Vom Bügelfeuer und den singenden Drähten. Ein Besuch in der Remise Kleinmünchen der Linz AG Linien.
An einem Donnerstagvormittag traf sich eine größere Gruppe von Blinden, Sehbehinderten und deren Begleitpersonen bei der Straßenbahnhaltestelle Remise Kleinmünchen im Süden von Linz. Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs vom Standort Linz hat bei den Linz AG Linien für ihre Mitglieder in dieser Remise eine Führung organisiert.
Die Linz AG Linien verfügen gegenwärtig über zwei Remisen für Straßenbahnen. Die Remise Kleinmünchen in der Wiener Straße gegenüber der Denkstraße. Diese ist durchgehend in Betrieb und die Remise Weingartshof: Leonding in der Welser Straße. Hier wäre die nächste Haltestelle Doblerholz.
Nach der Begrüßung durch Herrn P. von der Linz AG öffneten sich für uns die Tore in die Halle der Remise Kleinmünchen. Die beiden Schienenstränge vor der Halle erweiterten sich drinnen zu einer Choreografie von Straßenbahnschienen die in alle Richtungen verliefen. Für mich erschien dieses Muster im Boden als hätte hier ein Künstler Hand angelegt. Ein Künstler wird es nicht gewesen sein, sondern eher mehr ein technischer Zeichner.
Die Halle war sehr groß und unser erstes Ziel war eine kleine orange Straßenbahn, die sicher die meisten Linzer schon einmal gesehen haben. Besonders in der Winterzeit. Es ist die Bah mit der die Schienen vom Schnee geräumt werden. Diese Bahn hat vorne und hinten ein Schneeschild und wird von 2 Personen bedient.
Der Fahrer braucht beide Hände zum Führen der Bahn und die zweite Person ist für die Bedienung der Schneeschilder zuständig. Schließlich müssen diese Schilder angehoben, abgesenkt oder die Winkel verstellt werden. Und im Haltestellenbereich darf der Schnee nicht in die Haltestelle geschoben werden, sondern er wird im Schneeschild gesammelt und erst nach der Haltestelle wieder zur Seite geschoben.
Auch wird im Winter der Wetterbericht genau beobachtet. Wenn in Linz mit Schneefall zu rechnen ist, wird ein Schneepflug immer bei der Bergstadion der Pöstlingbergbahn in Stellung gebracht. Schließlich lässt sich die Straße bergab leichter vom Schnee räumen als bergauf.
Die Pöstlingbergbahn ist eine historische Bergbahn in Linz, die seit 1898 in Betrieb ist. Sie verbindet den Linzer Hauptplatz mit dem Pöstlingberg und gilt als eine der steilsten Adhäsionsbahnen. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten und führt durch malerische Landschaften, vorbei an Sehenswürdigkeiten wie dem Ars Electronica Center und der Donau.
Was ist eine Adhäsionsbahn?
Eine Adhäsionsbahn, auch als Reibungsbahn bekannt, ist ein Eisenbahnsystem, bei dem die Fortbewegung allein durch die Haftreibung zwischen den Rädern des Fahrzeugs und den Schienen erfolgt. Dieses Prinzip ist das Standardverfahren bei den meisten Eisenbahnen weltweit.
Die Haftreibung entsteht durch den Druck der Räder auf die Schienen. Diese Reibung ermöglicht es, dass die Räder nicht durchdrehen, sondern sich kontrolliert abrollen.
Adhäsionsbahnen können moderate Steigungen bewältigen, in der Regel bis zu etwa 100 ‰ (Promille). Bei höheren Steigungen, wie sie bei Zahnradbahnen vorkommen, reicht die Haftreibung allein nicht aus.
Die Pöstlingbergbahn in Linz ist eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt. Sie überwindet eine maximale Steigung von 116 ‰ (Promille), das sind ca. 49,4 Grad. Das macht sie zu einer beeindruckenden technischen Leistung und einem besonderen Highlight für Bahnliebhaber!
Die Bahn wurde modernisiert und bietet heute barrierefreie Wagen. Im Sommer gibt es auch Nostalgiewaggons für ein nostalgisches Erlebnis.
Nach dem orangen Schneepflug ging es zu einen weiterem Highlight in der Halle. Auf dem Weg dorthin fielen uns viele kurze Bretter am Boden auf. Sie dienten der Abdeckung der alten Montagegruben für die Reparaturarbeiten auf der Unterseite der alten Straßenbahngarnituren.
Dann standen wir vor einem Straßenbahnwagen der mit nur einem PS unterwegs war. Dieser große Waggon wurde nur von einen Pferd gezogen. Das war die Linzer Pferdestraßenbahn.
Interessanterweise war die Pferdestraßenbahn Teil eines größeren Trends in Europa, bei dem Pferdebahnen als Vorläufer moderner Straßenbahnen dienten. Heute erinnern nur noch historische Dokumente und einige erhaltene Artefakte an diese Zeit.
Die Geschichte der Pferdestraßenbahn in Linz ist faszinierend und spiegelt die Entwicklung des städtischen Verkehrs im 19. Jahrhundert wider. Die Pferdestraßenbahn wurde am 1. März 1880 eröffnet und verband den damaligen Westbahnhof (heute Hauptbahnhof) mit Urfahr. Sie war eine wichtige Verbindung über die Donau und wurde mit Pferdekraft betrieben – daher der Name.
Die Strecke verlief durch die Bahnhofstraße, Landstraße und über die Donaubrücke bis nach Urfahr. Die Pferdestraßenbahn war zunächst ein großer Erfolg, da sie eine bequeme und effiziente Möglichkeit bot, sich in der Stadt zu bewegen. Allerdings wurde sie 1897 durch die elektrische Straßenbahn ersetzt, die moderner und leistungsfähiger war.
Die Pferdestraßenbahn in Linz hatte eine begrenzte Kapazität, da sie von Pferden gezogen wurde. Typischerweise boten solche Straßenbahnen Platz für etwa 20 bis 30 Personen, abhängig von der Größe und Bauweise der Wagen. Es gab sowohl offene Sommerwagen als auch geschlossene Wagen, die sich in ihrer Kapazität leicht unterscheiden konnten.
Nach dieser Zeitreise kamen wir sofort in die moderne Zeit zurück. Vor der Halle wartete eine moderne Straßenbahngarnitur auf uns.
Heute ist man in Linz mit Cityrunnern unterwegs. Die Cityrunner sind seit dem Jahr 2002 im Einsatz. Diese Cityrunner werden von Bombardier Transportation hergestellt. Dieses Modell gehört zur Flexity-Produktlinie, die für ihre modernen und komfortablen Niederflurfahrzeuge bekannt ist.
Wenn ein neuer Cityrunner nach Linz kommt wird er auf einem Tieflader angeliefert. Dieser Lader ist mit Schienen ausgestattet und die Straßenbahn wird hinaufgezogen und in Linz in der Remise passiert dann alles umgekehrt.
Jedenfalls konnte man auch mitansehen wie ein so langer Cityrunner in der Halle von einem kleinen Stapler durch die Gegend gezogen wurde. Ist das selbe Prinzip wie bei der Pferdestraßenbahn. Wenn der Rollwiderstand überwunden ist hatte das Pferd überhaupt kein Problem die Last zu ziehen.
Wer kann sich noch an die ersten Garnituren erinnern? Die ersten drei hatten noch Stoffsitzbezüge. Die wurden dann durch Kunstlederbezüge ausgewechselt. Was natürlich leichter zu reinigen und auch um einiges hygienischer ist.
Es gibt zur Zeit auch 4 Obuslinien, die von den LINZ AG LINIEN betrieben werden.
Diese Busse der Linien 41, 43, 45 und 46 sehen den Cityrunnern sehr ähnlich
Die Obusse in Linz sind beeindruckende 24 Meter lang und gehören damit zu den längsten Bussen in Österreich. Sie bieten Platz für etwa 180 Fahrgäste und sind vollständig elektrisch betrieben, was sie umweltfreundlich und emissionsfrei macht. Die Obusse wurden vom belgischen Hersteller Van Hool gefertigt.
Als die ersten O-Busse dieser Baureihe in den Haltestellen einfuhren wusste man manchmal nicht ob man bei der richtigen Haltestelle steht. Bus oder Straßenbahn!
Wir verteilten uns im vorderen Bereich des Cityrunners und Herr P. erklärte uns einige Besonderheiten dieser Fahrzeuge. So erfuhren wir einiges über das Bremssystem. Das auch heute noch mit Unterstützung durch einen Bremssand betrieben wird. Dieser Sand, ein feiner Quarzsand ist auch bei Modelleisenbahnern sehr beliebt. Er dient dort im Gleisbau als Schotter zwischen den Schwellen.
Ebenso erfuhren wir einiges über die Notbremsen, den Notrufknöpfen oder dem Schaltern, mit denen man auch als Passagier im Notfall die Türen öffnen kann. Auch wissen wir jetzt, dass man die Rampe für die Menschen im Rollstuhl vom Personal der Linz AG Linien aus- und einklappen lassen soll. Schließlich sind in der heutigen Zeit überall Sensoren angebracht. In Linz soll ein Rollstuhlfahrer unterwegs sein, der einen entsprechenden Haken am Rollstuhl befestigt hat.Damit er die Rampe „selbstbestimmt“ aus- und einklappen kann. Für die Personen, die so etwas nicht mehr kennen. Man kann auch Schürhaken dazu sagen“
Und wir wissen jetzt auch, dass die Türen beim Schließen sehr sensible reagieren. Die sollen sogar eine Hundeleine spüren. So gibt es die wahre Geschichte eines Blinden in Linz, dessen Stock in der Tür eingeklemmt wurde und mit der Bahn mitgenommen wurde. Die blinde Person stand an der Haltestelle und der Stock verschwand mit der Straßenbahn. Er hatte Glück, ein Fahrgast kam mit dem Stock zurückgerannt.
Im Bereich für die Kinderwägen und den Rollstuhlplätzen gibt es in den Bahnen und Bussen auch entsprechende Knöpfe, damit die Türen länger offen bleiben und man mehr Zeit zum Aussteigen hat.
Was auch interessant zu erfahren war ist das System der Überwachungskameras in den Öffis in Linz. Ein Videorekorder im Führerstand zeichnet 140 Stunden Filmmaterial auf. Dieses Material darf aber nur nach entsprechenden Vorfällen und auch nur durch die Polizei gesichtet werden.
Dann setzte sich Herr P. in den Führerstand und er drehte eine Runde mit dem Cityrunner am Gelände der Linz AG Linien in Kleinmünchen. Obwohl man auf die Notbremsung vorbereitet war und sich auch festhielt konnte man den abrupten Stopp der Bahn deutlich wahrnehmen und man wurde nach vorne gedrückt. Man braucht sich daher nicht wundern, dass in der Bahn vieles durch die Gegend fliegt wenn es zu einer Notbremsung im Normalbetrieb kommt. Deshalb wundert es mich auch immer, dass manche Eltern ihre Kinder in der Straßenbahn herumtollen, auf den Sitzen herumklettern oder in den komischsten Verrenkungen bei den Fenstern herumhängen lassen. So wie die sprichwörtlichen Affen am Schleifstein. Wenn es in solchen Situationen zu einer Notbremsung kommt dann „Gute Nacht“!
Dann hatten wir die Gelegenheit uns in dem Führerstand des Cityrunners zu setzen und zu ertasten was sich vor einem so abspielt. Von den Anzeigen bekommt man als blinde oder sehbehinderte Person nicht viel mit da alles per Touchscreen zu bedienen ist. Mit den Händen bedient man zwei Joysticks. Beim Stick für die Beschleunigung und zum Bremsen der Straßenbahn fühlt man entsprechende Anschlagspunkte. Beim anderen Stick befindet sich der Druckknopf für die Klingel.
Das Fahrpersonal gibt bei Dienstantritt die Liniennummer ein und dann passiert alles automatisch wie zum Beispiel die Durchsage der Haltestellen oder das Stellen eventueller Weichen. Individuelle Durchsagen werden von der Fahrerin oder dem Fahrer am Bildschirm je nach Bedarf ausgesucht und betätigt.
Was passiert eigentlich wenn das Fahrpersonal einen persönlichen Notfall erleidet? Dafür gibt es den „Totmannschalter“.
Den Totmannschalter (Anmerkung: Könnte man doch auch Gendern!) in der Straßenbahn nennt man auch „Sicherheitsfahrschalter“ „. Diese Vorrichtung sorgt dafür, dass die Straßenbahn nur dann fährt, wenn der Fahrer aktiv ist und den Schalter gedrückt hält. Lässt der Fahrer den Schalter los, kommt die Straßenbahn automatisch zum Stillstand, um Unfälle oder Unwohlsein des Fahrers zu verhindern.
In den Cityrunner wird dieser Sicherheitsfahrschalter mit dem rechten Fuß gedrückt und muss auch während der gesamten Fahrt gedrückt bleiben. .Kippt das Fahrpersonal nach vorne oder der Fuß geht vom Sicherheitsfahrschalter wird sofort eine Bremsung eingeleitet.
Auch diese Sicherheitsmaßnahme konnte man im Führerstand mit dem Fuß ertasten.
Ebenfalls haben die Cityrunner nicht nur vorne einen Führerstand, sondern auch im hinteren Bereich. Der ist aber nicht so Umfangreich. Schließlich müssen die Bahnen manchmal auch Rückwerts fahren.
Die Zeit in der Remise verging durch das viele neu erworbene Wissen und die praktischen Erfahrungen leider sehr schnell. Und wir danken den Linz AG Linien,, dass sie uns einen Einblick in ihre Remise und Werkstatt gewährt haben. Es sind bleibende Erinnerungen und Erfahrungen. Wir wissen jetzt, dass wir in Linz mit sehr guten Straßenbahnen und Bussen unterwegs sind. Die von fachkundigen Personal bedient und gewartet werden.
Ein danke an Sonja und Ingrid von der HG für ihre professionelle Umsetzung dieser Besichtigung bei den Linz AG Linien. Und ein Danke an meine Begleitung Daniela.
Für einige der Gruppe gab es dann noch im Dachcafe in der Linzer Innenstadt einen gemütlichen Abschlusscafe.
Es tauchten aber während der Führung noch weitere interessante und individuelle Fragen rund um die Linz AG Linien und dem Umfeld der Öffis auf!
Etwas zur Fahrzeugausstattung:
Seit 2013 ist in allen Straßenbahngarnituren der Linz Linien gratis W-LAN verfügbar, analog zu Hotspot Linz. Neuere Modelle der CityRunner-Garnituren verfügen über Videoüberwachung als Sicherheitsausstattung. Alle Garnituren sind mit Bildschirmen versehen, über die Haltestellen-Informationen sowie im Rahmen von Infoscreen auch Nachrichten, Wissenswertes und Unterhaltendes.
Während Abstellplätze für Kinderwägen und Rollstühle bestehen, ist die Mitnahme von nicht zusammengeklappten Fahrrädern, E-Scootern oder ähnlichen Fahrzeugen aktuell (Stand: November 2023) nicht möglich. Eine zukünftig mögliche Fahrrad-Mitnahme insbesondere außerhalb der Stoßzeiten wird allerdings diskutiert.
Cityrunner als Werbeträger:
So werden die Straßenbahnen in Linz auch als Werbeträger genützt. Die Cityrunner werden durch eine externe Firma mit den entsprechenden Werbemotiven beklebt und ausgestattet. Das Bekleben der Bahn kostet einen fünfstelligen Eurobetrag. Das ist aber noch nicht alles. Dazu kommt dann noch eine monatliche Miete im vierstelligen Eurobetrag.
Was ist nun das Bügelfeuer oder der Lichtbogen?
Die Funken, die zwischen einer Stromleitung und einem Stromabnehmer einer Straßenbahn entstehen, nennt man Lichtbogen. Dieser Lichtbogen tritt auf, wenn ein elektrischer Strom durch die Luft zwischen zwei Punkten fließt und dabei Funken erzeugt. Es sieht ziemlich beeindruckend aus, kann aber auch ein Anzeichen für einen schlechten Kontakt oder Verschleiß sein.
Dieses sogenannte Bügelfeuer kann man auch bei den Cityrunnern öfters beobachten und man hört diesen Funkenschlag.
Warum verlaufen die Strom- oder Oberleitungen bei Zügen und Straßenbahnen nicht parallel, sondern im Zick-Zack?
Die Oberleitungen für Straßenbahnen und auch für elektrische Züge werden tatsächlich in einem Zick-Zack-Muster (auch „Schlangenlinie“ genannt) gespannt. Dies geschieht, um den Verschleiß an den Stromabnehmern gleichmäßig zu verteilen.
Wenn der Draht immer gerade gespannt wäre, würde der Stromabnehmer immer an der gleichen Stelle in Kontakt mit dem Draht stehen und sich dort schnell abnutzen. Durch das Zick-Zack-Muster bewegt sich der Kontaktpunkt kontinuierlich hin und her, was den Verschleiß auf eine größere Fläche verteilt und so die Lebensdauer des Stromabnehmers und des Drahtes verlängert.
Warum summen manchmal die Oberleitungsdrähte einer herannahenden Straßenbahn?
Das Summen der Oberleitungsdrähte wird durch den elektrischen Strom verursacht, der durch die Drähte fließt, um die Straßenbahn mit Energie zu versorgen. Die elektrische Spannung erzeugt ein elektromagnetisches Feld, das die Drähte vibrieren lässt und somit das summende Geräusch erzeugt.
Diese Vibrationen können durch verschiedene Faktoren verstärkt werden, wie z.B. die Geschwindigkeit der Straßenbahn, die Spannung des Stroms und die physikalischen Eigenschaften der Oberleitungsdrähte selbst. Zusätzlich kann auch die Luftfeuchtigkeit oder Wind eine Rolle spielen, indem sie die Schwingungen der Drähte beeinflussen.
Die ältere Generation wird sich auch noch an das Summen der Stromleitungen, die über Land führten, erinnern. Besonders im Winter war das oft zu hören.
Das Summen der Drähte von Strommasten im Winter kann ebenfalls durch elektrische Ströme verursacht werden. Dies tritt besonders bei kaltem Wetter auf, da kalte Luft dichter ist und Schall besser leitet, sodass das Summen lauter und deutlicher hörbar wird. Zudem kann Eisbildung auf den Drähten zu zusätzlichen Vibrationen und somit zu einem verstärkten Geräusch führen.
Als Kind war mir dieses Summen immer Unheimlich. Heute kann ich es sehr oft zwischen den Straßenbahnhaltestellen Saporoshjestraße Und Ebelsberg vernehmen. Da ich in dieser Gegend sehr oft zu Fuß unterwegs bin und die Trasse der Straßenbahn direkt neben dem Gehsteig verläuft kann ich das Summen oder Zischen der Oberleitungsdrähte schon lange vorher wahrnehmen bevor die verantwortliche Straßenbahn heranrauscht.
Genau diese Strecke zwischen Saporoshjestraße Und Ebelsberg Müsste Mitgliedern des Blindensports bekannt vorkommen. Jedenfalls ist diese Gegend in Bildstein in Vorarlberg oder in der Vöcklabruckergegend bekannt. Es betrifft die Sektion „Schießen“ beim Blindensport. Und hier mischen zwei Topfrauen aus Oberösterreich bei diversen Wettkämpfen kräftig mit.
Etwa in der Mitte dieser beiden Straßenbahnhaltestellen befindet sich eine Minigolfanlage, das Restaurant Löwenfeld und hinter diesem Restaurant befindet sich die Schießanlage Ebelsberg. Bei dieser Schießanlage hält der Blindensport öfters ein Trainingslager für ihre Schützen ab. Aus dieser Sektion kommen Weltklassesportler. Man kann sich diesbezüglich auf der Internetseite des Blindensports schlau machen. Wenn diese Gruppe wieder einmal zu Fuß zum Hotel oder zum Schießplatz unterwegs ist, dann einmal auf die singenden Drähte horchen.
Vor sehr langer Zeit war hier auch, damals noch ohne Cityrunner, Napoleon unterwegs. Die Schlacht bei Ebelsberg fand am 3. Mai 1809 statt. Sie war Teil des Fünften Koalitionskrieges und endete mit einem Sieg der französischen Armee. Es war eine der blutigsten Auseinandersetzungen des Fünften Koalitionskrieges. . Besonders tragisch war, dass etwa 1.000 Soldaten in den Flammen des brennenden Ebelsberg ums Leben kamen.
Was passiert wenn eine Straßenbahn auf der Strecke auf der Strecke bleibt?
Ich habe das bei der Straßenbahnhaltestelle Herz Jesu Kirche einmal miterlebt. Die liegengebliebene Bahn wartete auf den nachkommenden Cityrunner. Dann wurden die beiden Bahnen mit einer Abschleppstange verbunden und die zweite Bahn schob die vordere in den Haltestellenbereich. Hier konnten die Fahrgäste aussteigen. Dann wurde die zweite Bahn in den Haltestellenbereich gefahren und dort konnten oder mussten auch diese Fahrgäste die Bahn verlassen. Dann rauschten beide Cityrunner davon. Bis zur nächsten Umkehrschleife beim Hauptbahnhof. Beide Fahrer waren über Funk verbunden. Schließlich musste der Fahrer in der anschiebenden Bahn nach Anweisungen aus der ersten Bahn fahren. Das ist logischerweise auch die einzige Möglichkeit eine Bahn abzuschleppen. Schließlich kann keine Abschleppbim entgegen kommen.
Umkehrschleifen der Cityrunner:
Es gibt bei den Endhaltestellen der Straßenbahnen die entsprechenden Umkehrschleifen und auch zwischen den einzelnen Strecken befinden sich solche Umkehr- oder Wendeschleifen. Die werden zum Beispiel bei Schienenersatzverkehren in Betrieb genommen. Die Pöstlingbergbahn kommt ohne diese Schleifen aus. Das Fahrpersonal wechselt nur den Führerstand.
Die Umkehrschleifen für die Linie 1 befinden sich in Auwiesen und der Universität. Für die Linie 2 sind es die Umkehrschleifen in der SolarCity und der Universität. Die Linie 3 fährt zwischen Landgutstraße und Trauner Kreuzung Richtung Leonding. Und die Linie 4 ist zwischen Schloss Traun und Landgutstraße unterwegs.
Umkehrschleifen für Notfälle oder für Ersatzverkehre befinden sich in der Sonnensteinstraße, in St. Magdalena, in der neuen Welt, in der Hillerstraße (war vorher die Endhaltestelle der Linie 2 bevor sie bis in die Solar Citý verlängert wurde), Hauptbahnhof, Remise Kleinmünchen und Remise Leonding.
Wenn zum Beispiel bei der Umkehrschleife „Neue Welt“ mit der Straßenbahn rangiert wird, dann wird hier die Bahn verkehrt aus dem Haltestellenbereich bis zum Wendekreis zurück gefahren, dann wird die Weiche gestellt damit die Bahn in die Umkehrschleife fahren kann. Jetzt wird sie wieder mit dem Vorderteil in die Umkehrschleife gefahren. Wenn sie diese verlassen hat steht sie wieder auf dem Gleis in die entgegengesetzte Fahrtrichtung. Jetzt wird wieder eine Weiche gestellt und die Straßenbahn fährt jetzt wieder verkehrt in den Haltestellenbereich. Die Weiche wird deshalb wieder umgestellt damit die Bahn nicht wieder in die Umkehrschleife fährt sondern in den Haltestellenbereich. Bei dieser Umkehrschleife funktioniert hier das Wenden der Bahn deshalb so aufwendig weil der Haltestellenbereich und die Wendeschleife parallel zu einander liegen. In den Remisen oder beim Hauptbahnhof drehen die Straßenbahnen nur eine Ehrenrunde und sie fahren wieder in die andere Richtung. Diese Rangiertätigkeiten bei der Wendeschleife „Neue Welt“ sollte man einmal miterleben.
Zahlen, Daten und Fakten rund um die Linz AG Linien:
Liniennetz und Haltestellen:
Anzahl der Linien: 38
Streckennetz: 214 km
Haltestellen: 364
Haltestellenbereiche: 863
Mittlerer Haltestellenabstand: 428 m
Fahrscheinautomaten: 426
Elektronische Fahrgastanzeigen (DFI): 407
Fuhrpark:
Straßenbahnen (Cityrunner): 62
Pöstlingbergbahn: 4 + 3 revitalisierte
Doppelgelenk-Obusse: 20
Busse: 88
Ein Danke an die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, dass sie diese Führung für ihre Mitglieder organisiert hat!
Beste Grüße und Allzeit gute Fahrt!
© März 2025 by Gerhard Hojas