{"id":1649,"date":"2021-05-10T10:48:07","date_gmt":"2021-05-10T08:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hojas.co.at\/blog\/?p=1649"},"modified":"2021-05-10T10:48:07","modified_gmt":"2021-05-10T08:48:07","slug":"blindenampeln-in-der-praxis-anspruch-und-wirklichkeit-eines-wichtigen-aspekts-der-inklusion-juergen-schwingshandl-maerz-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/blindenampeln-in-der-praxis-anspruch-und-wirklichkeit-eines-wichtigen-aspekts-der-inklusion-juergen-schwingshandl-maerz-2017\/","title":{"rendered":"Blindenampeln in der Praxis &#8211; Anspruch und Wirklichkeit eines wichtigen Aspekts der Inklusion. (J\u00fcrgen Schwingshandl, M\u00e4rz 2017)"},"content":{"rendered":"<h1>Blindenampeln in der Praxis &#8211; Anspruch und Wirklichkeit eines wichtigen Aspekts der Inklusion.<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von J\u00fcrgen Schwingshandl, M\u00e4rz 2017<\/p>\n<h2>\u00dcber dieses Dokument &#8211; Begriffsverwendung<\/h2>\n<p>Der Autor hat sich zum Zwecke der besseren Lesbarkeit entschlossen, in diesem Dokument folgende Sprachliche Vereinfachungen zu verwenden:<\/p>\n<ul>\n<li>Gendering: Alle nicht personengebundenen Ausdr\u00fccke, die das soziale Geschlecht betreffen, werden in ihrer weiblichen Form verwendet. Unbeschadet dessen sind damit jedoch alle Menschen gemeint.<\/li>\n<li>Behindert und nicht Behindert: Zur Unterscheidung zwischen \u201ehochgradig sehbehinderten und blinden Menschen\u201c einerseits und sehenden Menschen andererseits werden in diesem Dokument die Begriffe \u201eBlinde\u201c und \u201eSehende\u201c verwendet.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Sinn und Zweck von Ampeln<\/h2>\n<p>Warum Ampeln im Verkehr wichtig sind, soll hier nicht beleuchtet werden. Was f\u00fcr die gesunde Sehende oft lediglich eine Annehmlichkeit darstellt, wird f\u00fcr Menschen mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen und\/oder mit Einschr\u00e4nkungen des Wahrnehmungsapparats zur \u00fcberlebenswichtigen Einrichtung.<\/p>\n<p>Besonders stark sind davon Blinde betroffen, da diese ohne Spezielle technische Ausstattung der Ampelanlagen noch nicht einmal erkennen k\u00f6nnen, dass sie sich einer Verkehrssituation n\u00e4hern, die es wert ist, von Ampeln geregelt zu werden.<\/p>\n<p>Eine zunehmende Zahl von Ampeln werden daher mit \u201eakustisch-taktilen Blindeneinrichtungen\u201c ausger\u00fcstet. Deren Einwandfreie Funktion ist ebenso lebenswichtig, wie die der \u201eSehenden-Ampeln\u201c.<\/p>\n<p>Dieses Dokument zeigt auf, warum dies so ist und dass \u2013 zumindest in Wien \u2013 erheblicher \u2013 und zunehmender -Nachholbedarf bei der entsprechenden Sorgfalt besteht.<\/p>\n<h1>Sinn, Zweck und Funktionsweise von Blindenampeln<\/h1>\n<h2>Ablauf einer Querung<\/h2>\n<p>Der im Folgenden geschilderte Ablauf der Nutzung einer Fu\u00dfg\u00e4ngerampel mag banal erscheinen. In der Tat dient er auch lediglich dem Verst\u00e4ndnis \/ der \u00dcbersicht der folgenden Abschnitte. Au\u00dferdem bietet er eine erste Einordnung der einschl\u00e4gigen Begriffe.<\/p>\n<ol>\n<li>Auffinden und aktivieren<\/li>\n<\/ol>\n<p>1.1. Erkennen des Vorhandenseins einer Ampel und<\/p>\n<p>auffinden des Mastes mit Hilfe des akustischen Auffindesignals<\/p>\n<p>1.2. Aktivieren der Querungshilfe mittels der<\/p>\n<p>Anforderungstaste<\/p>\n<p>1.3. Kenntnisnahme des Quittungstons<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Warten<\/li>\n<\/ol>\n<p>2.1. Feststellen der Richtung der Querung mittels<\/p>\n<p>Richtungsanzeiger<\/p>\n<p>2.2. Erkunden der lokalen Gegebenheiten mittels<\/p>\n<p>Querungsschema<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Gehen<\/li>\n<\/ol>\n<p>3.1. Erkennen von Gr\u00fcn mittels Vibration<\/p>\n<p>3.2. Erkennen von Gr\u00fcn mittels Taktung des Gr\u00fcntons<\/p>\n<p>3.3. Richtung halten mittels der Lautst\u00e4rke des Gr\u00fcntons<\/p>\n<h2>Bestandteile einer BLAK und Gefahren bei Fehlfunktion oder Ausfall<\/h2>\n<p>Wie eingangs angedeutet , haben Ampeln \u2013 auch Blindenampeln \u2013 ihren Sinn und Zweck im Schutz der schw\u00e4cheren Verkehrsteilnehmerinnen. Konkret ist das zu sch\u00fctzende Gut im Sinne dieses Dokuments das Leben und die Gesundheit von Blinden. Warum bereits scheinbar unbedeutende Besch\u00e4digungen einer Blindenampel zur Lebensgefahr werden k\u00f6nnen, wird in den folgenden Abschnitten erl\u00e4utert.<\/p>\n<h2>Auffindesignal<\/h2>\n<p>Warum in einer konkreten Situation eine Ampel aufgestellt ist, kann gelegentlich nur die ortskundige Planerin angeben.<\/p>\n<p>In der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle ist ihr Vorhandensein aber aus der Verkehrssituation unmittelbar einsichtig. Dem Wort \u201eeinsichtig\u201c kommt hier gewichtige Bedeutung zu, da Blinde eben genau nicht \u00fcber diese (Ein)Sicht verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ein doppelt wichtiger Bestandteil einer Blindenampel ist daher das Auffindesignal. Es dient gleicherma\u00dfen als Hinweis, dass \u00fcberhaupt eine Ampel vorhanden ist wie auch als Wegweiser f\u00fcr das Auffinden des Ampelmastes.<\/p>\n<h3>Daraus ergeben sich folgende Anforderungen:<\/h3>\n<ul>\n<li>Das Signal muss von seiner Qualit\u00e4t so sein, dass es von einem ge\u00fcbten Ohr auch bei vielf\u00e4ltigen St\u00f6rger\u00e4uschen zuverl\u00e4ssig erkannt werden kann. Ein dazu geeignetes \u201eTick-Signal\u201c mit 60 Pulsen pro Minute gilt hierzu als Stand der Technik und ist international verbreitet.<\/li>\n<li>Das Signal muss so laut sein, dass es auch bei hohem Verkehrsaufkommen in einer Entfernung geh\u00f6rt werden kann, die der Breite des Gehwegs \u2013 ggf. plus Fahrradweg \u2013 an der entsprechenden Stelle entspricht. Um die Bel\u00e4stigung von Anwohnerinnen auf ein zu ertragendes Mindestma\u00df zu reduzieren, ist hierf\u00fcr eine automatische Anpassung der Lautst\u00e4rke des Auffindesignals an die Umgebungslautst\u00e4rke praktisch unumg\u00e4nglich.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Lebensgefahr<\/h3>\n<p>Ein fehlendes oder ungeeignetes Auffindesignal kann u.A. zu folgenden \u2013 potentiell lebensgef\u00e4hrlichen \u2013 Folgen f\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Blinde erkennt das Vorhandensein einer potentiell Gef\u00e4hrlichen Situation\u00a0\u00a0&#8211; das Vorhandensein einer Ampel &#8211; nicht und versucht an einer dazu ungeeigneten Stelle eine Querung.<\/li>\n<li>Beim Versuch, das Bedientablett zu finden, ger\u00e4t die Blinde auf die Fahrbahn. Gerade bei einer Gehsteigabsenkung auf 0-Niveau und hohem Verkehrsaufkommen ist diese Gefahr erheblich.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<p>&#8211; Bodenindikatoren im \u00f6ffentlichen Raum sind<\/p>\n<p>bestenfalls tempor\u00e4r brauchbar und daher keinesfalls geeignet das akustische Auffindesignal zu ersetzen.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Hilfe von Passantinnen kann nur und fr\u00fchestens dann in Anspruch genommen werden, wenn der Blinden bekannt ist, dass sie Hilfe ben\u00f6tigt. Bei der Ann\u00e4herung an eine gef\u00e4hrliche Stelle in fremdem Terrain ist diese Voraussetzung nicht gegeben.<\/li>\n<li>Barrierefreie Gehsteigabsenkungen k\u00f6nnen die Lebensgefahr durch unabsichtliches und unwissentliches Betreten der Fahrbahn zwar verringern oder verhindern, sind aber nur selten vorhanden und \u00fcber dies umstritten.<\/li>\n<li>Das Weglassen des Auffindesignals bzw. das Verwenden eines ungeeigneten Auffindesignals f\u00fchrt dazu, dass nur ortskundige Blinde diese Ampel verwenden k\u00f6nnen. Dies ist im Sinne der allseits geforderten Inklusion inakzeptabel.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Anforderungstaste<\/h2>\n<p>Da das akustische Gr\u00fcn-Signal f\u00fcr die Umwelt ungleich belastender ist als das Auffindesignal, muss die BLAK einer Ampel in aller Regel bedarfsorientiert aktiviert werden.<\/p>\n<p>Dies geschieht in aller Regel durch eine Drucktaste an der Unterseite des BedienTablets.<\/p>\n<h3>Benachteiligung<\/h3>\n<ul>\n<li>Ist dieses Bedienelement funktionsunf\u00e4hig, so wei\u00df die blinde zwar, dass eine gef\u00e4hrliche Situation gegeben ist, kann diese aber nicht mit der daf\u00fcr vorgesehenen Methode bew\u00e4ltigen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<ul>\n<li>In innerst\u00e4dtischen Verkehrssituationen kann zu belebten Zeiten hier auf die Hilfestellung durch Passantinnen ausgewichen werden. Eine Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t bleibt aber auch in diesem Fall.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Quittungston<\/h2>\n<p>In aller Regel findet auf die Bet\u00e4tigung der Anforderungstaste keine unmittelbare Reaktion der Ampel statt. Um der Blinden dennoch anzuzeigen, dass ihr \u201eDruck auf den Knopf\u201c registriert wurde, ert\u00f6nt ein kurzes Signal.<\/p>\n<h3>Benachteiligung:<\/h3>\n<ul>\n<li>Fehlt dieser Quittungston, so liegt der Blinden keinerlei Information dar\u00fcber vor, ob die Ampel als solche in Betrieb ist (Nachtabschaltung), ob die BLAK in Betrieb ist oder ob ihre Anforderung f\u00fcr akustische Querungshilfe registriert wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<p>Aus dem Fehlen des Quittungstons alleine kann im harmlosen Falle eine blo\u00dfe Zeitverz\u00f6gerung entstehen.<\/p>\n<p>Gelangt die Blinde durch \u201eBeobachtung\u201c des Verkehrs zur Ansicht, dass die Ampel als solche nicht in Betrieb ist und daher eine nichtunterst\u00fctzte Querung versucht, kann auch bereits aus diesem geringen Anlass eine gef\u00e4hrliche Situation entstehen.<\/p>\n<h2>Richtungsanzeiger<\/h2>\n<p>Je nach Bauart ist oben auf dem Bedientablett und\/oder auf der Anforderungstaste an der Unterseite desselben ein erhabener Pfeil angebracht, der auf den korrespondierenden Ampelmast auf der anderen Stra\u00dfenseite oder einer Verkehrsinsel weist.<\/p>\n<h3>Gefahr<\/h3>\n<ul>\n<li>Fehlt dieser Richtungspfeil oder weist er in Folge von Vandalismus in die falsche Richtung, so besteht die Gefahr, dass die blinde ihre Querung in die falsche Richtung startet. Auch bei sonst intakter Infrastruktur und einem gesunden Geh\u00f6r besteht in komplexen Verkehrssituationen die Gefahr, dass die Blinde auf eine parallel verlaufende Fahrbahn ger\u00e4t oder sonst an einen Ort gelangt, an dem Gefahr besteht.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Querungsschema<\/h2>\n<p>Auf der Seite des Bedientabletts, dass der Stra\u00dfe abgewandt ist, befindet sich eine schematische Darstellung der zu bew\u00e4ltigenden Querung. Die wenigen dort verwendeten Symbole sind geeignet, einen raschen \u00dcberblick \u00fcber die gegebene Situation zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<h3>Gefahr<\/h3>\n<ul>\n<li>Hat sich die Verkehrssituation ge\u00e4ndert und wurde das Querungsschema nicht angepasst, so kann dies zu einer gef\u00e4hrlichen Situation f\u00fchren, wenn z.B. die Blinde versucht, eine Verkehrsinsel zu einem Zwischenstopp zu verwenden, obwohl es diese gar nicht mehr gibt.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<ul>\n<li>Fehlt das Querungsschema, so entsteht daraus keine weitere Gefahr und fordert der Blinden lediglich erh\u00f6hte Konzentration ab.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Vibration (Taktiles Gr\u00fcn)<\/h2>\n<p>Um einer Blinden mit zus\u00e4tzlich eingeschr\u00e4nktem Geh\u00f6rsinn die selbst\u00e4ndige Querung zu erm\u00f6glichen oder als r\u00fcckfallebene bei hohem Verkehrsl\u00e4rm, wird die Gr\u00fcnphase nicht nur akustisch, sondern auch durch Vibration der Anforderungstaste signalisiert.<\/p>\n<h3>Lebensgefahr<\/h3>\n<ul>\n<li>Immer wieder ist zu beobachten, dass diese Form des Gr\u00fcn-Signals auch dann gegeben wird, wenn die zugeh\u00f6rige Fu\u00dfg\u00e4ngerampel definitiv Rot zeigt. Bei hohem Verkehrsaufkommen und einer un\u00fcberh\u00f6rlichen Verkehrssituation kann dies dazu f\u00fchren, dass die Blinde in der \u00dcberzeugung, sie habe Gr\u00fcn, eine Querung beginnt und sich und Andere so in akute Lebensgefahr bringt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Taktung und Lautst\u00e4rke (Gr\u00fcnton)<\/h2>\n<p>\u201eGr\u00fcn\u201c wird durch ein gepulstes Signal von 180 Pulsen pro Minute angezeigt. Diese Art der Signalisierung hat mehrere<\/p>\n<h3>Funktionen:<\/h3>\n<ul>\n<li>Der Signalgeber am Mast, an dem die Blinde steht zeigt \u201eGr\u00fcn\u201c an.<\/li>\n<li>Das Signal, von dem Mast, auf den die Blinde zugeht, zeigt die Richtung an, in die sie gehen muss. Hierdurch ist auch eine Absch\u00e4tzung der noch zur\u00fcckzulegenden Strecke m\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um diese Funktionen einwandfrei erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen folgende Bedingungen erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Gr\u00fcn-signal muss sich an der Anzahl der Pulse pro Minute ohne direkten Vergleich eineindeutig als \u201eGr\u00fcn\u201c erkennen lassen. Es darf also nicht mit einem allf\u00e4llig konkurrierenden Auffindesignal verwechselbar sein.<\/li>\n<li>Der Gr\u00fcn-Ton des Start-Mastes muss sich ohne Zeitverz\u00f6gerung als genau dieser identifizieren lassen.<\/li>\n<li>Der Gr\u00fcn-Ton des Ziel-Mastes muss bereits nach weniger als der halben Strecke der Querung vom Gr\u00fcn-Ton des Start-Mastes unterscheidbar sein.<\/li>\n<li>Auch bei maximalem Verkehrsl\u00e4rm darf der Gr\u00fcn-Ton des Ziel-Mastes zu keiner Zeit unh\u00f6rbar werden. Diese Forderung ist zwar durch das Anbringen von Bodenindikatoren abdingbar, ist aber durch automatische Lautst\u00e4rkeanpassung und Richtschalleinrichtungen ohne weiteres auch bei mehrspurigen Fahrbahnen erreichbar.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Lebensgefahr<\/h3>\n<ul>\n<li>Verwechselt eine blinde einen beliebigen Gr\u00fcn-Ton mit dem des eigenen Start-Mastes, so wird sie dazu verleitet, die Querung bei Rot zu beginnen.<\/li>\n<li>Auch und gerade bei gro\u00dfem Umgebungsl\u00e4rm ist es wichtig, den Gr\u00fcn-Ton des Ziel-Mastes von allen anderen Ger\u00e4uschen unterscheiden zu k\u00f6nnen. Ist dies nicht der Fall, so besteht die Gefahr, dass die Blinde auf den falschen Mast zu geht und sich und Andere so in Lebensgefahr bringt.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anmerkungen<\/h3>\n<ul>\n<li>In Wien werden zunehmend BLAKs verbaut, deren Gr\u00fcn-signal aus 120 Pulsen pro Minute besteht. Aus Wahrnehmungspsychologischer Sicht ist dies deutlich schlechter vom Auffindesignal mit 60 Pulsen pro Minute zu unterscheiden, als die h\u00e4ufiger \u00fcblichen 180 Pulse pro Minute. Einwendungen der Interessensvertretungen gegen diese Praxis ergeben regelm\u00e4\u00dfig, dass die Anzahl von 120 bis 180 Pulsen pro Minute von der entsprechenden Norm gedeckt sei.<\/li>\n<li>Zur Erkenntnis, dass dann eben genau jene Norm falsch \u2013 weil nicht praxistauglich &#8211; ist, hat es in Wien bis dato nicht gereicht.<\/li>\n<li>H\u00e4ufig taucht die Forderung auf, das Gr\u00fcn-Signal in der Lautst\u00e4rke zu begrenzen, da es st\u00f6rend sei. H\u00e4ufig werden dabei keine Versuche unternommen, was sich mittels Richtschall und\/oder einer automatischen Lautst\u00e4rkeanpassung erreichen l\u00e4sst. Gerade bei Mehrspurigen Querungen wird versucht, die akustische Zielfindung durch das Anbringen von Bodenindikatoren zu ersetzen. Das Folgen solcher Bodenindikatoren muss aber mit wesentlich geringerer Gehgeschwindigkeit erfolgen, als das bei der akustischen Zielfindung m\u00f6glich ist. Bodenindikatoren k\u00f6nnen die akustische Zielfindung daher lediglich erg\u00e4nzen und nicht ersetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Responszeiten \u2013 Ein arges Trauerspiel<\/h2>\n<p>Der Autor ist immer wieder versucht, sich folgende Situation<\/p>\n<p>vorzustellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Zur Hauptverkehrszeit f\u00e4llt das \u201eGr\u00fcne L\u00e4mpchen\u201c der Ampel der Linksabbiegespur von der X-Stra\u00dfe auf den Y-Platz aus.<\/li>\n<li>Alternativ kann auch eine Vandalin den Ampelmast umges\u00e4gt; eine Scherzboldin den ganzen Kreuzungsbereich voller gr\u00fcner, roter und gelber Lampions geh\u00e4ngt oder die \u201eroten L\u00e4mpchen\u201c gegen blaue ausgetauscht haben.<\/li>\n<li>Mit der Beantwortung folgender kleiner gemeiner Fragen, mag die Leserin ihr kleines stilles Vergn\u00fcgen haben:<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Wie lange dauert es, bis es zum ersten ernsthaften Unfall kommt und schon deswegen die Polizei auf den Plan tritt und den Verkehr regelt?<\/li>\n<li>Wie lange dauert es, bis ein Trupp Arbeiterinnen anr\u00fcckt um die St\u00f6rung zu beseitigen?<\/li>\n<li>Wie gro\u00df ist der Artikel in der Regionalzeitung beim ersten, zweiten und dritten Vorfall dieser Art innerhalb eines Monats?<\/li>\n<li>Wie lange dauert es nach dem dritten solchen Artikel, bis das Problem als solches Erkannt ist und eine L\u00f6sung angestrebt wird.<\/li>\n<li>Nach der pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung des Autors k\u00e4me es nie zu einem solchen Artikel und erst recht nicht zu einem entsprechenden Politikum, weil die St\u00f6rung v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich in k\u00fcrzester Zeit beseitigt w\u00fcrde. Im Alltag von Blinden bzw. bei der Behebung von analogen St\u00f6rungen an BLAKs sieht das allerdings v\u00f6llig anders aus.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Eine kleine Statistik<\/h2>\n<p>Eine Stichprobe in einem zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Planquadrat an der Grenze zwischen dem 21sten und 22sten Wiener Gemeindebezirk am 27.05.2015 hat folgendes Ergebnis erbracht;<\/p>\n<p>Insgesamt gepr\u00fcfte BLAKs 54 = 100%<\/p>\n<p>BLAKs mit mindestens leichten M\u00e4ngeln 35 = 65%<\/p>\n<p>BLAKs mit ernsthaften Fehlfunktionen 21 = 39%<\/p>\n<p>Insgesamt gepr\u00fcfte Querungen bzw. Kreuzungsbereiche 7<\/p>\n<p>= 100%<\/p>\n<p>Anzahl der ohne Beeintr\u00e4chtigung nutzbaren Querungen bzw.<\/p>\n<p>Kreuzungsbereiche 1 = 14%<\/p>\n<p>Keine Ber\u00fccksichtigung in der Statistik fanden dabei Querungen bzw. Kreuzungen, an denen keine Ampeln bzw. Ampeln ohne BLAK vorhanden waren, obwohl die Verkehrssituation dies erfordert h\u00e4tte.<\/p>\n<h3>Handlungsbedarf<\/h3>\n<p>Es besteht also dringender Handlungsbedarf! Der Autor l\u00e4dt jede dazu ein, sich davon mittels eines kleinen Spaziergangs zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<h3>L\u00f6sungsansatz<\/h3>\n<p>Die Stadt Wien ist als Organisation und Kunde gro\u00df genug, um mit einem Kriterienkatalog f\u00fcr eine Bestbieter-Ausschreibung den meisten dieser M\u00e4ngel einen Riegel vorzuschieben. Das ganze w\u00e4re auch unabh\u00e4ngig davon, ob und wann jemand allf\u00e4llige Fehler in einer \u00d6-Norm ausbessert.<\/p>\n<p>Alternativ steht Wien der Weg offen, als erste Weltstadt mit Anspruch ein High-Tech-Standort zu sein, in die Geschichte als die Stadt einzugehen, die es nicht schafft, Impulsgeber in Ampeln von 120 auf 180 Pulse pro Minute umzustellen.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Schwingshandl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blindenampeln in der Praxis &#8211; Anspruch und Wirklichkeit eines wichtigen Aspekts der Inklusion. &nbsp; Von J\u00fcrgen Schwingshandl, M\u00e4rz 2017 \u00dcber dieses Dokument &#8211; Begriffsverwendung Der Autor hat sich zum Zwecke&#8230; <a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/blindenampeln-in-der-praxis-anspruch-und-wirklichkeit-eines-wichtigen-aspekts-der-inklusion-juergen-schwingshandl-maerz-2017\/\">Lesen Sie mehr &gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","jetpack_publicize_message":""},"categories":[26,10,19,27,16],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pawkJb-qB","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1649"}],"collection":[{"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1649"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1649\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1650,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1649\/revisions\/1650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1649"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hojas.co.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}