fcden und S\u00fcdwesten \u00fcber die roten Ziegeld\u00e4cher der Grazer Altstadt. Ein leicht ansteigender Pflasterweg f\u00fchrt von der Station direkt in den Schlossbergpark und zu den umliegenden Aussichtsplateaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Ziel war jedoch der Uhrturm, das ber\u00fchmte Wahrzeichen von Graz. Der 28 Meter hohe Turm hat seinen Ursprung im 13. Jahrhundert und diente urspr\u00fcnglich als Teil der Befestigungsanlage. Seine heutige charakteristische Form mit<\/p>\n<p>dem \u00fcberkragenden h\u00f6lzernen Wehrgang erhielt er um 1560.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er steht am S\u00fcdwesthang des Schlossbergs auf einer Seeh\u00f6he von etwa 424 Metern, was einer H\u00f6he von rund 73 Metern \u00fcber dem Grazer Hauptplatz entspricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Besonderheit sind die Zeiger der vier gro\u00dfen Zifferbl\u00e4tter: Der gro\u00dfe, pr\u00e4chtige Zeiger zeigt die Stunden an, der kleinere die Minuten. Dies r\u00fchrt daher, dass die Uhr urspr\u00fcnglich nur einen Stundenzeiger besa\u00df, damit die Zeit auch aus gro\u00dfer Distanz gut ablesbar war. Erst im 18. Jahrhundert wurde der kleinere Minutenzeiger erg\u00e4nzt. Neben der Zeitanzeige diente der Turm mit seinen drei Glocken auch als Signalstation, um vor Br\u00e4nden zu warnen, die Stunden zu schlagen oder die Sperrstunde sowie Hinrichtungen anzuk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit auch blinde und sehbehinderte Menschen diese Baukultur erleben k\u00f6nnen, steht an der Nordseite des Uhrturms ein dreidimensionales Tastmodell aus Bronze. So hatten wir sowohl das Original als auch das Modell vor uns: Man konnte am Bronzemodell die Form, die Proportionen und die Struktur der Zifferbl\u00e4tter exakt ertasten. Beim Blick auf das Original lie\u00dfen sich zudem die echten Mauern, H\u00f6lzer, Zargen und T\u00fcren greifbar erfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einigen Fotos besuchten wir noch eine Aussichtsplattform, um den weiten Blick \u00fcber die Ziegeld\u00e4cher und die h\u00fcgelige Umgebung von Graz zu genie\u00dfen. Mit diesen wundersch\u00f6nen Eindr\u00fccken verlie\u00dfen wir den Schlossberg, fuhren mit dem Lift wieder hinab zum Schlossbergplatz und spazierten durch die Sackstra\u00dfe zur\u00fcck in Richtung Hauptplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Hauptplatz lie\u00dfen wir jetzt einmal rechts liegen Und wir steuerten die Sporgasse an. Die Sporgasse in Graz ist eine historische Stra\u00dfe, die \u00e4lter ist als die Stadt selbst. Sie f\u00fchrt vom Hauptplatz hinauf zum Schlossberg und ist heute eine beliebte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Sie ist auch bekannt f\u00fcr ihre steilen Anstiege und historischen Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe hat ihren Namen von den Sporenmachern und Waffenschmieden, die hier im Mittelalter ans\u00e4ssig waren. Heute w\u00fcrde man sie vielleicht Strudelgasse nennen.\u00a0 Vor l\u00e4ngerer Zeit gab es in der Sporgasse ein Lokal, dass nur Strudel auf jede erdenkliche Art auf der Speisekarte hatte. Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise, alles Strudel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einigen Minuten Anstieg bogen wir rechts in die Hofgasse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Gasse verband einst die Residenz der Habsburger mit dem Stadtzentrum und beherbergt bedeutende historische Bauwerke:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Hofgasse selbst zeichnet sich durch ihr gut erhaltenes historisches Kopfsteinpflaster, alte B\u00fcrgerh\u00e4user und romantische Durchg\u00e4nge aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>: Gleich zu Beginn der Gasse sticht uns auf der rechten Seite das reich geschnitzte Holzportal der ehemaligen k.u.k. Hofb\u00e4ckerei ins Auge, die bereits dseit Jahrhunderten hier ihr Handwerk betreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Portal der ehemaligen K. u. K. Hofb\u00e4ckerei geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Holzarbeiten des Historismus in \u00d6sterreich. Es wurde 1896 vom Grazer Tischlermeister Anton Irschick geschaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Portal besteht komplett aus aufwendig geschnitztem, dunkel gebeiztem Eichenholz und f\u00fcgt sich als dreiteilige Front passgenau in die rundbogige Fassaden\u00f6ffnung des sp\u00e4tgotischen B\u00fcrgerhauses ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Mitte befindet sich die zweifl\u00fcgelige Eingangst\u00fcr, die von zwei kunstvoll gedrehten Saug\u00e4nsen\/Freipfeilern (Toruss\u00e4ulen) gerahmt wird. Die T\u00fcrfl\u00fcgel weisen dekorative Messingbeschl\u00e4ge und geschwungene Glaseins\u00e4tze auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Links und rechts der T\u00fcr befinden sich schmale Schaufester, deren Sockelbereiche reich mit ornamentalen Holzkassetten und Schnitzereien im Stil des Neobarock gestaltet sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber den T\u00fcren und Schaufenstern spannt sich ein halbroundes, durchgehendes Oberlichtfenster mit feinen Sprossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Doppeladler: Zentrales Blickelement im oberen Bereich (im Keilstein des Bogens \u00fcber dem Eingang) ist ein geschnitzter \u00f6sterreichischer Doppeladler mit der Reichskrone, der auf den Titel des k. u. k. Hoflieferanten hinweist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den geschnitzten Ornamenten und Medaillons sind klassische Symbole des B\u00e4ckereihandwerks eingearbeitet, wie stilisierte Kaisersemmeln, Brezeln und Getreide\u00e4hren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Portal steht heute unter Denkmalschutz und ist eines der meistfotografierten historischen Details der Grazer Altstadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So hatten wir die Gelegenheit dieses einzigartige Portal auch mit dem Tastsinn zu erkunden und die kunstvollen Schnitzereien kennenzulernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir machten uns weiter zum n\u00e4chsten Ziel. Es war nicht das Schauspielhaus das am Weg lag sondern der Dom.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der im 15. Jahrhundert unter Kaiser Friedrich III. erbaute Grazer Dom pr\u00e4sentiert sich von au\u00dfen in einer schlichten, wei\u00df verputzten Fassade. Im Inneren offenbart sich eine lichtdurchflutete, dreischiffige Hallenkirche. Hier verschmilzt die imposante gotische Architektur harmonisch mit einer prunkvollen barocken Ausstattung. Heute dient das Gotteshaus als Bischofskirche der Di\u00f6zese Graz-Seckau und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten kirchenhistorischen Sch\u00e4tzen der Steiermark.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch ohne visuellen Eindruck l\u00e4sst sich der Raum eindrucksvoll \u00fcber Akustik, Formen und Texturen erfahren. Die enorm hohe Decke verleiht den T\u00f6nen einen langen Nachhall und schafft eine majest\u00e4tische Raumwirkung. Im Gegensatz zur glatten Au\u00dfenfassade ist das Innere reich an dreidimensionalen, sp\u00fcrbaren Barock-Reliefs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das optische und r\u00e4umliche Zentrum bildet der Hochaltar am Ende des Hauptschiffs, gefertigt aus dunklem, poliertem Holz, marmorierten S\u00e4ulen und reich mit Blattgold verzierten Figuren. Erg\u00e4nzt wird dieses Ensemble durch ein geschwungenes Chorgest\u00fchl mit tiefen Holzschnitzereien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beiderseits des \u00dcbergangs zum Altarraum stehen auf Marmorsockeln zwei kunstvolle Reliquienschreine. Diese dienten urspr\u00fcnglich als Brauttruhen der italienischen Gr\u00e4fin Paola Gonzaga und sind mit feinen, erhabenen Schnitzereien sowie Intarsien aus Elfenbein versehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach den Eindr\u00fccken im Dom gingen wir weiter Richtung Grazer Burg, dem heutigen Sitz der steirischen Landesregierung. Wir suchten den Innenhof auf um eine<\/p>\n<p>ber\u00fchmte Treppe zu besichtigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Grazer Burg ist ein geschichtstr\u00e4chtiges Bauwerk, dessen Anf\u00e4nge bis ins 15. Jahrhundert zur\u00fcckreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist die <strong>Doppelwendeltreppe von 1499<\/strong>, die oft als \u201eVers\u00f6hnungstreppe\u201c bezeichnet wird: Ihre zwei getrennten, aus Stein gehauenen Wendeltreppen schrauben sich gegengleich in die H\u00f6he, laufen auf jedem Stockwerk kurz zusammen, sodass man sich gegen\u00fcbersteht, und trennen sich dann wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Akustisch spiegelt der hohe Treppenschacht jeden Schritt und gesprochene Wort eindrucksvoll wider.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben der spektakul\u00e4ren Treppe beherbergt das Areal historische Innenh\u00f6fe mit gotischen Architekturelementen, Reste der alten Grazer Stadtmauer sowie repr\u00e4sentative Verwaltungs- und Empfangsr\u00e4ume.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem einige von uns die Wendeltreppe hinauf und nat\u00fcrlich auch wieder hinuntergegangen sind verabschiedeten wir uns von der Grazer Burg und der steirischen Landesregierung und machten uns durch enge Gassen auf dem Weg in die Herrengasse um von dort zum Hauptplatz zu gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong>Grazer Herrengasse<\/strong> ist eine der bekanntesten und historisch bedeutsamsten Prachtstra\u00dfen der steirischen Landeshauptstadt. Sie f\u00fchrt vom <strong>Hauptplatz<\/strong> im Norden bis hin zum <strong>Jakominiplatz<\/strong> im S\u00fcden. Entlang dieser belebten Flanier- und Einkaufsmeile reihen sich prunkvolle historische Adelspalais wie das Grazer Landhaus sowie zahlreiche Gesch\u00e4fte und Kaffeeh\u00e4user aneinander.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Herrengasse ist die zentrale Ader des Grazer Stra\u00dfenbahnnetzes; s\u00e4mtliche Tramlinien der Stadt verlaufen auf ihren Schienen zwischen Hauptplatz und Jakominiplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch die vielen Gesch\u00e4fte, Lokale und Kaffeeh\u00e4user auf beiden Seiten der Stra\u00dfe ist hier immer ein reges Treiben. Trotzdem hat die Herrengasse im Jahr 2015 schlimmes\u00a0 erlebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war ein schreckliches Ereignis, das die Stadt tief ersch\u00fctterte, die Amokfahrt in Graz am 20.06.2015. In der Herrengasse wurde ein 4 J\u00e4hriges Kind get\u00f6tet. Insgesamt gab es bei dieser Amokfahrt 3 Tote.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man muss immer wieder erkennen, dass Licht und Schatten sehr nahe beieinander liegen. Und man immer hoffen muss, wenn solche Ereignisse passieren, dass man ziemlich weit entfernt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer in Graz von einem Ort zum n\u00e4chsten spaziert, legt selten gro\u00dfe Distanzen zur\u00fcck \u2013 in der Stadt liegt alles nah beieinander. Zudem bringen einen die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel schnell an fast jedes Ziel. So erreicht man beispielsweise die Grazer Burg vom Beginn der Hofgasse aus in nur sechs Minuten, und auch der Weg vom Jakominiplatz durch die Herrengasse zum Hauptplatz ist nach etwa zehn Gehminuten gem\u00fctlich zu Fu\u00df absolviert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf unserem Weg entlang der Herrengasse passierten wir eine Reihe bedeutender historischer Bauwerke der Grazer Altstadt. Das Stra\u00dfenbild wird hier unter anderem von der barocken Stadtpfarrkirche mit ihrem markanten Kirchturm gepr\u00e4gt. Ebenso befindet sich dort das Landeszeughaus, das die weltweit gr\u00f6\u00dfte historische Waffensammlung beherbergt und auf vier Etagen mit originalen R\u00fcstungen, Harnischen sowie Hieb- und Stichwaffen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert beeindruckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn f\u00e4llt jedoch das prunkvolle Landhaus auf \u2013 ein Meisterwerk der Renaissance und Sitz des Steirischen Landtages. Im stimmungsvollen Innenhof wird zur Adventszeit traditionell eine Eiskrippe errichtet. Wir betraten den Eingangsbereich des Renaissancehofes, wo sich ein spezielles Tastmodell aus Bronze f\u00fcr blinde und sehbehinderte Menschen befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Modell bietet ma\u00dfstabsgetreue, haptische Miniaturen der beiden historischen Komplexe (Landhaus und Zeughaus). S\u00e4mtliche Elemente wurden so gestaltet, dass komplexe kulturhistorische Details ohne Sehverm\u00f6gen ertastet werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der linke Abschnitt<\/strong> stellt die Au\u00dfenarchitektur des Grazer Landhauses und des angrenzenden Landeszeughauses dreidimensional dar, sodass Dachformen, Fassaden und die Gesamtausdehnung der Geb\u00e4ude haptisch begreifbar werden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der mittlere, waagerecht angeordnete Teil<\/strong> veranschaulicht ausgew\u00e4hlte R\u00e4ume und H\u00f6fe. Hier kann man mit den Fingern in die pr\u00e4chtigen Renaissance-Arkadeng\u00e4nge hineintasten und den Grundriss der historischen Landstube durch eine \u00d6ffnung von oben erkunden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der rechte Abschnitt<\/strong> widmet sich einem besonderen kunsthistorischen Detail: Dem Wappentier \u2013 dem Steirischen Panther \u2013, das als ertastbares Flachrelief getreu der historischen Stuckverzierung an der Decke der Landstube nachgebildet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dieser faszinierenden Erkundung der steirischen Geschichte machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Tastmodell im Grazer Rathaus, das sich nur wenige Gehminuten entfernt an der S\u00fcdseite des Hauptplatzes befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs fielen uns emsige Aufbauarbeiten auf: \u00dcberall wurden Zelte, H\u00fctten und B\u00fchnen errichtet, da am kommenden Wochenende bereits zum 25. Mal das traditionelle Fest \u201eAufsteirern\u201c stattfand. Dennoch erreichten wir ohne H\u00fcrden oder Hindernisse das Rathaus, den Sitz der Grazer B\u00fcrgermeisterin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Modell steht im Innenbereich des Rathauses \u00fcberdacht im Eingangsbereich (Glockenspiel- bzw. Hauptplatz-Durchgang), direkt gegen\u00fcber der Portiersloge und ist an einem taktilen Bodenleitsystem angebunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Tastmodell des Grazer Rathauses ist Teil der sogenannten <strong>\u201eGraz-Miniaturen\u201c<\/strong>, die von blinden, sehbehinderten und sehenden Menschen gleicherma\u00dfen genutzt werden, um Bauwerke taktil zu erfassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ma\u00dfstabsgetreue dreidimensionale Miniatur ist ebenso aus robuster, langlebiger Bronze <strong>(Legierung aus Kupfer und Zinn. Eine Legierung aus Kupfer und Zink hei\u00dft Messing)<\/strong>gefertigt. Es stellt das pr\u00e4chtige Hauptgeb\u00e4ude des Grazer Rathauses mit seinen charakteristischen architektonischen Details wie den Kuppeln, T\u00fcrmen und der Fassadenstruktur greifbar dar. Durch die ertastbaren Formen und zus\u00e4tzlichen Erkl\u00e4rungen in Brailleschrift Konnten wir die Architektur des historischen Geb\u00e4udes eigenst\u00e4ndig erforschen und begreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem wir das Rathaus verlassen hatten, traf uns das hektische Treiben am Hauptplatz wieder. Hier wird das gesch\u00e4ftige Treiben von vorbeifahrenden Stra\u00dfenbahnen und\u00a0 Passanten gepr\u00e4gt. Pr\u00e4gend f\u00fcr das Bild sind die charakteristischen, fest installierten Imbiss- und Verkaufsh\u00e4uschen, die Einheimischen wie Touristen gleicherma\u00dfen als beliebter Treffpunkt dienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Murgasse kamen wir direkt beim Erzherzog-Johann-Brunnen vorbei, der mitten am Grazer Hauptplatz steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Erzherzog-Johann-Brunnen bildet als imposantes Monument das historische und geografische Zentrum des Grazer Hauptplatzes. Im Mittelpunkt der 1878 enth\u00fcllten Anlage steht eine \u00fcberlebensgro\u00dfe Bronzestatue von Erzherzog Johann, dem bedeutenden F\u00f6rderer der Steiermark. Er wird in traditioneller Tracht dargestellt, was seine tiefe Verbundenheit mit dem Volk unterstreicht. Zu seinen F\u00fc\u00dfen sitzen vier Frauenfiguren, die allegorisch die vier Hauptfl\u00fcsse der damaligen Steiermark \u2013 Mur, Enns, Drau und Sann \u2013 verk\u00f6rpern. Reliefs am Sockel illustrieren wichtige Stationen sowie Pionierleistungen aus dem Leben des Erzherzogs. Heute ist das kunstvolle Ensemble nicht nur ein zentrales Wahrzeichen der Stadt, sondern auch einer der beliebtesten Treffpunkte f\u00fcr Einheimische und G\u00e4ste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir machten uns durch die schmale Murgasse und \u00fcber die Erzherzog-Johann-Br\u00fccke auf den R\u00fcckweg zum S\u00fcdtirolerplatz dem Ausgangspunkt unseres Spazierganges in Graz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die historische Murgasse bildet als charmante, dicht bebaute Einkaufsstra\u00dfe ein lebendiges Nadel\u00f6hr zwischen dem Grazer Hauptplatz und der Mur. In der gesch\u00e4ftigen Gasse dr\u00e4ngen sich die Fu\u00dfg\u00e4nger hautnah an den Schaufenstern, w\u00e4hrend der Raum zwischen den altst\u00e4dtischen Fassaden sp\u00fcrbar eng wirkt. Das Gef\u00fchl der Enge gipfelt darin, dass die kreischenden Stra\u00dfenbahnen im Zentimeterabstand an den extrem schmalen Gehsteigen vorbeigleiten, was der Murgasse ihre ganz besondere, pulsierende Dynamik verleiht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim \u00dcberqueren der Erzherzog-Johann-Br\u00fccke\u00a0 fallen uns am Br\u00fcckengel\u00e4nder die vielen Vorh\u00e4ngeschl\u00f6sser auf. Sie sind auf beiden Seiten der Br\u00fccke und \u00fcber die gesamte L\u00e4nge am Gel\u00e4nder befestigt. Diese Schl\u00f6sser haben die unterschiedlichsten Gr\u00f6\u00dfen, Formen und Farben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Vorhangschl\u00f6sser an der Erzherzog-Johann-Br\u00fccke\u00a0 in Graz sind sogenannte Liebesschl\u00f6sser. Dieser Brauch stammt urspr\u00fcnglich aus Italien und verbreitete sich weltweit. Verliebte Paare befestigen ein Vorh\u00e4ngeschloss an einem Br\u00fcckengel\u00e4nder und werfen den Schl\u00fcssel ins Wasser, um ihre ewige Verbundenheit zu symbolisieren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Graz ist die Erzherzog-Johann-Br\u00fccke\u00a0 dicht mit diesen Schl\u00f6ssern beh\u00e4ngt, was sie zu einem beliebten Ort f\u00fcr Paare macht, um ihre Liebe zu bekunden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Gewicht der Schl\u00f6sser die Br\u00fccken belasten kann, und daher regelm\u00e4\u00dfig einige entfernt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben den vielen Vorhangschl\u00f6ssern kann man auch die Murinsel von der Br\u00fccke aus sehen. Besonders Nachts ist der Blick auf Die Murinsel ein Blickfang. Schlie\u00dflich wird sie farbenfroh beleuchtet und bietet ein faszinierendes Schauspiel, was sie zu einem beliebten Fotospot macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wirft man auf der Br\u00fccke einen Blick zur\u00fcck, sieht man die prachtvolle Franziskanerkirche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Mur und somit am S\u00fcdtirolerplatz angekommen, brauchten wir nur der taktilen Bodeninformation (TBI) zu folgen, um direkt zur Stra\u00dfenbahnhaltestelle zu gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Graz sind auf der TBI Piktogramme mit dem Blindensymbol angebracht, um die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr dieses Leitsystem zu sensibilisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun konnten wir in jede beliebige Stra\u00dfenbahn einsteigen, um zum Bahnhof zu fahren. So verlief auch die R\u00fcckfahrt zu unserer Unterkunft v\u00f6llig reibungslos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da am Abend im Gasthaus Lammer ein gro\u00dfes Kegelturnier der Maschinenfabrik Andritz mit 165 Teilnehmern stattfand, machten wir uns f\u00fcr das Abendessen auf den Weg in ein nahegelegenes Lokal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So unternahmen wir einen kurzen Spaziergang zum Kunst- und Kulturkeller in der Schulstra\u00dfe. Der Weg f\u00fchrte uns erneut am Park der Rehaklinik vorbei. Dabei stellten wir fest, dass wir an diesem Lokal bereits am Montag auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel vorbeigekommen waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kulturkeller ist ein sehr gem\u00fctliches Lokal, das hervorragende Gastronomie mit einem einladenden Ambiente verbindet. Es fiel uns sofort positiv auf, dass hier offenbar schon \u00f6fter sehbehinderte und blinde Menschen zu Gast gewesen sein mussten: Die Chefin und das Personal wussten genau, wie man aufmerksam und professionell mit unserer Gemeinschaft umgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dadurch wurde unser letzter Abend in Judendorf nicht nur mit einem vorz\u00fcglichen Essen, sondern auch mit besonders sch\u00f6nen Erinnerungen abgerundet. Wenn wir wieder einmal nach Judendorf kommen, werden wir hier ganz sicher erneut einkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So endete ein ebenso informativer wie sch\u00f6ner Tag in Graz mit einem gem\u00fctlichen n\u00e4chtlichen Spaziergang zur\u00fcck zu unserer Unterkunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Freitag, 18.09.2026: <\/strong>Wenn wir wieder heimw\u00e4rts ziehen \u2013 Das Finale einer besonderen Reise.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute am Freitag war es wieder so weit. Nach dem letzten gem\u00fctlichen gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck ging es ans Kofferpacken und Zimmerr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da auch das \u201eAufsteirern\u201c beim Gasthaus Lammer eine Rolle spielte, wurden wir gebeten, unsere Zimmer schon fr\u00fcher freizugeben. Die Zimmer waren schon wieder f\u00fcr das Wochenende gebucht und es musste nat\u00fcrlich alles gereinigt werden. F\u00fcr uns stellte das kein Problem dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da der Weg zum Bahnhof leicht nach unten f\u00fchrt, rollten unsere Koffer fast von selbst zum Bahnsteig. Wir mussten uns nur daran festhalten. Auch heute blieb der neue Doppelstockzug vor uns stehen, und so rollten wir Richtung Grazer Hauptbahnhof.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da wir bis zur Abfahrt nach Linz noch sehr viel Zeit hatten, versorgten wir uns mit Getr\u00e4nken und einer Jause f\u00fcr die R\u00fcckfahrt. Ebenso kauften wir bei den beiden Brezelst\u00e4nden im Bahnhof ein. Es gab einen Stand mit Laugenbrezeln und einen Stand mit den ganz speziellen \u2013 und f\u00fcr mich besten \u2013 Brezeln \u00d6sterreichs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die knusprige Wagner-Breze gilt als kulinarisches Wahrzeichen der Stadt Graz und hat eine lange Tradition. Urheber des Geb\u00e4cks war der B\u00e4cker Toni Wagner, der den Grazer Klassiker in der Zwischenkriegszeit erfand und popul\u00e4r machte. Kurz vor seinem Tod vertraute er das geheime Rezept der Traditionsb\u00e4ckerei Strohmayer an, um dessen Fortbestand zu sichern. Bis heute wird die echte Wagner-Breze von der B\u00e4ckerei Strohmayer am Karlauplatz in sorgf\u00e4ltiger Handarbeit gefertigt und genie\u00dft weit \u00fcber die Grenzen der Steiermark hinaus Kultstatus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Provianteinkauf suchten wir ein Caf\u00e9 f\u00fcr einen gem\u00fctlichen Abschluss. F\u00fcndig wurden wir direkt am Europaplatz im Gastgarten von AIDA \u2013 mitten im lebendigen Geschehen vor dem Bahnhofsgeb\u00e4ude. Das Caf\u00e9 ist f\u00fcr seine Vielfalt an Kaffeesorten, R\u00f6stungen und Espressospezialit\u00e4ten bekannt. F\u00fcr unsere Gruppe wurde rasch ein gro\u00dfer Tisch zusammengestellt, sodass jeder in aller Ruhe sein Lieblingsgetr\u00e4nk genie\u00dfen konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch auch dieser gem\u00fctliche letzte Augenblick in Graz ging zu Ende, und wir machten uns auf den Weg zum Infopoint, wo uns das Team der \u00d6BB-OS erwartete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Position des Infopoints am Grazer Hauptbahnhof hat sich seit meinem letzten Besuch ver\u00e4ndert: Da die Westbahn einen Ticketschalter in der Bahnhofshalle bekommen hat, wurde der Infopoint in den Durchgang von der Haupthalle zum Spar verlegt. Mir pers\u00f6nlich gef\u00e4llt dieser Platz besser, da er sehr gut \u00fcber die taktilen Leitlinien zu finden ist. Ebenso wurde das Behinderten-WC erneuert: Es wurde eine automatische T\u00fcr eingebaut und das Waschbecken tiefer gesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Begleitdienst der \u00d6BB brachte uns zum Wagen mit unserem reservierten Pl\u00e4tzen. P\u00fcnktlich rollte der Zug in Richtung Norden aus dem Bahnhof. Kurz nach Graz blickten wir noch einmal wehm\u00fctig auf die Wallfahrtskirche Maria Stra\u00dfengel und das Freilichtmuseum St\u00fcbing zur\u00fcck, an denen wir vorbeifuhren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Heimfahrt verlief wie im Flug, und am sp\u00e4ten Nachmittag erreichten wir nahezu p\u00fcnktlich den Linzer Hauptbahnhof. Auch hier wurden wir wieder verl\u00e4sslich vom \u00d6BB-Begleitservice abgeholt und in die Bahnhofshalle geleitet \u2013 genau an jenen Ort, an dem f\u00fcnf Tage zuvor unsere gemeinsame Reise begonnen hatte.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Fazit in eigener Regie:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese f\u00fcnf Tage haben eindrucksvoll bewiesen, wie viel Kraft und Lebensfreude in echter Selbstbestimmung stecken. V\u00f6llig unabh\u00e4ngig von starren Verbandsstrukturen oder vorgegebenen Programmen haben wir \u2013 sehbehinderte, blinde und sehende Menschen gemeinsam \u2013 eine Reise auf die Beine gestellt, die von gegenseitigem Vertrauen, Herzlichkeit und Eigeninitiative getragen wurde. Wir haben gezeigt, dass gelungene Inklusion und ein barrierefreies Miteinander am besten funktionieren, wenn man sie selbst gestaltet. Mit vollem Herzen, gest\u00e4rktem Gemeinschaftsgef\u00fchl und vielen unvergesslichen Erinnerungen im Gep\u00e4ck sind wir wieder zu Hause angekommen \u2013 und das n\u00e4chste gemeinsame Abenteuer l\u00e4sst sicher nicht lange auf sich warten.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gemeinsam unterwegs \u2013 R\u00fcckblick auf unsere Steiermark-Reise<\/strong><\/p>\n<p>Als Gruppe sind wir bereits seit vielen Jahren gemeinsam unterwegs und verstehen uns dabei auch als Botschafter f\u00fcr blinde und sehbehinderte Menschen. Schlie\u00dflich verstecken wir uns nicht in verstaubten Verbandsr\u00e4umen oder Vereinslokalen, sondern sind aktiv in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sent. Damit zeigen wir ganz praktisch, dass wir fast \u00fcberall mitten im Leben stehen und teilhaben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau das durften wir auch w\u00e4hrend unserer f\u00fcnft\u00e4gigen Gruppenreise in die Steiermark wieder intensiv erleben \u2013 und wir haben, wie so oft, einen bleibenden und sehr positiven Eindruck hinterlassen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein unsch\u00e4tzbarer Wert: Unsere Begleitpersonen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein solches Erlebnis ist jedoch nur durch die Unterst\u00fctzung von engagierten Begleitpersonen m\u00f6glich, bei denen wir uns an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken m\u00f6chten. Sie leisten weit mehr als nur praktische Hilfe: Durch ihren Einsatz, ihre Aufmerksamkeit und ihre Verl\u00e4sslichkeit \u00f6ffnen sie T\u00fcren zu neuen Erlebnissen. Erst durch sie k\u00f6nnen blinde und sehbehinderte Menschen unbeschwert Freude am Reisen haben, Barrieren \u00fcberwinden und in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Sie schenken uns Freiheit, Sicherheit und gemeinsame Erinnerungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein ganz besonderer Dank gilt daher unseren Begleiterinnen und Begleiter <strong>Andrea, Anni, Gregor und Johanna<\/strong>. Ihr habt uns stets sicher von A nach B gebracht, uns den R\u00fccken freigehalten und diese Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht \u2013 vielen herzlichen Dank daf\u00fcr! Vielleicht d\u00fcrfen wir ja auch im Jahr 2027 wieder gemeinsam neue Wege gehen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein herzliches Dankesch\u00f6n geht zudem an:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meinen Bruder G\u00fcnter, der uns zum Harmonikamacher, zur Lurgrotte, zum Sandwirt und wieder sicher nach Hause brachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Team des <strong>Gasthauses Lammer<\/strong> f\u00fcr ihre gro\u00dfe Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong>Familie Parz<\/strong>, und ganz besonders an <strong>Franz Parz<\/strong>, f\u00fcr die wunderbare Vorbereitung unseres Besuchs.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andreas Schinnerl<\/strong> von der <strong>Lurgrotte Semriach<\/strong> f\u00fcr die informative und faszinierende F\u00fchrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch beim Gasthaus Sandwirt haben sie dank Alfons gelernt wie Blinde Banknoten erkennen. Das werden sie noch ihren Enkeln erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dank all dieser Menschen bleiben diese Tage in der Steiermark in unvergesslich guter Erinnerung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 Oktober 2026 by Gerhard Hojas, Linz \/ Ebelsberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 14.09.2026 &#8211; ,Die Fahrt in den S\u00fcden. &nbsp; Nachdem 2025 eine Pause eingelegt worden war, war es 2026 wieder so weit: Eine Gruppe Blinder samt Begleitpersonen aus Ober\u00f6sterreich machte&#8230; <a class=\"read-more-button\" href=\"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/reisebericht-5-tage-steiermark-14-09-2026-bis-18-09-2026\/\">Lesen Sie mehr &gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pawkJb-Ak","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252"}],"collection":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2252"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2253,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions\/2253"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}