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Audioaufnahmen mit Blinden und Sehbehinderten aus Oberösterreich.

Blinde und Sehbehinderte aus Oberösterreich erzählen aus ihrer Stadt! Aufgenommen in der Medienwerkstatt im Wissensturm.

 

Moderation: Reinhold Zinterhof

http://www.hojas.co.at/extern/audio/Blind_leben.mp3

Menschen mit Behinderung aus Oberösterreich erzählen über das Leben in Linz! Aufgenommen in der Medienwerkstatt im Wissensturm.

 

Moderation: Bernhard Stöger

http://www.hojas.co.at/extern/audio/Mobil_und_barrierefrei.mp3

Bernhard Stöger liest Geschichten aus dem Mittelalter! Aufgenommen in einem Veranstaltungssaal in Linz.

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© November by Gerhard Hojas

Herbstwanderung des OÖ Blindensportclubs durch den Plochwald im Mühlviertel In Oberösterreich.

So wie 2021 organisierte der Spartenleiter für Bergsteigen und Wandern des Oberösterreichischen Blindensportclubs Alfons Aufreiter zusammen mit  Anni Wagner auch 2022 eine Herbstwanderung im Mühlviertel.

Am Sonntag, 30.10.2022 war es so weit. Eine Gruppe aus Linz verließ die graue Stadt und fuhr zu einen idyllischem Marktfleck im nördlichen Mühlviertel. Das Ziel war Windhag bei Freistadt. Beim dortigen Treffpunkt warteten schon die restlichen Wanderfreunde. Bei herrlichstem Herbstwetter mit viel Sonnenschein und warmer Temperatur marschierten 19 Blinde, Sehbehinderte und deren Begleitpersonen los.

Wir marschierten Richtung Sportplatz und danach begann die pure Wanderidylle.  Über Wiesen, Felder und über Waldflächen mit moosbedeckten Böden Gingen wir durch ein ansteigendes Waldstück zur Lippenhöhe, von der das nördliche Mühlviertel vor uns lag. Dieser Ort soll ein ganz besonderer Kraftplatz sein. Schließlich befinden sich in der Nähe zwei schön gelegene keltische Opferschalen. Die Lippenhöhe stärkt alle, die sich überfordert fühlen, und steht für Klarheit, Offenheit und Kommunikation.

Beim entspannten dahintrotten roch man die herbstliche Stimmung, hörte und spürte die Laubblätter unter den Wanderschuhen und man genoss das Rascheln der verschiedenen Laubblätter, wie Ahorn oder Buche. Und was sonst noch so am Waldboden herumlag. Verwitterte Granitblöcke waren ein Dauerbegleiter.

Eine längere Zeit marschierten wir durch ein leicht ansteigendes Waldstück Richtung Plochwald zum Edlbauer – Steinfelsen, einem wie von Riesenhand aufgebauten Felsenturm. Alle nur denkbaren Felsformationen liegen hier herum. Es müssen schon sehr kreative Riesen gewesen sein, die hier am Werk waren. In unmittelbarer Umgebung liegt ein schon sehr verfallenes Haus, das schon in den Fünfzigerjahren verlassen wurde. Hier kann man sehr gut erkennen, wie sich die Natur alles zurück holt.

Unterhalb dieses Felsens, in einen dunklen Waldstück, passierte vor einiger Zeit eine grausame Geschichte. Hierher flüchtete ein Mörder und versteckte sich in dieser düsteren und finsteren Gegend. Glücklicherweise spielte dies alles nur im Film. „Der Tote am Teich“ und „Der Tote im See“ ließen ihr Leben in dieser idyllischen Mühlviertler Gegend durch Mörderhand. Hierher hat sich der vermeintliche Film-Mörder, gespielt von Josef Hader, zurückgezogen.

Zum Glück waren wir nicht ängstlich und legten am Fuße des Edlbauer – Steinfelsens unsere Rast ein. Zum gemütlichen Verweilen trugen auch die rustikalen Tische und Bänke bei. Mit Unterstützung von Aufstiegshilfen lohnt es sich, den Felsen zu erklettern, um den herrlichen Ausblick nach Westen über die Mühlviertler Landschaft zu genießen. Was einige von uns auch taten und auf den Felsen herumkraxelten.

Nachdem 2 weitere Windhagerinnen zur Gruppe gestoßen waren, setzten wir unsere Wanderung fort und nach einem kurzen Wegstück taucht auf dem weiteren Weg plötzlich ein mystischer See auf. Er ist ringsum von steilaufragenden Felswänden umgeben. Der Silbersee. Er befüllt den ehemaligen Plochwald-Steinbruch. Seit mehr als 25 Jahren wird hier kein Granit mehr abgebaut. Eine verwunschene Landschaft, ideal für Poeten und Literaten. Genau hier stellten wir uns für das Gruppenfoto zusammen. Hier wäre eine kleine Hütte am See für einen kreativen Schaffensprozess sicher bestens geeignet.

Nach so viel Idylle setzten wir unsere Wanderung fort und näherten uns einem weiteren Kraftort und Naturdenkmal. Die Jankaskirche. Am Fuße dieser eindrucksvollen Felsformation, ebenfalls mitten im Wald und am Südhang des Waschenberges gelegen, lädt ein Rastplatz zum Verweilen ein. Eine Ansammlung von bizarren Felsgebilden, die mit etwas Fantasie eine Kirche mit Turm und einer vorgelagerten Sakristei darstellen. Jedenfalls kann man auf den Kirchturm hinaufsteigen. Über die senkrecht aufeinandergeschichteten Felsblöcke ist dies nur mit Seilsicherungen möglich, wenn auch immer noch sicher mit einem gewissen Prickeln. Auch hier ließen es sich einige nicht nehmen, dies zu tun. Jedenfalls brauchten sie zum Abstieg dann doch etwas länger als geplant.

Einst soll sich bei dem Felsen am Waschenberg der Teufel heimisch gemacht haben. Um Menschenseeln anzulocken, hatte er den Felsen wie eine Kirche eingerichtet. Neben dem Felsen in einer Höhle installierte er auch eine Sakristei.

Jeden Sonntag wenn in Windhaag die Glocken läuteten, begann auch der Teufel auf der Jankaskirche zu predigen. Er versprach dabei jedem der in die Nähe kam und ihm seine Seele überlasse, ihn mit drei gefüllten Schalen Geld zu belohnen.

Als sich nach langer Zeit immer noch niemand gefunden hatte, der dem Teufel seine Seele versprach, wurde dieser so zornig, dass er mit lautem Gebrüll und Geschrei auf seinem Hinterteil über den Felsen hinunterrutschte und auf Nimmerwiedersehen verschwand. Beim hinabrutschen erzitterte der ganze Felsen und ward von nun an voller Sprünge und Risse. Auch das Dach der Sakristei stürzte ein und es blieb nur eine kleine Höhle.

Die Jankaskirche ist ein alter Heilkultplatz und stärkt das Stirnchakra, unterstützt also Wissen und Weisheit. Daneben befindet sich eine Höhle, Sakristei genannt, die Reinigungsritualen gedient hat. An dieser Stelle ist eine außerordentlich hohe magnetische Abweichung festzustellen.

Als alle der Gruppe ihr Wissen und ihre Weisheit erfahren hatten, machten wir uns auf den letzten Teil der Herbstwanderung, die uns gemütlich zum Ausgangspunkt beim Sportplatz zurückbrachte.

Beim Tagesausklang und gemütlichen Zusammenhockn im Gasthaus Wieser bedankte sich Alfons Aufreiter bei den Begleitpersonen für ihre Unterstützung für die Blinden und Sehbehinderten und wies auch darauf hin, dass ohne diese Ehrenamtlichen vieles für Menschen mit Behinderung nicht möglich wäre.

Ein Danke geht aber auch an Alfons und Anni und an alle, die zum Gelingen dieser eindrucksvollen Wanderung beigetragen haben. Deshalb: Nach der Herbstwanderung im Mühlviertel ist vor der Herbstwanderung im Mühlviertel.

Details zur Strecke:

Schwierigkeit: mittel

Länge der Strecke: etwa 11 Km

Dauer: etwa 4 Stunden mit Rast und von Felsen herunterkraxeln

Aufstieg: 337 Höhenmeter

Höchster Punkt: 1.006 Meter

© November 2022 by Gerhard Hojas

3 Tastmodelle für Blinde und Sehbehinderte in Linz

Es gibt zur Zeit in Linz 3 Tastmodelle für Blinde und Sehbehinderte.

Die Standorte sind:

AEC – Ars Electronica Center, Ars-Electronica-Straße 1.

Das Tastmodell befindet sich direkt beim Eingang zum AEC.

Lentos Kunstmuseum, Doktor-Ernst-Koref-Promenade 1.

Das Tastmodell befindet sich vor dem Kunstmuseum beim Fahrradabstellplatz.

Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7.

Das Tastmodell befindet sich beim Nebeneingang Brucknerhaus.

Alle Tastmodelle sind taktil und mit Braille beschriftet!

Blinde und Sehbehinderte unterstützen die Idee und Sache, dass im Linzer Gemeinderat  ein Antrag eingebracht wird, dass man in Linz weitere Tastmodelle für Blinde und Sehbehinderte aufstellt. Linz soll ein Vorzeigeprojekt für eine ertastbare Stadt werden. Es gibt in Linz verschiedene Bauwerke, die man als Tastmodell gestalten und somit einen weiteren Schritt für ein barrierefreies Linz ermöglichen kann

Dazu gehört meiner Meinung nach auch das forum metall im Donaupark Linz. Das 1977 von Helmuth Gsöllpointner ins Leben gerufen wurde. Auch diese großen Kunstwerke könnte man als Tastmodelle in den Donaupark stellen. Ich habe diesbezüglich schon vor einiger Zeit mit Herrn Gsöllpointner darüber gesprochen. Vielleicht kann ja jetzt etwas daraus werden.

Eine Brückenroas zu den Tastmodellen.

Man kann mit einer gemütlichen Brückenwanderung alle 3 Tastmodelle besuchen und erkunden.

Man beginnt am Linzer Hauptplatz und marschiert bei der Kunstuni vorbei zum Lentos Kunstmuseum. Hier könnte man schon die erste Kaffeepause einlegen. Die Schiffsanlagestellen befinden sich auch in dieser Umgebung. Weiter geht es an der Donau entlang bis zur Strandburg, einer Bar für die Sommermonate mit viel Sand unter den Füßen. Für mich das teuerste Hundeklo der Stadt. Daneben befindet sich schon das Brucknerhaus Linz.

Wenn man jetzt weiterspaziert kommt man zum Musikpavillon im Donaupark. Hier finden in den Sommermonaten immer unterschiedliche kostenlose Konzerte statt. Im Umfeld befindet sich auch eine öffentliche WC-Anlage. Dann kommt man zur neuen Eisenbahnbrücke, die man eigentlich schon immer im Blickfeld hat. Hier überquert man die Donau und wenn man Glück hat, fährt ein Passagierschiff oder Frachter unter der Brücke durch.

Auf der Urfahranerseite .spaziert man auch hier entlang der Donau Richtung Westen zur Nibelungenbrücke und somit Richtung AEC. Auch hier kommt man an einer Schiffsanlagestelle mit einem Gastroschiff und dem Urfahraner Jahrmarktgelände vorbei. Wenn man alles richtig gemacht hat, kommt man direkt beim Ars Electronica Center an und somit ist man beim dritten Tastmodell. Zum Abschluss kann man sich im CUBUS im AEC bei einem Kaffee die Donau und die Altstadt von Linz von oben betrachten. Anschließend geht man über die Nibelungenbrücke zurück zum Hauptplatz oder man benützt die Straßenbahn.

Wenn man diese Runde von der Urfahranerseite beim AEC beginnt, dann sollte man zum Abschluss beim Hauptplatz zum Schloss hochgehen und dort im Schlosscafe sich eine gute Jause gönnen. Auch hier hat man eine grandiose Aussicht auf Linz.

 

Link zu den Tastmodellen: http://www.hojas.co.at/blindinlinz/

Herbstwallfahrt der Blindenpastoral Linz nach Allerheiligen im Mühlkreis am 01.10.2022

Die Herbstwallfahrt der Blindenpastoral der Diözese Linz fand am Samstag, 01.10.2022 statt. 23 Blinde, Sehbehinderte und Begleitpersonen trafen sich beim Stellwerk am Hauptbahnhof Linz und fuhren im Bus ihrem Zielentgegen.

Das Ziel war diesmal die Wallfahrtskirche Allerheiligen im Mühlkreis in Oberösterreich. Hier stießen noch weitere Wallfahrer hinzu und somit war die Gruppe mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern komplett.

Nachdem die Pilgergruppe von Windhaag bei Perg singend in die Kirche eingezogen waren wurde mit Zelebrant Mag. Josef Michal und Blindenseelsorger Konzelebrant Mag. Franz Lindorfer die heilige Messe gefeiert. Mag. Michal erzählte auch seine Verbindung zu den Blinden und Sehbehinderten durch den legendären Pater Lutz. Mag. Michal begleitete bei den Blindenfreizeiten, die Pater Winfried Lutz 1971 ins Leben rief , Blinde und Sehbehinderte  bei ihren Wanderungen durch die Natur.

Im Anschluss der heiligen Messe gab es für die Gruppe der Blindenpastoral eine akustische und ertastbare Kirchenführung.

Etwas zur Wallfahrtskirche Allerheiligen im Mühlkreis:

Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Allerheiligen findet man im Jahre 1454. Die Kirche in Allerheiligen gehörte im Lauf der Jahrhunderte zu verschiedenen Grundherrschaften, beispielsweise ab 1551 zur Herrschaft Schwertberg. Die seelsorgliche Betreuung erfolgte anfangs von der Pfarrkirche Tragwein aus, wurde erst 1784 eine Pfarrexpositur von Tragwein, und wurde 1891 eine selbständige Pfarre.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Allerheiligen im Mühlkreis steht auf dem höchsten Punkt des Bergrückens in der Gemeinde Allerheiligen. Die auf Unsere Liebe Frau Königin Aller Heiligen geweihte römisch-katholische Pfarrkirche und Wallfahrtskirche gehört zum Dekanat Perg in der Diözese Linz. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Gründungslegende:

Um das Jahr 1490 lebte in Allerheiligen ein von der Pest befallener Bauer. Sein letzter Wunsch war, seinen Leichnam auf einen Karren zu legen, ein paar Rinder vorzuspannen und diese frei ziehen lassen. An der Stelle, an der sie stehen blieben, sollte er begraben und eine Hütte zum Gebet errichtet werden. Der Ort, wo der Wagen stehenblieb, war unbewohnte Wildnis. Zu der aus einer riesigen Föhre erbauten kleinen Kapelle pilgerten alsbald viele Menschen, vor allem Kranke, die sich Genesung erhofften und spendeten dabei so viel Geld, dass schon im Jahre 1492 mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen werden konnte.

Eine Besonderheit in der Wallfahrtskirche ist die frühbarocke Orgel aus dem 17. Jahrhundert. Ein schmales hohes Gehäuse mit rekonstruierten Flügeltüren beherbergt ein Werk mit zehn Registern auf einem Manual. Jährlich finden im Sommer die Allerheiligener Orgeltage mit Musikern aus aller Welt statt. Die mitteltönige Orgel ist eines der ältesten und seltensten Instrumente Österreichs. Die Orgel wurde 1995 von den Orgelbaumeistern Marc Garnier und Reinhold Humer restauriert. Der Pfeifenbestand wurde vervollständigt und die Orgel erhielt auch wieder die ursprüngliche mitteltönige Stimmung.

Nach dem Mittagessen, dass wir im Mühlviertler Hügelland, nämlich in Erdleiten bei Bad Zell und mit herrlichem Blick in die mühlviertler Natur einnahmen, ging es im Bus weiter zum Bergbaumuseum Kaolinum in Allerheiligen.

Hier erwartete uns ein gewaltiger Sprung in die Vergangenheit. Wir bekamen einen Einblick in die Geschichte des Bergbaus einst und jetzt. Mit dem Gruß der Bergleute „Glück auf“ wurden wir empfangen und hörten dann die Geschichten von Bergknappen, Steigern, Obersteigern, vom Bergbau über und unter Tage, von den Transportwegen des Kaolinums, den schweren und gefährlichen Arbeitsbedingungen sowie von Geologie und Paläontologie.

Dann ging es In einem detailgetreuen Schaustollen. Hier wurden die harten Bedingungen der Bergarbeiter über und unter Tage gut nachvollziehbar dargestellt. Man konnte die fachmännische Arbeit der Zimmerleute, die die engen Stollen absicherten, ertasten und man spürte die Enge der Schächte oder einer Jausenkammer. Während uns Josef, ein ehemaliger Bergmann, von der schweren Arbeit erzählte, drückte er uns eine schwere Bohrmaschine in die Hand. Dazu kam ein bis zu 6 Meter langer Bohrer. Dann erzählte er uns vom Sprengstoff und den Sprengkapseln. Davon, dass Sprengstoff und Sprengkapseln beim Transport zum Bergwerk gemeinsam am LKW transportiert wurde, dabei legte man auch noch eine Rast im Wirtshaus ein. Ebenso wurde vorgesorgt, wenn der Obersteiger im Stollen auftauchte. Dann wurden mit Lampen sofort Lichtsignale gegeben. Leider gab es auch Todesfälle bei der Arbeit. So wurden Bergleute beim Bohren über Kopf von herabfallen Steinen erschlagen. Oder sie wurden bei Sandeinbrüchen verschüttet und erstickten. Jedenfalls konnte man bei Problemen und Unfällen nur mehr laufen. Es gab auch keinen Kontakt nach draußen. Auch Josef kam einmal in solch eine Situation.

Jedenfalls ist die Kameradschaft bei Bergleuten ein besonderes Gut. Das sah man damals beim Grubenunglück in Lassing in der Steiermark. Damals, am 17. Juli 1998 stieg ein Team aus zehn Bergleuten in das Talkbergwerk von Lassing hinunter – mit dem Ziel, ihren Kumpel Georg Hainzl, der bei einem Schlammeinbruch in einer Jausenkammer eingeschlossen wurde, ans Tageslicht zurückzuholen. Georg Hainzl wurde nach 10 Tagen lebend gerettet. Die zehn Kumpel, die zu Hilfe eilten und eine Rettungsaktion starteten, blieben für immer unten. Sie wurden bei einem zweiten Schlammeinbruch verschüttet.

Die Kameradschaft unter den Kumpels, so erzählte uns Josef, hörte sofort auf, wenn man ein menschliches Bedürfnis verspürte und man sich in der Grube erleichtern wollte. Das war ein absolutes „no go“! Man musste die Schicht im Stollen durchhalten. Man schwitzte bei der Arbeit fast alles raus. Wenn es nun nicht anders ging, musste eine Kiste herhalten. Die wurde dann nach Schichtende hinausgetragen. Natürlich nach dem Verursacherprinzip.

Nachdem wir ans Tageslicht zurückgekehrt waren, konnten wir im Schauraum des Museums neben Dokumenten, Fotos, Bergbauutensilien wie Grubenlampen und Vermessungsgeräten und Modellen auch viele Fundstücke aus dem Bereich der Geologie und Paläontologie bestaunen. Auch hier erfuhren wir interessante Geschichten über die Bergleute. So zogen sie ihre Arbeitsmontur an einer Schnur auf eine Höhe von 6 Metern. Das hatte mehrere Vorteile: Die Mäuse kamen nicht ran und durch die aufsteigende warme Luft wurde sie getrocknet. Oder das man in den Neunzehnhundertsechzigern einen Stundenlohn von 80 Groschen hatte und die Schutzpatronin der Bergleute die heilige Barbara (Barbara von Nikomedien) ist.

Am Barbaratag (04. Dezember) soll man Kirsch- und andere Obstbaumzweige oder Birkenzweige schneiden. Diese Barbarazweige sollen bis zum Heiligen Abend blühen. Das machten wir immer in der Volksschule und die Zweige blühten tatsächlich.

Etwas zur Geschichte des Kaolinbergbaus:

Die Kaolingewinnung gibt es in dieser Gegend seit etwa 1808. Damals wurde ein Bewohner von Kriechbaum als Weißenmacher erwähnt. Das Kaolin wurde aus einer einfachen Grube gewonnen, in Holzbottichen gereinigt und in Jutesäcken gepresst. Eine Erwähnung von Weißer Erde, die wirtschaftlich genutzt wurde, erfolgte 1827. Es war die Rede vom Transport mit Pferdefuhrwerken nach Linz und die Verwendung zum Weißen von Soldatenuniformen sowie zum Reinigen der Riemen und des Zaumzeuges der Pferde.

In der Ortschaft Kriechbaum betrieben Landwirte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kleine Gruben über Tage. Der Rohstoff wurde in Holzbottichen aufbereitet und von größeren Rückständen getrennt. Sogenannter Schwertberger Weißton wurde an Ofensetzer und kleinere Hafner Betriebe in der Gegend um Linz und Steyr verkauft.

Das war die Vorindustrielle Kaolingewinnung. Danach erfolgte die industrielle Kaolingewinnung. Mit der Gründung der KAMIG (Österreichische Kaolin- und Montan Industrie Gesellschaft m.b.H.)im Jahre 1922, die bis heute besteht, verfolgte man das  Ziel einer eigenen Kaolingewinnung in Österreich zur Sicherung der Eigenversorgung.

Der Untertagebau:

Der Untertagebau gehört seit 2001 der Vergangenheit an. Für den Untertagebau war die Lagerstätte mit Schrägschächten ausgerichtet. Als Abbauverfahren wurde ein in Scheiben geführter Querbau mit pfeilerartigem Verhieb angewendet.

Wegen des hohen Gebirgsdruckes waren nur kleine Streckenquerschnitte möglich, die mit Profilstahl oder Rundhölzern abgestützt werden müssen.

Der Rohkaolin wurde durch Sprengarbeit gelöst, mit Kleinschrapper geladen und gleisgebunden in kleinen Förderwagen (Hunte) händisch zu den Schächten geschoben und mittels Schrägaufzug zur Aufbereitu weitertransportiert.

Schwertberger Kaolinzug:

Der Schwertberger Kaolinzug, auch Kaolinbahn Schwertberg oder im Volksmund „Kaoline“ genannt, war die Werksbahn der Kaolin-Montan-Industrie-Gesellschaft (Kamig AG), die von Schwertberg (Österreich) entlang des Flusses Aist ins Josefstal (Aisttal) führte.

Die 1923 eingerichtete, 3,8 Kilometer lange Werksbahn mit einer Spurweite von 600 Millimeter führte vom Bahnhof in Schwertberg zur Aufbereitungs- und Verladeanlage in Josefstal und wurde 1981 stillgelegt. Die Eisenbahnstrecke verlief fast durchgehend entlang der Aisttalstraße und passierte das Schloss Schwertberg. An die Stelle der Bahn trat ein Rohrleitungssystem, mit dem geschlämmtes Kaolin direkt zur Aufbereitungsanlage nach Aisthofen gebracht wurde.

Die Kamig AG erwarb 1930 von der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik die letzte dort erzeugte Lokomotive, eine feuerlose Dampfspeicherlokomotive. Die Lokomotive befindet sich im Eisenbahnmuseum Schwechat.

Was ist nun Kaolin und wofür wird es verwendet?

Kaolin, auch als Porzellanerde, Porzellanton oder in der Apotheke als Bolus Alba bezeichnet, ist ein feines, eisenfreies, weißes Gestein, das als Hauptbestandteil Kaolinit, ein Verwitterungsprodukt des Feldspats, enthält. Weitere Bestandteile sind verschiedene andere Tonminerale und unzersetzte Feldspatteilchen.

Kaolin wird hauptsächlich in der Papierindustrie (ohne Kaolin wäre ein Blatt Papier wie ein Löschblatt), Ziegelindustrie, Porzellanfabrikation, Keramik- und Feuerfestindustrie, Farben und Lacke verwendet..

Mit diesen Eindrücken verließen wir das Schaubergwerk und machten uns wieder auf den Weg nach Bad Zell. Da es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen hatte, verzichteten wir auf einen Spaziergang und Zum Abschluss dieser  Wallfahrt besichtigten wir die römisch-katholische Pfarrkirche Bad Zell. Anschließend ging es nach Linz zurück, wo diese gelungene Herbstwallfahrt ihr Ende nahm.

Ein großes Danke gilt den Begleitpersonen der Blinden und Sehbehinderten. Ohne ihnen wären solche Unternehmungen nur sehr schwer durchzuführen.

Ein Danke geht auch an Alois, unser Busfahrer der Firma Hehenberger, der uns sicher durch die Gegend chauffierte und auch wieder nach Hause brachte.

Und natürlich ein großes Danke für die Arbeit von Monika Aufreiter und ihr Team.

© Oktober 2022 by Gerhard Hojas

Blinde und Sehbehinderte aus Oberösterreich im „Haus Ingrüne“ in Vorarlberg (03.09.2022 bis 10.09.2022).

Auch 2022 war es am 03. September wieder soweit. Eine Gruppe Blinder, Sehbehinderter und deren Begleitpersonen aus Oberösterreich fuhren ins „Haus Ingrüne“ des Blinden- und ‚Sehbehindertenverbandes Vorarlberg nach Schwarzach. Das „Haus Ingrüne“ steht als Erholungszentrum und Ferienhotel für Blinde, Sehbehinderte und deren Angehörige, sowie Begleitpersonen zur Verfügung.

Die Teilnehmer waren Alfons, Andrea, Anni, Erika, Fleur, Gerhard, Hermine, Johanna, Maria, Monika und Veronika. Einige von dieser Gruppe waren diesmal schon das fünfte Mal in Schwarzach. Als Gast war Gabi öfters bei den Unternehmungen dabei.

Samstag, 03.09.2022 – Von Linz ins Ländle.

Die Anreise nach Dornbirn erfolgte diesmal problemlos und wir kamen alle gemeinsam beim Zielbahnhof Dornbirn an. Wichtig war, die Sitzplätze im Zug schon lange vorher zu reservieren. Die Züge waren fast bis zum letzten Platz besetzt und ohne Reservierung hätten wir sicher ein größeres Problem gehabt.

Der Shuttledienst des BSV V funktionierte auch wieder hervorragend und so wurden wir von Tobi und Dominik am Bahnhof Dornbirn abgeholt und nach Schwarzach chauffiert. Da wir die Bräuche im „Haus Ingrüne“ bereits sehr gut kennen und von Monika bereits vorher alles eingeteilt wurde konnten wir die Zimmer sofort beziehen und es uns anschließend bei einem Begrüßungskaffee und Kuchen gemütlich machen und ankommen.  Dabei informierte uns Elias, der Leiter vom „Haus Ingrüne“, über unser Programm für die kommende Woche.

Nach dem Abendessen marschierten wir nach Bildstein, um von dort oben den Sonnenuntergang über dem Rheintal zu genießen. Bildstein liegt im Bezirk Bregenz südlich des Bodensees auf 659 Metern Höhe. Überregional bekannt ist die Gemeinde für die im Ortszentrum befindliche und weithin über das ganze Rheintal sichtbare Wallfahrtskirche Bildstein. Bis zum Jahr 1857 lautete der amtliche Name der Gemeinde „Steußberg“, erst danach wurde der heutige Gemeindename Bildstein offiziell eingeführt.

So wie im Jahr 2021 fand auch dieses Mal ein Fest im Veranstaltungssaal im Ferienhotel statt. Diesmal war eine „Türkisch-Bosnische“ Hochzeit angesagt. Unsere blinden Frauen unserer Gruppe konnten dann abends das Brautkleid anfassen und ertasten. Da diese Feierlichkeiten schon Nachmittags begannen und alle Frauen in tollster Garderobe auftraten, konnte man annehmen, dass auch die Braut darunter ist. Bis man uns erklärte, dass bei solchen Feierlichkeiten alle Frauen „Braut“ sind. Die Feier verlief sehr ruhig und nach 24 Uhr war es leise im Haus. Da sich im Erholungszentrum ein sehr großer Veranstaltungssaal befindet, wird er gerne für solche Veranstaltungen vermietet. Das bringt dem BSV V natürlich Einnahmen und sie haben auch die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das auch organisieren können.

Sonntag, 04.09.2022 – Der Tag zum Ankommen und zum Spazieren

Am Sonntagmorgen konnte man von der anderen Talseite, so wie jedes Jahr davor, Kuhglocken vernehmen. Was diesmal aber fehlte, war das Krähen des Hahns. Er war auch die ganze Woche nicht mehr zu hören. Das kann natürlich viele Gründe haben. Ausgewandert, Halsschmerzen oder er hat eine Arbeit in einer Küche angenommen.

Da an Sonn- und Feiertagen kein Programm gemacht wird, stellten wir unsere Sonntagsaktivitäten selber zusammen. Einige gingen wieder nach Bildstein und besuchten dort in der Basilika Maria Bildstein den Gottesdienst. Die Gehzeit beträgt von der Unterkunft bis nach Bildstein ungefähr 20 Minuten. Es geht aber stetig bergauf. Durch ihre exponierte Lage mit atemberaubender Aussicht auf das Rheintal, den Bodensee und die benachbarte Schweiz ist die Basilika ein beliebtes Ziel unserer Gruppe. Außerdem ist sie ein Ort der Ruhe und der Kraft. Auch ein Highlight am Bildstein sind die Zeppeline. In der Nähe befindet sich das Zeppelin Museum in Friedrichshafen, direkt am Bodensee gelegen. Dann kommt es schon vor, dass man die Luftschiffe fahren sieht.

Nachmittags machten sich einige auf dem Weg und wanderten nach Oberbildstein. Auch hier ging es stetig bergauf. Musste man doch von 573 Meter Seehöhe auf 940 Meter hochmarschieren. Wir wurden aber durch fantastische Ausblicke belohnt. Es öffnen sich weite Ausblicke ins Rheintal, nordwärts zum Bodensee und in südlicher Richtung bis zur Alviergruppe, wobei dahinter noch die über 3000 m hohen Ringelspitzen zu erkennen sind. Beim Farnach-Moos, einer geschützten Hochmoorlandschaft, wanderten wir vorbei an gewaltigen Stieren (Hochlandrindern),  die hinter Elektrozäunen weideten, von uns aber keine Notiz nahmen. Von hier ging es dann gemütlich aufwärts zum Ferienheim Oberbildstein. Nun sieht man auch in den Vorderen Bregenzerwald und bekommt zwischen Hochhäderich und Hohem Ifen sogar einige Gipfel der Allgäuer Alpen ins Blickfeld. Nach einer kurzen Rast bei der Kapelle in Oberbildstein ging es zurück ins Tal.

Montag 05.09.2022 – Die Woche begann süß.

Morgens um 06:00 Uhr gab es ein Gewitter und es schüttete gewaltig. Wir fürchteten schon, dass wir wieder im Haus bleiben müssen. Aber das Wetter beruhigte sich und so marschierten einige vormittags nach Schwarzach. Bei der Kirche in Ort wurde die Gruppe aus Oberösterreich sofort vom Pfarrer, der mit einem Besen vor der Kirche sauber machte,  erkannt. Schließlich zelebrierte er am Vortag in Bildstein die Messe.  Bis zum Mittagessen trödelten wieder alle so langsam ein. Einige kamen im Büssli und andere nutzten den Waldweg, der eigens vom österreichischen Bundesheer für Blinde und Sehbehinderte angelegt wurde, um ins „Haus Ingrüne“ zurückzukommen.

Nachmittags war es wieder soweit und wir fuhren nach Hohenems in „unsere“ Schokolademanufaktur. Ausgewählte Edelkakaos aus Kleinkooperativen werden in dieser Manufaktur in Hohenems schonend geröstet. Der „Maitre Chocolatier“ produziert mit seinem kreativen Team edle Schokoladen von der Bohne bis zur fertigen Schokolade – also „Bean to Bar“. Gunther Fenkart erzählte den Werdegang vom Kakaoanbau bis zur fertigen Schokolade und wir hatten die entsprechenden Kostproben vor uns stehen. Jedenfalls wurde auch ein Umbau angekündigt und man kann in Zukunft auch Einblicke in die Herstellung der Schokolade bekommen. Da sind wir schon auf 2023 gespannt.

Abends war wieder unser alljährliches Kegeln angesagt. Dazu kamen auch wieder Manfred, Herta und Moni zur Gruppe und ergänzte die gesellige Runde. Und so wie jedes Jahr hatten wir unserem Spaß, besonders die, die gleich in die Vollen trafen. Jedenfalls kamen auch der „Jäger und Fuchs“ nicht zu kurz. Nach der Kegelpartie machten wir es uns wieder beim ovalen Tisch gemütlich und ließen den Abend ausklingen.

Dienstag, 06.09.2022 – Wasserwanderweg und die Schwerflhütte.

Dienstag war das Wetter angenehm, deshalb zogen wir outdooraktivitäten vor. Wir fuhren nach Hittisau in den Bregenzerwald und begaben uns auf dem  Wasserwanderweg. Angenehm kühl war es auf dieser Strecke. Er führt zum großen Teil am Wasser entlang und durch einen lichten Wald. Ständig hörte man das gewaltige Rauschen der Bolgenach.

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung war bei der Kirche in der Ortsmitte von Hittisau und wir wandern Richtung der 300 Jahre alten Kommabrücke, der ältesten gedeckten Holzbrücke des Landes. Das Wort „Kumma“ bedeutet „Einkerbung, Schlucht“ und diese trennt die Gemeinde Hittisau von der 1938 eingemeindeten Ortschaft Bolgenach. Bolgenach heißt auch der Fluss, dem wir weiter folgen.

Die heutige Kommabrücke wurde im Jahr 1720 errichtet und 1785 für das Befahren mit Fuhrwerken verstärkt.

2010 wurde die Kommabrücke im Auftrag der Gemeinde Hittisau einer Generalsanierung unterzogen. Dazu wurde die Brücke komplett abgetragen und von einem lokalen Bregenzerwälder Zimmermannsbetrieb fachkundig restauriert. Bei der Restaurierung wurden ausschließlich historische Zimmermannstechniken angewendet und weder Nägel noch Schrauben verwendet. Für die zu ersetzenden Teile wurde das Holz von zehn wintergeschlagenen Weißtannen verbaut. Insgesamt wurden 55.000 Euro investiert.[1] Danach wurde die Brücke unter Denkmalschutz gestellt.

Die Brücke hat eine Spannweite von 12,4 Metern und eine Höhe von 5,5 Metern und liegt rund 15 Meter über dem mittleren Wasserspiegel der Bolgenach. Das macht sie zum hochwassersichersten Übergang über die Bolgenach. Heute wird die Kommabrücke nur noch von Wanderern und Spaziergängern im Zuge des Wanderwegs entlang der Kommaschlucht verwendet.

Wir genossen den Weg entlang der Bolgenach, hörten das Rauschen des Wassers, hatten den Geruch des Waldes und den Wiesen in der Nase und spürten die Sonnenstrahlen. Vom Untergrund spürten wir auch sehr viele Variationen unter unseren Sohlen. Konnten wunderbare Landschaften und die typischen Bregenzer Häuser genießen und nach einem Anstieg durch einem Hohlweg hatten wir nur mehr Autobahn zum Dorfplatz in Hittisau zurück.

Der Wasserwanderweg ist beeindruckend für alle Sinne und somit für Blinde und Sehbehinderte sicher eine tolle Erfahrung und ein schönes Erlebnis.

Am Nachmittag ging es auf die Schwerflhütte. Das ist eine kleine, private Almhütte und liegt auf 909 m Seehöhe in den Dornbirner Bergen. Natürlich kein elektrischer Strom und ein Wassertrog vor der Hütte, zum Kühlen unserer Getränke. Tief unten im Tal hört man einen Bach rauschen. Die Wiese vor uns hat eine Neigung von etwa 60 Grad. Was man auch als sehr steil bezeichnen kann. Und mittendrin steht eine Heuhütte. Früher wurden diese steilen Wiesen mit der Sense gemäht. Das Heu wurde in den Hütten bis zum Winter gelagert. Und wenn es der Schnee zuließ, wurde das Heu mit Schlitten, die man vorher per Menschenkraft nach oben zog, ins Tal gefahren. Was auch oft eine lebensgefährliche Arbeit war.

Talwärts wurde auf dieser Wiese eine neue Hütte errichtet. Demnächst sollen hier 4 Alpakas ihr neues zu Hause finden. Das Alpaka, ist eine aus den südamerikanischen Anden (Peru) stammende, domestizierte Kamelart, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird.

Wir fühlten uns wie bei einer Schulwanderung, machten es uns auf den vor der Hütte aufgestellten Bänken bequem  und packten unsere mitgebrachten Jausenbrote aus. Schließlich war sie auch schwer verdient. Die kühlen Getränke kamen aus  dem Wassertrog und so verging ein gemütlicher Nachmittag. So nebenbei hatten wir noch eine schöne Sicht auf Erhebungen im Bregenzer Wald. Der Karren und der Breitenberg. wer wollte, konnte auch die Hütte erkundigen. Und mit Schwerfl ist der Schwefel gemeint.

Mittwoch, 07.09.2022 – Von Bezau nach Schwarzenberg und retour.

Mittwoch konnte man sich vormittags massieren und es sich gut gehen lassen. Und am Nachmittag kam es zu einer Fahrt mit dem Wälderbähnle, einer  Museumsbahn. Das „Wälderbähnle“ ist eine sorgsam gepflegte Nostalgiebahn, die zwischen dem Bahnhof Schwarzenberg und Bezau fährt. Im Einsatz ist das Bähnle mit historischen Diesel- oder Dampflokomotiven.

Die Bregenzerwaldbahn, im Volksmund auch Wälderbahn oder Wälderbähnle genannt, ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760 Millimetern, der sogenannten Bosnischen Spurweite. Sie verband von 1902 bis 1983 auf einer 35,302 Kilometer langen Strecke Bregenz am Bodensee mit Bezau im Bregenzerwald. Heute ist nur noch ein 5,01 Kilometer langes Teilstück als Museumsbahn in Betrieb.

Wir hatten einen eigenen Wagen und so konnten wir es uns auf den harten und engen Bänken doch etwas bequem machen. Jedenfalls war Bahnfahren früher sicher doch kein so großes Erlebnis. Aber man kannte nichts anderes und man kam so schneller ans Ziel. Wir bekamen eine alte Fahrkarte aus dicken Karton, die vom Schaffner auch ordnungsgemäß mit seiner Zange gezwickt wurde. Leider fuhr bei unserer Reise keine Dampflok. So bekam man das Rattern der Räder unter uns in voller Lautstärke mit. Was besonders positiv auffiel, der Wagen war barrierefrei und bei uns im Wagen befand sich auch eine Person mit Rollstuhl. Das war ein Waggon mit Hebelift für barrierefreien Einstieg von Rollstuhlfahrern.

Wir fuhren bis Schwarzenberg und konnten dort eine Ausstellung über diese Bahn besichtigen und fuhren dann nach Bezau zurück. Die Fahrt hin und retour dauerte ungefähr 60 Minuten. Man konnte sich einen kleinen Eindruck verschaffen, wie die Menschen früher unterwegs waren und waren doch etwas glücklich, heute unterwegs zu sein. Aber das dachten sich die Bewohner unseres Planeten früher sicher auch. Bin ich froh, nicht mehr alles zu Fuß gehen zu müssen.

Zum Abendessen wurde im „Haus Ingrüne“ wieder gegrillt und so konnte der Mittwoch auch mit schönen Erinnerungen ausklingen.

Donnerstag, 08.09.2022 – Salzgrotte und die Juppenwerkstatt Riefensberg.

Auch dieses Jahr besuchten einige von uns die Salzgrotte in Lindau und kamen ganz entspannt ins „Haus Ingrüne“ zurück.

Heute lernten wir etwas kennen, was wir aus Oberösterreich so noch nicht Kannten.

Die Juppenwerkstatt Riefensberg im Bregenzer Wald ist eine Manufaktur und ein Museum für die Tracht in Riefensberg. Der Name der Werkstatt leitet sich von der Juppe ab, eine Frauentracht und Kopfbedeckung aus dem Bregenzerwald. Sie ist die einzige Manufaktur, die die Bregenzerwälder Frauentracht noch auf traditionelle Weise herstellt.

Die Herstellung und das Färben des Stoffes für die Juppe ist ein jahrhundertealtes Handwerk. Zum Färben wird Leim, das aus 16 kg Rindsleder besteht, nach einem alten Rezept stundenlang in Töpfen gekocht. Darin wird der schwarz gefärbte Leinenstoff getaucht, leicht gedreht, auf einer Wiese ausgelegt und anschließend von über hundert Jahre alten Maschinen geglänzt und plissiert. (Plissieren – Mit einer großen Anzahl dauerhafter Falten versehen).

In der Juppenwerkstatt wird ein weltweit einzigartiger Juppestoff aus glänzendem Leinen hergestellt (Glanzleinenjuppe). Ganze sechs Monate dauert es, bis das Textil schließlich für die Weiterverarbeitung geeignet ist.

Der Besuch der Juppenwerkstatt Riefensberg war wieder einmal ein Eintauchen in die Vergangenheit. Man konnte die Herstellung dieser einmaligen Tracht vom Ursprungsprodukt bis zum fertigen Kleidungstück kennenlernen. Wir konnten die alten Maschinen angreifen und so ihre Funktionsweise besser verstehen. Wir hatten den Geruch einer Rauchkuchl in der Nase und schnupperten den Duft von Nähmaschinenöl. Mir kam dabei schon der Gedanke, warum man zwar eine so wunderbare und aufwendige Tracht herstellt, dieses Kleidungsstück aber beim Tragen mehr als unbequem ist. Durch die steifen Längsfalten kann man sich nicht einmal richtig hinsetzen oder bewegen. Jedenfalls ist diese Tracht nicht billig und es wird penibel darauf geachtet, dass diese Kleidung auch ordnungsgemäß getragen wird.

Abends und zurück im Erholungsheim konnten wir uns von der Alleinunterhalterin „Alexa“  musikmäßig so alles wünschen, was uns gerade einfiel. Dieses kleine Wundergerät ist bei mir immer im Koffer dabei.

Freitag, 09.09.2022 – Singing in the Rain und Käseschlemmerei.

Am vorletzten Tag machten wir vormittags einen Spaziergang entlang der Dornbirner Ach. Zumindest war es so geplant. Aber ein gewaltiger Regenschauer machte uns einen Strich durch unser Vorhaben und so brachen wir es vorzeitig ab und fuhren mit unserem Shuttle zurück nach Schwarzach.

Am Nachmittag ging es das letzte Mal in den Bregenzer Wald. Wir besuchten eine Käsesennerei in Hittisau. Wir bekamen eine Führung durch die Produktionsanlagen und dabei wurde uns die Herstellung der verschiedenen Käsesorten erklärt.

Die Sennerei Hittisau ist eine bäuerliche Genossenschaft und ist zudem Teil der „KäseStrasse Bregenzerwald“. Die Sennerei verarbeitet rund 6,5 Mio. kg Heumilch (Silofreie Milch) pro Jahr. Diese Milch stammt ausschließlich von Bregenzerwälder Heumilchbauern. 63 Landwirte beliefern den Betrieb mit tagesfrischer Heumilch.

Nach der Führung gab es eine Kostprobe von verschiedenen Käsesorten, natürlich mit Weintrauben und sehr gutem Vorarlberger Brot. Anschließend konnten wir uns im angeschlossenen Verkaufsladen weitere Kostproben nehmen und uns mit Käse eindecken.

Samstag, 10.09.2022 – Der Tag der Abreise.

Die Woche ist wieder zu schnell vergangen und wir mussten die Zimmer räumen, da sich schon eine Gruppe deutscher Tandemfahrer angesagt haben. Die Heimreise nach Linz verlief auch problemlos und auch hier waren wir über die Platzreservierungen glücklich. Auch dieser Zug war in Dornbirn schon sehr voll und unsere reservierten Plätze waren auch schon belegt. Aber wir hatten ja die Reservierung. Und so erreichten wir am späten Nachmittag Linz mit der Gewissheit, für 2023 schon wieder für eine Woche im „Haus Ingrüne“ reserviert zu haben.

Ein danke gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom „Haus Ingrüne“ des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Vorarlberg: Elias, Belinda, Barbara, Katharina, Moni, Tobias, Dominik, Phillip und den beiden Köchen Mikey und Willi. Sowie Manfred, Herta und Gabi.

Und ganz besonders ein danke für die Begleitpersonen der Blinden und Sehbehinderten in dieser Woche. Ohne deren Unterstützung wären solche Unternehmungen für bestimmte Gruppen nicht möglich: Andrea, Anni, Maria, Hermine und Johanna.

Wir freuen uns schon auf 2023!

© September 2022 by Gerhard Hojas

Blinde, Sehbehinderte und deren Begleitpersonen auf den Spuren von Carl Ritter von Ghega

Alfons, Andrea, Anni, Gerhard, Johann und Vroni machten sich am Dienstag, 09.08.2022 schon sehr früh auf und fuhren mit der Bahn zuerst nach Wien Meidling und dann weiter zum Bahnhof Semmering. Mit entsprechendem Platzreservierungen konnten wir die Zugfahrt und das gemütliche Frühstück genießen.

Diesmal war eine Wanderung entlang eines der größten Bau-Projekte des 19. Jahrhunderts, nämlich vom Bahnhof Semmering bis zum Bahnhof Breitenstein, angesagt.

Die Semmeringbahn führt von Gloggnitz über den Semmering bis nach Mürzzuschlag. Sie gilt als erste normalspurige Gebirgsbahn von ganz Europa – und ist damit wichtiger Meilenstein in der Eisenbahn-Historie. 1998 wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Heute fährt sie täglich vom Wiener Hauptbahnhof über Wiener Neustadt und Gloggnitz bis zum Semmering. Auf steirischer Seite geht es weiter bis nach Mürzzuschlag.

Etwas zur Geschichte der Semmeringbahn:

Die Semmeringbahn wurde schon zu ihrer Zeit als „harmonische Kombination von Technologie und Natur“ angesehen. Beeindruckend und faszinierend schlängelt sie sich durch steile Felswände hindurch, überquert Brücken und Viadukte, verschwindet immer wieder in einem der 15 Tunnels und bietet wunderschöne Ausblicke auf das Semmeringgebiet. Mit der Erfindung der Eisenbahn war es zum ersten Mal möglich, Strecken, für die vorher Tagesreisen erforderlich waren, in kurzer Zeit zurückzulegen. Eines konnte die Eisenbahn aber nicht überwinden – das Gebirge! Bereits Erzherzog Johann hatte die Idee, eine Bahnlinie von Wien nach Triest über den Semmering und nicht über Ungarn zu führen. 1841 erteilte der damalige Staatsminister Karl Friedrich Kübeck den Auftrag zur Errichtung einer Bahnlinie nach Triest. 1844 existierten die Bahnlinien von Wien nach Gloggnitz sowie von Mürzzuschlag nach Graz und nun galt es, eine Verbindung zwischen diesen beiden Strecken herzustellen.

Um das Problem, wie der Semmering zu bezwingen sei, kam es zu einem heftigen Expertenstreit. In diesem Zusammenhang kommen die Persönlichkeit und das technische Genie Carl von Ghegas ins Spiel. Der geborene Venezianer konzipierte nach einer Studienreise in die Vereinigten Staaten die Überschienung des Semmerings als Adhäsionsbahn, die mit einer wohl durchdachten Linienführung den Gebirgssattel überqueren sollte. 1848 wurden mit dem Eindruck der Revolution in Wien und zur Linderung der Arbeitslosigkeit die Baupläne für die Semmeringstrecke genehmigt und Carl Ghega, bekam die Bauleitung übertragen. In einer Rekordzeit von nur sechs Jahren wurde die Semmeringstrecke als die erste vollspurige Bergbahn Europas errichtet. Schwierige geologische Bedingungen, Schluchten, und Bergrücken erschwerten die Verlegung der Schienenstränge, sodass die zusätzliche Konstruktion von Tunnels, Viadukten und Brücken unumgänglich war. Bis zu 20.000 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, ausgestattet mit nur wenigen Baumaschinen und Schwarzpulver von geringer Sprengkraft. Etwa 1.000 Menschen verloren durch Unfälle, insbesondere aber durch Typhus und Cholera, ihr Leben.

Es galt jedoch auch noch ein anderes Problem zu lösen. Eine Dampflokomotive zu finden, die die enorme Steigung über den Semmering überwinden könnte. Zwei Jahre nach Baubeginn wurde ein Wettbewerb für Gebirgslokomotiven veranstaltet. Alle vier vorgestellten Lokomotiven (Bavaria, Vindobona, Wr. Neustadt und Seraing) erfüllten die Anforderungen und waren für die Semmeringtrasse geeignet. Wilhelm von Engerth erhielt den Auftrag, die Pläne der vier Konkurrenz-Lokomotiven aufeinander abzustimmen. Aus diesen Plänen ging die Serie der für lange Zeit typischen Semmering-Lokomotiven hervor. Am 23. Oktober 1853 fuhr zum ersten Mal eine Lokomotive über die gesamte Strecke. Am 16. Mai 1854 befuhren der Kaiser und die Kaiserin die Bahnstrecke, am 17. Juli 1854 konnte die Bahn feierlich eröffnet und dem allgemeinen Personenverkehr übergeben werden. Bis zum heutigen Tag hat sich an der Streckenführung nicht viel geändert, nur der längste Tunnel, der Semmeringtunnel, musste neu gebaut werden. Durch Wassereinbrüche waren Teile des Tunnels einsturzgefährdet und so wurde im Jahr 1952 der neue Tunnel mit einer Länge von 1511,5 m eröffnet.

Die Semmeringbahn überwindet eine, für damalige Verhältnisse unwahrscheinliche Höhendifferenz von 457 m, der höchste Punkt liegt auf 896 m. Die Strecke umfasst rund 41 km, 16 Viadukte (davon mehrere zweistöckig), 15 Tunnels und 100 gemauerte Bogenbrücken beziehungsweise Eisenbahnbrücken. Auf den Einsatz von Stahl und Eisen wurde vom Erbauer vollkommen verzichtet. 1998 wurde die Semmeringbahn vom UNESCO-Welterbe-Komitee zum Weltkulturerbe erklärt, mit der Begründung, dass sie „eine herausragende technische Lösung eines großen physikalischen Problems in der Konstruktion früherer Eisenbahnen repräsentiere“. Zum Gedenken an das Genie der Baukunst des Carl Ritter von Ghega steht ein Denkmal am Bahnhof Semmering. Dieses ist gleichzeitig auch Ausgangspunkt des Bahnwanderweges.

Anmerkung: Die Trasse der Semmeringbahn wurde bereits gebaut und die Schienen verlegt, obwohl es noch keine entsprechende Lokomotive dazu gab.

Wir starten direkt beim Bahnhof Semmering (895 m) unsere Wanderung und marschieren entlang des Bahnkörpers. Zuvor kann man sich im Informationszentrum sämtliche Infos über die Semmeringbahn einholen. Die Informationen sind mit entsprechendem QR-Codes versehen. Somit könnten auch Blinde und Sehbehinderte mit entsprechendem Equipment (Smartphone mit QR.Code-Leser) diese Infos barrierefrei abrufen. Diese Infotafeln mit den QR-Codes findet man entlang des gesamten Bahnwanderweges.

Das Wetter hat es auch gut mit uns gemeint. Die Temperatur war angenehm und bei den schattigen Waldpassagen brachte uns nur das steile Gelände zum Schwitzen. Nach einiger Zeit erreichten wir die erste Aussichtswarte. Bei der Doppelreiter Aussichtswarte (919 m) bietet sich der Panoramablick auf die imposanten Viadukte und Tunnels mit Rax und Schneeberg im Hintergrund. Von hier aus können Zuge auf ihrer Fahrt über das imposanteste Bauwerk der Ghegabahn, die „Kalte Rinne“, beobachtet werden. Diese Aussicht kann man nur genießen, wenn man vorher den Aussichtsturm erstiegen hat.

Bei dieser Aussichtswarte trafen wir auf ein Lebewesen, das zumindest von unserer Gruppe noch niemand gesehen hat. Jedenfalls habe ich nicht gewusst, dass es auch diese Tiere gibt. Aber ich habe mich sofort in das Tier verliebt.

Gemeint ist der Samojede, der sibirische Schlittenhund.

Mit seinem beeindruckenden, weißen Fell und der fröhlichen Art zählt der Samojede, auch bekannt unter dem Namen Samoiedskaia Sabaka, zu den beliebtesten Schlittenhunderassen der Welt.

Der Samojede stammt aus Nordsibirien, wo er vor mehreren Jahrhunderten beim gleichnamigen Nomadenstamm als Zug- und Arbeitstier Verwendung fand. Die robusten, weißen Hunde waren auch beim Schutz der Rentierherden und bei der Jagd eine gute Unterstützung. Im Gegensatz zu anderen Schlittenhunderassen war der Samojede ein richtiges Familienmitglied und diente im Zelt als Bettwärmer oder als Kopfpolster.

Das auffälligste Merkmal ist sein langes, plüschiges und dichtes Fell. Die Fellfarbe der europäischen Züchtung ist stets weiß.

Der Samojede benötigt eine abwechslungsreiche Beschäftigung. Ohne ihre tägliche Auslastung langweilen sich die Hunde schnell, beschäftigen sich selbst und dekorieren die Wohnung um. Lange Spaziergänge sind also bei jedem Wetter ein Muss. Deshalb sind sie als Begleiter bei Wanderungen gerne dabei.

 

Ich habe den Hund auch angreifen und streicheln können. Sein Fell fühlt sich herrlich weich und warm an. Ich kann mir diese Hunde sehr gut als Fußwärmer oder als Bettwärmer vorstellen.

Jedenfalls wird uns dieser Hund und seine Begleiter an diesem Tag noch öfters begegnen. Der Hund war beim Gehen aber immer vorne. Auch wurden alle anderen Hunde, die wir begegneten, diszipliniert an einer Leine geführt.

Weiter ging es dann über Stock, Wurzel und Stein bis zum nächsten Aussichtspunkt, den man unbedingt besuchen muss. Der „20-Schilling-Blick (benannt nach dem Motiven des 20-Schilling Scheins).

Ebenso marschierten wir unter imposanten Viadukten durch und konnten die Genauigkeit der verbauten Steine ertasten, die passgenau zusammengefügt wurden. Damals wurde noch nicht mit Beton gebaut und so wurden die Steine passgenau zurechtgehauen. Ungefähr wie damals bei den Pyramiden. Nur etwas kleiner.

Irgendwann und irgendwo schlich sich bei unserer Wanderung ein Fehler ein und wir bogen falsch ab und so verlängerte sich unser Weg von 9 Km auf 17 Km. Hierbei ging es im Wald immer steil bergauf und natürlich wieder steil bergab. Zwischendurch kurze Autobahnstrecken, aber meistens Steige mit Längs- und Querwurzeln, steinigen Stufen, die unterschiedliche Höhen aufwiesen. Aber immer entlang der Bahnstrecke. Somit konnten wir neben der anstrengenden Wegstrecke zwischendurch immer die unter uns vorbeifahrenden Züge hören und sehen. Da wir alles gute Geherinnen und Geher sind, haben wir auch diese Hürde nach einiger Zeit überwunden.

Als wir zum Ghega Museum kamen, hatten wir den größten Teil unserer Wanderung hinter uns. Dieses Museum in Breitenstein am Bahnwanderweg nahe dem Viadukt „Kalte Rinne“ widmet sich dem Leben des visionären Ingenieurs. Hier hörten wir aus einem Tunnel einen Zug heranfahren. Der Zug kam aus dem Tunnel und fuhr direkt auf uns zu. Fuhr dann aber in einer weiten Schleife links an uns vorbei. Das war ein beeindruckender Anblick.

Dazu passt auch die folgende Geschichte von Peter Rosegger bei seiner ersten Begegnung mit der Semmeringbahn.

Die erste Bahn über den Semmering.

„… Da tat es schon ein kläglich Stöhnen. Auf der eisernen Straße heran kam ein kohlschwarzes Wesen. Es schien anfangs stillzustehen, wurde aber immer größer und nahte mit mächtigem Schnauben und Pfustern und stieß aus dem Rachen gewaltigen Dampf aus. Und hinterher …“

„Kreuz Gottes!“ rief mein Pate, „da hängen ja ganze Häuser dran!“. Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hatten, an das Lokomotiv wären ein paar Steirerwäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen konnten, so sahen wir nun einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus, und schrecklich schnell ging´s, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand still stand. Das bringt kein Herrgott mehr zum Stehen! fiel‘s mir noch ein. Da hub der Pate die beiden Hände empor und rief mit verzweifelter Stimme: „Jessas, Jessas, jetzt fahren sie richtig ins Loch!“ Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in der Tiefe.“

Anmerkung: Die Waldheimat von Peter Rosegger liegt nicht weit entfernt von Mürzzuschlag.

Unser nächstes Ziel war der Blunzenwirt in Breitenstein (779 m). Vom Ghega-Museum bis Breitenstein war der Weg, nach unserem hinauf und hinunter im steilen Wald, die reinste Autobahn. Das Highlight dieser Etappe war das Aktivieren des Sturzsensors der Applewatch nach einer kleinen Sturzeinlage.

Aber es kam noch schlimmer. Der Blunzenwirt hatte geschlossen. Da wir aber ein großes Zeitfenster hatten, entschlossen wir uns gleich nach Mürzzuschlag zu fahren. Da der Bahnhof in Breitenstein auch auf einer Anhöhe liegt, kürzten wir die lange Strecke entlang der Straße durch eine Abkürzung durch einen Wald ab. Auch dieser Anstieg war sehr steil aber ohne Wurzeln und Steine. Hier überholte uns wieder einmal raschen Schrittes der Samojede und im Schlepptau sein Herrchen an der langen Leine.

Beim Bahnhof in Breitenstein angekommen mussten wir feststellen, dass es durch eine Zugentgleisung am Vortag, einen Schienenersatzverkehr gibt. Da an der provisorischen Haltestelle schon einige Passagiere, darunter der Samojede, warteten, konnten wir nur hoffen, dass kein kleiner Bus kommt. Und es kam ein kleiner Bus. Der Buslenker schaute zwar etwas irritiert, schaffte es aber, uns alle im Bus unterzubringen. Im rasanten Tempo ging es über die Kurvenreiche Straße von Breitenstein bis zum Bahnhof Semmering. Dort stiegen die meisten Passagiere aus. Ich wunderte mich, wo die Leute herkommen, die da vorne ausstiegen und vermutete, dass die alle hinten wieder einsteigen. Jedenfalls verließ uns auch der Samojede mit seiner Begleitung.

Für alle anderen Passagiere des Schienenersatzverkehrs war der Bahnhof Mürzzuschlag das Ziel. Es war auch hier ein Problem, ein uriges und traditionelles Österreichisches Wirtshaus zu finden. Trotzdem kamen wir zu einer Jause und einer Rast bevor es per Bahn zurück nach Meidling ging. Kurz vor der Ankunft war uns bewusst, dass wir den geplanten Zug nach Linz nicht erwischen werden und das somit unsere Platzreservierungen hinfällig wurden. Aber 10 Minuten später fuhr ein IC nach Peenemünde und mit den ging es zurück nach Linz. Der Zug war sehr stark belegt und so saßen wir verteilt im gesamten Zug. Die Passagiere waren International und kamen aus Chile, Norwegen, Schärding und viele Frauen mit Kindern kamen aus der Ukraine.

Was schon am Bahnhof Meidling aufgefallen war, dass die Waggons des IC eine sehr große Ähnlichkeit mit den alten Garnituren der Westbahn hatten. Besonders aufgefallen ist das Auffindungssignal (ein gleichmäßiges Ticken) für Blinde und Sehbehinderte bei den geöffneten Türen. Nicht zum Verwechseln mit dem Signal beim Schließen der Türen. Dieses Signal erinnerte auch an die alten Westbahngarnituren. Nach Rückfrage beim Westshop in Linz bekam ich die Antwort: „Das waren die alten Garnituren der Westbahn. Sie wurden nach Deutschland verkauft“.

So kamen wir zwar etwas erschöpft aber um vieles Klüger in Linz an und genossen noch ein gemütliches Abschlussgetränk im Stellwerk im Bahnhof.

Ein danke an die Begleitpersonen, die uns sicher durch das schwierige Gelände und uns die Schönheiten unseres Landes nähergebracht haben.

Tipp: Audioguide Semmeringbahn

Ein Reisebegleiter für die Zugfahrt über den Semmering.

Entlang der Semmeringbahn befinden sich zahlreiche historische Objekte, zumeist aus der Zeit der Monarchie:

Unter anderem das Südbahnhotel, das Ghegadenkmal im Bahnhof Semmering, das Historische Postamt Küb, das Hotel Panhans in Semmering, die Landschaft der Zauberberge, die Museumsbahn Höllentalbahn, das Schloss Gloggnitz, das Ghegamuseum neben dem Viadukt Kalte Rinne, das Südbahnmuseum in Mürzzuschlag, Wächterhäuser.

Link zum Appstore: https://apps.apple.com/us/app/audioguide-semmeringbahn/id1327286196?l=de&ls=1

Link zu Google Play: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.audioguide.semmeringbahn

© im August 2022 by Gerhard Hojas

Bergtour des OÖ Blindensportclubs am 23.07.2022 im Herzen des Nationalparks Kalkalpen

Bei angenehmen Wetter ging es am Samstag, 23.07.2022 zu einer Bergtour des Oberösterreichischen Blindensportclubs. Um 07:00 Uhr ging es in Linz los und die Anreise führte die Gruppe per Autos Richtung Süden. Das Ziel war der Parkplatz Jagahäusl auf 641 Meter Seehöhe im Bodinggraben in der Nähe von Molln. Das Jagahäusl im Bodinggraben liegt in einem der schönsten Talschlüsse im Nationalpark Kalkalpen.

Vom Wasser verursachte Auswaschungen im Gestein – so genannte Bottiche (Volksmund „Bodinge“) – prägen die Schluchtlandschaft. Und so kam der Bodinggraben zu seinem Namen.

Beim Aussteigen aus den Fahrzeugen konnte man sofort das angenehme und herrliche Rauschen der „krummen Steyrling“ vernehmen. Dieser Fluss ist ein östlicher Nebenfluss der Steyr. Sie entspringt im Sengsengebirge nordöstlich von Windischgarsten im Gemeindegebiet von Rosenau am Hengstpaß. Durch ein nur dünn besiedeltes Tal fließt sie in nordwestlicher Richtung bis nach Molln, wo sie von rechts in die Steyr mündet. Der Fluss wird unter anderem von Bach- und Regenbogenforellen sowie Äschen besiedelt. Außerdem wird schon über viele Jahrzehnte das Energiepotenzial des Flusses in mehreren Stufen von nahegelegenen Betrieben mittels Francis-Turbinen zur Stromerzeugung genutzt.

In dieser idyllischen Landschaft stießen weitere Teilnehmer der Wanderung zur Gruppe und so konnte die Tour in einem der schönsten Ecken des Nationalparks Kalkalpen gutgelaunt starten.

Einige Minuten war die Gruppe gemeinsam unterwegs und folgten dem Straßenverlauf Richtung Schaumbergalm, dann trennten sich ihre Wege. Eine Wandergruppe zweigte nach links in ein etwas anspruchvolleres Gelände ab. Dieser ziemlich steile Waldhang führte die Gruppe in Serpentinen nach oben zum Trämpl. Der Weg war doch etwas anspruchsvoller mit einigen Passagen mit höheren, steinigen Stufen, Wurzeln und sogar mit einer Seilgesicherten Strecke.

Der letzte Anstieg zum Trämpl auf 1424 m Seehöhe ist steil und mit schroffem Gestein versehen. Man wird aber mit einem herrlichen Panoramablick über das Reichraminger Hintergebirge und Sengsengebirge belohnt. Obwohl am Gipfel des Trämpl viel Platz vorhanden ist, muss man aufpassen, da es auf einer Seite des Gipfelkreuzes doch extrem steil nach unten geht. Nachdem die Gipfelgruppe die Aussicht genossen hat, alle Fotos geschossen wurden und der Eintrag im Gipfelbuch vorgenommen wurde, ging es nach unten, zur Schaumbergalm.

Der Trämpl liegt als Felsklotz wie eine Kugel auf einem Gugelhupf. Er hat keine Verbindung zum Untergestein. In einigen tausend Jahren wird er wahrscheinlich im Tal landen.

Die zweite Gruppe wählte die leichtere Route und machte sich auf den

langgezogenen Serpentinen der Forststraße in Richtung der bewirtschafteten Schaumbergalm auf. Da es im Tal sehr schwül war, war man nach einigen Minuten schon durchgeschwitzt. Aber je weiter man noch oben kam, wurde die Luft angenehmer und kühler. Und auch die Aussicht wurde immer grandioser. Es bot sich ein schöner Ausblick in den Bodinggraben und auf die gegenüberliegende Zaglbauernalm. Zwischendurch gab es auch immer wieder etwas Kräuterkunde. Bald kam man auf das Weidegebiet der Schaumbergalm. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Steyrsteg, das Sengsengebirge mit dem Hohen Nock und den Kleinen Größtenberg.

Die Ankunft der Gruppe bei der Hütte wurde musikalisch begleitet vom Gebimmel der Kuhglocken des Weideviehs auf den Almwiesen. Die Tiere, etwa 70 Stück genießen die Sommerfrische auf der Schaumbergalm auf 1150 Meter Seehöhe.

Die Schaumbergalm gilt als eine der schönsten Almen im oberösterreichischen Alpenvorland. Sie liegt inmitten des Nationalparks Kalkalpen zwischen dem Größtenberg (1.724 Meter) und dem Trämpl (1.424 Meter)

Die müden Wanderer machten es sich bei der Hütte bei einer kleinen Jause bequem und warteten auf die Gipfelstürmer von der anderen Gruppe. Was auch hier nicht fehlte, war das angenehme Rinnen des Gebirgswassers in einem Wasser- oder Brunntrog. Auch die Getränke waren im Trog zum Kühlen eingelagert. Nachdem auch die andere Gruppe eingetroffen war, gönnten auch sie sich eine Rast mit einer kleinen Jause und nachdem die Getränkeflaschen mit dem Bergwasser gefüllt waren, machte man sich auf dem Rückweg zum Jagahäusl. Diesmal marschierten alle auf der Forststraße talwärts.

Beim Jagahäusl gab es dann eine längere Rast und man konnte die wunderbare und ruhige Gegend auf sich wirken lassen. Man muss sich bewusst sein, dass man in solchen Gegenden mit Strom sparsam umgeht und man sicher keinen Empfang am Smartphone hat. Deshalb sollte man seine Wanderkarten offline speichern und sich bewusst sein, dass nur der Euronotruf funktioniert.

Auch diese, vom OÖ Blindensportclub, toll organisierte Bergtour ging einmal zu Ende und die Teilnehmer machten sich auf ihre Wege nach Hause.

Ein großes Danke geht an die Begleiter und Organisatoren dieser Touren. Ohne deren Erfahrungen und sozialen Engagement wäre es für Blinde und Sehbehinderte nicht möglich, solche wunderbaren Erfahrungen zu sammeln und kennen zu lernen. Und man hat mit dieser Unterstützung immer das Gefühl, sicher Unterwegs zu sein.

Natürlich freuen sie sich schon auf die nächsten Touren.

© Juli 2022 by Gerhard Hojas

Ein Rundgang mit Blinden, Sehbehinderten und Begleitpersonen am HBF Linz

Nach fast genau 3 Jahren war es wieder so weit. freiraum-europa und die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs führten gemeinsam eine Führung für Blinde, Sehbehinderte und dessen Begleitpersonen am Hauptbahnhof Linz durch.

Eine ansehnliche Gruppe traf sich an einem Mittwochnachmittag bei der Säule mit dem Blindenlogo und harrte der Dinge, die auf sie zukommen werden. Hier befindet sich auch der Infopoint der ÖBB sowie die vier Lifte, die in die obere Ebene und nach unten zur Straßenbahn führen.

Der HBF Linz besteht aus 3 Ebenen. Die erste Ebene ist der Haupteingang mit dem Bahnhofsvorplatz und den Taxiständen. Hier befindet sich auch der Terminaltower. Mit 98,5 Metern, nach dem Mariendom, das zweithöchste Gebäude in Linz. In der untersten Ebene befinden sich die Straßenbahnhaltestellen der Linz AG. Und in der mittleren Ebene spielt sich am HBF Linz alles ab.

Der Bahnhof Linz ist komplett barrierefrei. Man kommt entweder auf Stiegen, Rolltreppen oder Liften an sein gewünschtes Ziel.

Es gibt einige wichtige Einrichtungen, die ein Bahnhof unbedingt haben soll. Darunter fallen ganz besonders die Einrichtungen zum Erwerb der Fahrkarten. Am HBF Linz kann man sich die Fahrkarten in der Kassenhalle der ÖBB, beim Westshop der Westbahn und in den Trafiken für FlixBus und den Linz AG Linien holen.

In der Kassenhalle der ÖBB gibt es ein besonderes Service für Blinde und Sehbehinderte. Ungefähr 2 Meter nach dem Eingang befindet sich eine taktile Auffanglinie. Die „gekennzeichnete“ Blinde oder Sehbehinderte Person braucht bei dieser Linie nur warten und wird von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Bahn abgeholt und auch wieder nach draußen begleitet. Dieses Service funktioniert hervorragend. Eine weitere Möglichkeit, als Blinde oder Sehbehinderte Person an eine Fahrkarte zu kommen, sind die 6 Fahrscheinautomaten in der Halle direkt beim Infopoint. Alle Fahrscheinautomaten der ÖBB sind mit einer taktilen Telefonnummer und einer Automatennummer beschriftet. Diese Hinweise sind auch in Blindenschrift vorhanden. Die Blinde oder Sehbehinderte Person ruft unter der angegebenen ‚Telefonnummer an, gibt die Automatennummer und das Fahrziel bekannt und das Servicepersonal der Bahn bedient diesen Automaten. Nachdem man bezahlt hat, wird die Karte ausgedruckt. Das funktioniert auf allen Bahnhöfen der ÖBB. Einer dieser Automaten ist für Menschen im Rollstuhl und für kleinwüchsige Menschen tiefer gesetzt.

Man soll sich überlegen, wo man sich Fahrkarten kauft. Wer die Möglichkeit hat, soll sich die Karten entweder am Computer oder am Smartphone per App kaufen. Das kann einen großen Preisunterschied ausmachen. Für eine Fahrt nach Graz hätte ich in einer Trafik 25 Euro bezahlt, über die App am Smartphone hat mir die Fahrt nur 9 Euro gekostet.

Eine weitere wichtige Einrichtung für Blinde und Sehbehinderte sind die Bankomaten mit Sprachausgabe. Es befinden sich fünf Stück davon im und beim Bahnhof. Auf der Seite der Lifte oder der Kassenhalle befindet sich eine taktile Bodeninformation (TBI) die mich in westliche Richtung zum Spar führt.  Auf dieser Seite befindet sich das Foyer der Sprdabank. Hier befinden sich zwei Bankomaten mit Sprachausgabe.  Die Funktionsweise wurde mit einem angeschlossenen Lautsprecher demonstriert. Da bei der Eingabe die Pin nicht gesprochen wird, konnte sogar ein Geldbetrag abgehoben werden.

Anmerkung: Der kleine Lautsprecher in Form eines Fasses war bereits 2015 bei der Anton Bruckner Sinfoniewanderung von Ansfelden nach St.Florian dabei. Und bei jeder Stadion erklangen die entsprechenden Stücke von Bruckner.

Auch das AMS (Arbeitsmarktservice) hat im Hauptbahnhof eine Außenstelle. Außer einer Beratung kann man alle sonstigen Services in Anspruch nehmen. Arbeitssuche, Bewerbungen schreiben, Lebensläufe und andere Dokumente kontrollieren lassen.

Auf der westlichen Seite, beim Spar, befindet sich ein Zugang zu den Bahnsteigen. Hier befinden sich die Zugänge mit den Rolltreppen. Außerdem findet man hier auch einen Wartebereich mit Sitzmöglichkeiten.

Wir gingen von dieser Seite bei den Bahnsteigen 5 und 6 zurück zum östlichen Zugang. Hier befinden sich die Lifte. Auf dieser Seite befinden sich bei der Stiege auch sehr tiefhängende Ankunfts- und Abfahrtsmonitore mit sehr großer Schrift. Ebenfalls befinden sich auf dieser Seite die Notrufsäulen. Helmut erklärte uns bei den Handläufen die Bedeutung der taktilen Schriftzeichen. Jedenfalls erkennt man an dieser Beschriftung für die Blinden und Sehbehinderten, in welcher Richtung man zur Bahnhofshalle kommt.

Beim Zugang zu den Bahnsteigen auf der östlichen Seite befindet sich der Westshop der Westbahn und zwei weitere Geldautomaten mit Sprachausgabe. Diese Automaten werden von der Raika betrieben und sind mit NFC-Lesern ausgestattet. Ich persönlich finde diese Automaten für Blinde und Sehbehinderte zum Abheben sicherer, da doch immer Personal von der Westbahn in der Nähe ist. Beim Westshop können Blinde und Sehbehinderte Linzbesucherinnen und Linzbesucher kostenlos einen Funkhandsender abholen.

Ebenfalls auf der östlichen Seite befindet sich eine WC-Anlage mit einem Behinderten-WC, dass man mit dem Euro-Key aufsperren kann. Außerdem befindet sich auch ein Rufknopf bei der Tür. Falls man einmal den Schlüssel vergessen hat.

Gegenüber der WC-Anlage befinden sich die Schließfächer, die aber für Blinde nicht barrierefrei sind.

Wenn man hier weitergeht kommt man zum Busterminal, zu den Bahnsteigen 1, 2, 21 und 22 sowie zum Zugang zur Tiefgarage mit sehr vielen Behindertenparkplätzen. Wenn man hier mit einem Taxi ankommt, ist man sofort in der Bahnhofshalle und man erspart sich sehr viel Zeit. Hier sind auch Ankunfts- und Abfahrtsmonitore mit sehr großer Schrift montiert. Hier befinden sich weitere Schließfächer, die ebenfalls für Blinde und Sehbehinderte untauglich sind.

Vor dem Zugang zu den WC-Anlagen und den Schließfächern befindet sich links ein McDonalds. Daran kann man sich orientieren, dann kommt man auch zur Stiege und den Rolltreppen für die Straßenbahnhaltestelle Richtung Stadteinwärts.

Ebenfalls kommt man hier entlang der TBI zur Kärntnerstraße. Links befindet sich die People Bar und rechts das seit 2015 geschlossene Lokal Drehscheibe. Nach

den automatischen Türen steht man vor dem Lift, der Stiege oder den Rolltreppen  um zum Landesdienstleistungszentrum (LDZ) oder zur Bushaltestelle Kärntnerstraße der Linz AG Linien zu gelangen.

Wenn man sich hier am unteren Ende bei der Stiege und den Rolltreppen befindet, hat man die Möglichkeit zu den Straßenbahnhaltestellen in beide Fahrtrichtungen zu gelangen. Es befinden sich links und rechts Türen, die zu einer Stiege und dann in den Haltestellenbereich führen. Das hat den Vorteil, wenn es zum Schienenersatzverkehr kommt, kann man von der Bushaltestelle Kärntnerstraße direkt zu den Straßenbahnhaltestellen gelangen und man muss nicht durch die Bahnhofshalle. Und man erspart sich sehr viel Zeit. Wenn man von der Bushaltestelle Kärntnerstraße kommt und man fährt mit der Straßenbahn Richtung Traun oder Auwiesen, muss man den rechten Stiegenabgang nehmen. Man kommt dann ans Ende der Straßenbahn.

Man kann von dieser Seite auch die Kärntnerstraße unterqueren und kommt zum Lift oder zur Stiege Richtung Böhmerwaldstraße und ist direkt bei der Bushaltestelle Kärntnerstraße Richtung Froschberg. Man erspart sich dadurch die Querung der starkbefahrenen Kärntnerstraße.

So fuhren wir mit der Rolltreppe nach oben und standen vor dem Landesdienstleistungszentrum (LDZ). Von dieser Stelle erreicht man die einige Meter entfernte Bushaltestelle Kärntnerstraße, die bei einem Schienenersatzverkehr angefahren wird. Ebenfalls kommt man von hier zum Wissensturm, zum Hotel Ibis und zum Hotel zur Lokomotive. Direkt beim Wissensturm befindet sich die Haltestelle von FlixBus. Weiters befindet sich hier die Kreuzung Kärntnerstraße – Postzufahrt. Diese Kreuzung ist mit einer ATAS ausgestattet. Wenn man sich genau in die entgegengesetzte Richtung bewegt kommt man nach einigen Metern zur Kreuzung Kärntnerstraße – Buszufahrt LDZ. Hier fahren die Busse in das Busterminal. Auch als Fußgänger kommt man hier zum Busterminal. Ebenfalls ist diese Kreuzung mit einer ATAS ausgestattet. Weiters kommt man von hier in wenigen Minuten zum Volksgarten und zum Musiktheater.

Der Aufgang zum Eingang des LDZ ist imponierend. Die breite und lange Stiege, die zwei langen Rolltreppen und der Lift locken die Kunden und Gäste zum Hochkommen ein. Der Blickpunkt ist die Schlange aus Metall, die sich auf der Stiege schlängelt. Das war auch das Ziel. Diese Schlange wurde genau über einer TBI aufgestellt, wodurch dieses logischerweise unterbrochen wurde. Diesbezüglich war am Tag der Sehbehinderung 2018 ein Bericht in den OÖ Nachrichten. (Drüberspringen kann ich nicht!). Weder das Land OÖ noch der Künstler haben darauf reagiert. Es ist noch nicht so lange her, da konnte man diesem Bereich jederzeit betreten. Da die Menschen hier aber ihren Mist nicht mitgenommen haben und dementsprechend alles verdreckt und vermüllt wurde, wurde der Zugang mit einem Glasverbau verkleidet und man kann nur mehr zu dem Öffnungszeiten diesem Bereich betreten.

Vom LDZ kommt man wieder direkt zum östlichen Eingang beim Bahnhof.  Hier befindet sich der fünfte Bankomat mit Sprachausgabe. Er ist im Außenbereich bei der Hypo angebracht. Kann ich aber nicht empfehlen, da hier doch einige zwielichtige Gestalten herumlaufen. Links kommt man wieder zum Busterminal und rechts geht es zum Eingang in das Bahnhofsgebäude. Auf dieser Seite, beim Restaurant „Stellwerk“, früher war hier das Cafe Paris, befindet sich der östliche Eingang in das Bahnhofsgebäude auf der oberen Ebene. Hier findet man wieder eine TBI, die mich zu den Liften führt. Da auf dieser Ebene kein geschlossener Boden vorhanden ist, kann man auf die untere Ebene blicken. Es ist alles mit einem Geländer umgeben. An diesem Geländer kann man sich gut orientieren und sich mit einer Hand am Geländer entlang führen lassen.

Auf meine Frage: „Wer weiß, warum dieses Geländer „ballig“ ist?“, gab es keine Antwort. Weil sie mit „ballig“ nichts anfangen konnten. „Bauchig“ wurde dann verstanden. Ich kenne „ballig“ seit meiner Lehrzeit als Maschinenschlosser und da war „bauchig“ kein Fachbegriff. Der Grund des bauchigen Geländers ist ganz einfach. Man kann darauf nichts abstellen und somit kann auch nichts auf die darunter befindlichen Personen fallen.

Auf dieser Seite beim Restaurant befindet sich das zweite Behinderten-WC.  Man geht vom Eingang bis zur gegenübeliegenden Wand. Links befindet sich eine Tür mit dem Zeichen „Eintritt verboten“ und da muss man rein. In diesem Bereich befanden sich einmal ein Sexshop und ein Wettbüro.

Wenn man sich rechts weiterbewegt, mit der Hand am bauchigen Geländer, kommt man zur ersten Auffanglinie für die beiden Lifte in die mittlere Ebene und zur Straßenbahnhaltestelle Stadteinwärts. Die nächste Auffanglinie zeigt mir die beiden Lifte für die Straßenbahnhaltestelle Richtung Süden und Traun an.

Anmerkung: taktile Bodeninformationen führen mich bei Liften immer zu den Rufknöpfen und bei Stiegen immer zu den Geländern. Wenn alles fachmännisch ausgeführt wurde.

Jetzt kann man schon das Blumengeschäft riechen. Hier befindet man sich in der Mitte der Bahnhofshalle in der oberen Ebene. Nach rechts kommt man zum Haupteingang und zum Bahnhofsvorplatz, wo die zwei Löwen aufgestellt sind. Weiters führen hier zwei Stiegen in die mittlere Ebene. Ebenfalls gibt es hier zwei Rolltreppen.  Wenn man das Gebäude betritt, führt die linke Rolltreppe nach unten und ich bin genau bei der Kassenhalle, oder dort, wo unsere Führung begann. Die gegenübeliegende Rolltreppe führt von unten nach oben.

Genau gegenüber des Haupteinganges befindet sich ein Warteraum für die ÖBB-Kunden. Dieser Raum ist sehr ruhig und angenehm. Er ist um einiges gemütlicher, als der Wartebereich in der mittleren Ebene auf Höhe des Spar. Dieser Warteraum ist auch an eine TBI angebunden.

Wenn man jetzt weitergeht, muss man sich am Geländer orientieren. Das soll aber kein Problem sein, da keine Stolperfallen im Weg sind. So könnte man die obere Ebene problemlos umrunden. Jedenfalls kommt man an einem Frisörgeschäft und einer Apotheke vorbei. Am Ende auf der westlichen Seite befindet sich links das Fundbüro der ÖBB. Hier kann man die Fundsachen, die man in den Zügen oder im Bahnhofsgebäude gefunden hat, abgeben. Andere Fundsachen muss man zum Wissensturm bringen.

An dieser Stelle sollte man aufpassen, da sich hier auch ein Zugang zur Polizeiinspektion befindet. Da können die Einsatzkräfte schon mit einem „Hurra“ herausstürmen.

Auf dieser Seite befand sich auch einmal eine Filiale der Spardabank. Genau darunter befindet sich der Supermarkt Spar. Und hier befindet sich auch der westliche Aus- und Eingang zum Bahnhof. Wenn man hier vor das Gebäude tritt, kommt man links zum Terminaltower mit dem Finanzamt und der Pensionsversicherungsanstalt. Weiters kommt man zum Postamt.

Ebenfalls, nur einige Meter entfernt, befindet sich der Eingang zur Polizeiinspektion. Die Tür ist links und rechts mit schweren und dicken Säulen abgesichert. Der Grund ist eigentlich sehr simpel. Wenn Passanten hier vorbeikommen, müssen sie der Tür weit ausweichen. Und wenn die Polizei bei einem Einsatz die Tür schnell aufreißen muss, kann sie niemanden treffen. Logischerweise muss die Tür nach außen aufgehen.

Anmerkung: Bei meiner Tätigkeit in der Erwachsenenbildung war ich auch sehr lange in der Muldenstraße tätig. Dieser alte Vierkanter hat sehr viele schmale Gänge und alle Türen gehen nach außen auf. Bei einer Pause riss ein Teilnehmer die Tür auf und man hörte nur mehr ein krachen. Einige Personen standen verdattert herum und einer lag wie ein Käfer am Boden. Neben meinem EDV-Raum befand sich die Übungsfirma und die wurde gerne von ausländischen Schulungseinrichtungen besucht. Der Käfer am Boden war der Gewerkschaftsboss von Moskau. Unser Betriebsrat ist damals viele Tode gestorben. Damals ist der Begriff „Getürlt“ entstanden und hat sich bis heute gehalten. Und damit bei der Polizeiinspektion beim Bahnhof niemand „Getürlt“ wird, ist die Tür abgesichert.

Wenn man vom westlichen Zugang bei der TBI nach rechts geht, kommt man zu einem sehr großen Aufmerksamkeitsfeld. Bei diesem Feld steht das erste Taxi beim Haupteingang. Hier befindet sich auch eine Notrufsäule.

Somit sind wir wieder beim Haupteingang und an Ende der Führung angelangt.

Diese Führung war auch eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen. Schließlich haben sich hier verschiedene Einrichtungen getroffen um gemeinsam vielleicht etwas neues kennenzulernen. Waren doch freiraum-europa, die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, die Blindenpastoral, das RISS und Mitglieder des BSV vertreten.

Da wir uns auch als Botschafter der Blinden und Sehbehinderten verstehen, gab es anschließend auch einen gemütlichen Abschluss in der People Bar. Da in diesem Lokal oft Blinde und Sehbehinderte verkehren, ist hier der Umgang mit dieser Gruppe für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kein Problem. Das gilt auch für das Stellwerk oder die Bäckerei Kandur. Auch hier sind Blinde und Sehbehinderte als Brückenbauer unterwegs. Nur so kann man die Öffentlichkeit sensibilisieren. Die Blinden und Sehbehinderten müssen zu den Menschen gehen und nicht umgekehrt. Wir wollen doch etwas von ihnen.

Ich werde bei meinen Veranstaltungen dieses Konzept beibehalten. Es funktioniert sehr gut.

Wir bedanken uns bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Veranstaltung und hoffen, es hat ihnen genauso viel Spaß gemacht wie uns.

© Juli 2022 by Gerhard Hojas

Blinde Künstler und ihre erstaunlichen Werke

Zehn bildende Künstler, die komplett blind oder stark sehbehindert sind!

Blinde Musiker kennt man. Stevie Wonder, Ray Charles und Andrea Bocelli – um nur einige zu nennen. Aber blinde Bildhauer und Maler? Menschen, die ihre Werke nicht sehen können? Geht das überhaupt?

Ja, das geht!

Eşref Armağan sieht mit den Fingern

Der Istanbuler Künstler Eşref Armağan ist ein wissenschaftliches Phänomen. Forscher ließen ihn zeichnen, während er im Kernspintomographen lag. Das Ergebnis: Obwohl Armağan von Geburt an blind ist und die Farben und Formen der Welt nie gesehen hat, entsprechen seine Hirnaktivitäten beim Malen denen eines Sehenden.

Was Armağan zu Papier bringt ist nicht abstrakt, sondern gegenständlich. Seine Methode: Erst ertastet er sich das Objekt, das er abbilden möchte. Dann benutzt er seine Finger, um es darzustellen. 2009 malte er für Volvo den S60. Wie er das gemacht hat, zeigt ein Youtube-Film:

  1. K.O. Götz und sein „Bild für BILD“

Von Karl Otto Götz lernte einst Gerhard Richter, einer der teuersten Maler der Gegenwart. Im Februar wurde Götz 100 Jahre alt. Seit er vor drei Jahren erblindete, sieht er von der Welt nichts mehr. Doch dass vor seinem inneren Auge noch immer die prächtigsten Werke entstehen, bewies er mit seinem „Bild für BILD“. Wie er das hinbekam? „Was ich vorhabe, ist immer vorher in meinem Kopf“, erklärt K.O. Götz. „Dann kommt es auf die Schnelligkeit an, mit der ich die Pinselhiebe ausführe.“

  1. Dario Malkowski (88): Blinder Bildhauer mit Staatsexamen

Am Morgen des 19. November 1944 verlor Dario Malkowski sein Augenlicht. Eine Granate riss dem jungen Soldaten aus Schönebeck (Sachsen-Anhalt) das halbe Gesicht weg. Dann wurde es dunkel – und nie wieder hell. Trotzdem absolvierte er nach dem Krieg eine Ausbildung zum Holzschnitzer. Bei einer Ausstellung gefielen seine Werke den Offiziellen im DDR-Bezirk Magdeburg so sehr, dass sie ihn mit einem Stipendium ausstatteten – nicht wissend, dass er blind ist. Doch die Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg schickte ihn direkt wieder nach Hause. Malkowski blieb hartnäckig und setzte sich durch. Schließlich durfte er studieren und schaffte seinen Abschluss. Seither arbeitet er als freier Bildhauer.

Seine Werke kann man auf der ganzen Welt betrachten. In der Washingtoner Kongressbibliothek für Blinde und Sehbehinderte zum Beispiel, aber auch in Athen, Leipzig, Wien, Petersburg und Paris.

Malkowski schuf unter anderem die Preisskulptur des Deutschen Hörfilmpreises. Das drei Kilogramm schwere Bronzerelief trägt den Namen „Die Lauschende“

  1. Ricky Trione fand die Farben erst, als er blind war

Früher zeichnete Ricky Trione vorwiegend in Schwarz und Weiß. Auf seiner Homepage zeigt er die Bilder: feine Striche, klare Linien. Doch dann ereilten ihn zwei unglaubliche Schicksalsschläge im Abstand weniger Jahre. 1993 wirbelte ein Holztransporter einen Stein auf. Er flog durch das offene Fenster von Triones Auto, traf ihn am linken Auge. Sieben Jahre später verlor er bei einem ähnlichen Unfall auch noch sein rechtes Auge, als ihn ein Reifenteil eines vorbeifahrenden Trucks im Gesicht traf.

Trione überwand Trauer und Niedergeschlagenheit und ging wieder ans Werk. Wegen seiner Blindheit musste er allerdings seine Arbeitsweise ändern. Er malt jetzt bunt und arbeitet teilweise kleine Skulpturen in die Bilder ein. Warum? Damit er die Farbschichten spürt, die er mit den Fingern auf dem Papier verteilt. Trione: „Es gibt so viele Wege, unsere anderen Sinne zu benutzen.“

  1. Die Kunst brachte John Bramblitts Leben wieder in Form

Auch John Bramblitt muss die unterschiedliche Beschaffenheit der Farben an den Fingern spüren, um sich auf der Leinwand zurecht zu finden. Er erblindete 2001 infolge seiner Epilepsie. Damals fühlte er sich allein und ausgestoßen, seine Zukunft schien in Scherben zu liegen. Dann entdeckte er die Malerei für sich und schöpfte neuen Mut. Er sagt: „Die Kunst hat mein Leben wieder in Form gebracht.“ Heute gibt er Kurse und ist auch als Buchautor erfolgreich.

  1. Silja Korn ist

    erfolgreiche Fotografin

Aktuell werden die Fotografien von Silja Korn (48) in der ungarischen Botschaft in Berlin ausgestellt. Und Ende des Jahres kommen sie in die Sammlung der Ungarischen Nationalgalerie. Das Besondere daran: Die erfolgreiche Fotografin ist seit ihrem 17. Lebensjahr blind! Bei einem Autounfall erlitt sie schwere Augen-Verletzungen. Eine Fotografin brachte ihr vor neun Jahren den Umgang mit einer Kamera bei. Ihre Foto-Motive wählt Silja Korn mit den Händen oder den Ohren.

  1. Felice Tagliaferri verbietet, seine Kunst NICHT anzufassen

Seit er 14 Jahre jung ist, kann Felice Tagliaferri (heute 41) nicht mehr sehen. Mit seinen Händen schafft der gelernte Restaurateur wunderschöne Skulpturen mit feinen Details. Besonders berühmt ist seine Figur des liegenden Jesus Christus: eine Nachbildung des Originals von Giuseppe Sanmartino aus dem Jahr 1753. Tagliaferri war verboten worden, das Original mit seinen Händen zu berühren. Also schuf er seinen eigenen liegenden Jesus, ganz ohne das Original anzufassen. Nur mit mündlichen Hinweisen.

Der Jesus von Tagliaferri ist athletischer und besitzt trotzdem erstaunliche Details. „Es ist verboten, ihn NICHT anzufassen“, sagt Tagliaferri.

Tagliaferri arbeitete in Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland. Seine Werke wurden auch außerhalb dieser Länder gezeigt. Ein Museum an der italienischen Ostküste hat Tagliaferri-Skulpturen eine ganze Sektion gewidmet. Außerdem gibt er Kunstworkshops für blinde und sehbehinderte Menschen.

  1. Keith Salmon wurde als Landschaftsmaler ausgezeichnet

Die Berge und das Malen. Diese zwei großen Leidenschaften hatte der Brite Keith Salmon (54) schon immer. Dann nahm seine Sehkraft plötzlich rapide ab. Der Grund: Diabetes. Auf dem linken Auge ist er mittlerweile komplett blind, rechts kann er nur noch Schemen erkennen. Trotzdem wandert Salmon immer noch in den Bergen. Und er malt auch weiter. 2009 erhielt er den mit 20 000 Pfund (25 000 Euro) dotierten Jolomo-Preis für seine atmosphärischen Bilder der schottischen Landschaft. Keith Salmon: „Ich male mit dicken Pinseln, trage Farbschicht um Farbschicht auf und kratze schließlich mit einer stumpfen Klinge wieder Farbe ab.“ Auf diese Weise erscheinen seine Werke filigran – auch wenn er selbst kaum Details wahrnehmen kann.

  1. Albert Schmiege muss um

    die Ecke malen

Wenn Albert Schmiege sehen will, was er mit rechts macht, muss er nach links schauen. Der US-Amerikaner leidet an Morbus Stargardt, einer seltenen Netzhaut-Erkrankung. Was direkt vor ihm passiert, bleibt ihm verschlossen. Lediglich an den Rändern seines Sichtfelds kann er Dinge erkennen – aber auch das nicht gut. „Es fing 1985 an, ich war 24 Jahre alt“, berichtet er. „Meine Kinder waren noch klein, und das härteste für mich war, dass ich nicht mehr in der Lage war, ihren Gesichtsausdruck zu sehen.“

Schmiege musste seine Arbeit aufgeben, fand sich in der Welt nicht mehr zurecht. Doch eines gab er nicht auf: seine Malerei. „Das ist etwas, das ich ganz für mich allein tun kann. Ich male im Keller, muss dafür nicht raus. Zu Malen bedeutet für mich, Unabhängigkeit zu erreichen.“ Mittlerweile hat es Schmiege zu einiger Bekanntheit in den USA gebracht. Er sagt: „Ich bin auf viele Arten gesegnet.“

  1. Sanja Fališevac ist taub und blind

Zuerst verlor Sanja Fališevac (49) aus Zagreb (Kroatien) ihr Augenlicht – und dann wurde sie auch noch taub. Wer mit ihr kommunizieren möchte, muss ihr Botschaften auf die Handfläche streicheln. Aber das hat sie nicht davon abgehalten, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Sie ist eine erfolgreiche Künstlerin. In ihrem Atelier zeigt sie stolz die zahlreichen, zauberhaften Skulpturen, die sie in ihrer Phantasie erschaffen und mit ihren Händen geformt hat.

 

 

Wallfahrt zur heiligen Ottilie am Kollmitzberg im Mostviertel am 11.06.2022

Am Samstag, 11.06.2022 war es wieder so weit. Eine Gruppe Wallfahreinnen und Wallfahrern der Blindenpastoral Linz unter der Leitung von Monika Aufreiter machte sich auf dem Weg nach Amstetten in Niederösterreich. Das genaue Ziel war die Kirche am Kollmitzberg der Heiligen Ottilie.

Um 08:00 Uhr ging es mit dem Reisebus der Firma Hehenberger und der beliebten Busfahrerin Renate, vom Treffpunkt beim Stellwerk Café Bistro am HBF Linz los. Beim Bahnhof Amstetten wurde ein kurzer Stopp eingelegt, da 4 weitere Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Richtung Wien kommend im Bus zustiegen. Darunter auch die Leiterin des Blindenapostolats Österreich, Henriette Etzenberger.

Bei der Ankunft in Kollmitzberg wurden wir schon vom Leiter des Blindenapostolats St. Pölten, Heinz Kellner und von Hermine Mittermair erwartet.

Etwas zu Kollmitzberg:

Kollmitzberg liegt in der Marktgemeinde Ardagger an der Moststraße und gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte weit und breit. Man genießt hier nahezu freie Sicht in alle Himmelsrichtungen – vom Schneeberg bis zum Traunstein und über das Donauland bis weit ins böhmische Massiv. Der 469 m hohe Berg ist ein Ausläufer des böhmischen Massivs auf dem rechten Donauufer. Verschwommene Verwallungen zeigen, dass der Kollmitzberg als Ganzes einmal eine Wallburg gewesen sein dürfte (laut Bodenforschungen des Bundesdenkmalamtes). Auch die Kirche war einst eine Wehrkirche. Ihr Turm hat 2 m dicke Mauern. Auf gut übersichtlichen Plätzen hatte man früher Beobachtungsstände, die dazu errichtet waren, Feinde so früh wie möglich zu erkennen.

Um 09:45 Uhr wurde in der Wallfahrtskirche mit unserem Blindenseelsorger Franz Lindorfer die Heilige Messe gefeiert. Hier gilt ein besonderer Dank Herrn Reinhard Amon.  Er ist kurzfristig als Organist eingesprungen und hat mit seinem fabelhaften Orgelspiel alle Anwesenden erfreut.

Anschließend erklärte Hermine Mittermair die Geschichte der Wallfahrtskirche und zur heiligen Ottilie, die Schutzpatronin der Sehbehinderten und Blinden.

Die weithin sichtbare Wallfahrtskirche zur Heilligen Ottilie am Kollmitzberg in der Marktgemeinde Ardagger im Bezirk Amstetten wurde 1260 erstmals erwähnt und gilt bereits seit dem Mittelalter als beliebte Pilgerstätte. Sie ist die einzige der heiligen Ottilie geweihte römisch-katholische Wallfahrtskirche in Österreich und gehört zum Dekanat Amstetten in der Diözese St. Pölten.

Die Kirche hat ein gotisches Presbyterium mit Maßwerkfenstern und Netzrippen sowie einem Sakramentshäuschen und einer Ottilien-Statue. Seit 1691 finden Wallfahrten zur heiligen Ottilie statt, die besonders bei Augenleiden angerufen wird.

Etwas zur Ausstattung der Kirche:

Ottilienaltar:

Gegenüber dem Südeingang befindet sich der Ottilienaltar mit einer geschnitzten, vergoldeten, spätgotischen Sitzplastik der Kirchenpatronin entstanden um 1500. Sie zeigt die Schutzpatronin gegen Augenleiden mit ihrem Attribut, der geöffneten Bibel mit einem Augenpaar. Wahrscheinlich war die Figur Teil eines größeren gotischen Flügelaltars, welcher aber in der Barockzeit abhanden kam.

Deckenbilder:

Die Deckenbilder im Langhaus stammen vom Wiener Maler Franz Pitza. Sie wurden im Jahr 1955 geschaffen und zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Ottilia.

Sakramentshäuschen:

Die Schmiedeeisentür des 6 m hohen Sakramentshäuschens an der nördlichen Chorwand zeigt die Jahreszahl seiner vermutlichen Entstehung 1492. Es diente zur Aufbewahrung der geweihten Hostien, verlor aber dann seine Funktion im Zuge der liturgischen Neuordnung im Konzil von Trient.

Die heilige Ottilie:

Die heilige Ottilia lebte vor rund 1300 Jahren im Elsass. Sie wurde blind geboren – was damals wohl ein noch schlimmeres Schicksal als heute bedeutete. Im Augenblick ihrer Taufe soll sie dann aber, so heißt es, auf wunderbare Weise ihr Augenlicht erlangt haben. Später wurde Ottilia Äbtissin und stand zwei Klöstern vor. Der Kult der inzwischen Heilig gesprochenen Ottilia als Helferin bei Augenleiden war im Mittelalter vor allem in Süddeutschland weit verbreitet.

Die Legende berichtet, dass ihr als gewalttätig bekannter Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte und durch eine Amme in das Kloster Palma – wohl das heutige Baume-les-Dames am Doubs – bringen ließ. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie

Auch dem Ottilienwasser, das auf dem Kollmitzberg entspringt, wird eine heilende Wirkung zugesprochen, die vor allem Augenleiden lindern soll.

Nach diesen interessanten Einblicken und Eindrücken machten wir uns  bereit zum Abgang zum Augenblickeweg.

Der Kollmitzberg selbst stellt aufgrund seiner weiträumigen Sichtbarkeit einen regionalen Blickpunkt sowie einen Aussichtspunkt dar, der ein 360 Grad-Panorama bietet.

Vor diesem Hintergrund wurde der „Augenblicke“-Themenweg angelegt. In acht Stationen sind die Besucher eingeladen, auf dem Kollmitzberg besondere Augenblicke zu erleben. Bei der ersten Station in der Wallfahrtskirche geht es um den „Blick ins Innere“. Zweite Station ist der „Donaublick“ mit Panorama zum Donautal, Machland und Strudengau, gefolgt vom „Blick nach oben“ auf der Bergkuppe des Kollmitzbergs: ein idealer Ort, um das Wetterphänomen Wind genauer zu erforschen.

Nächste Station ist der „Heilende Augen-Blick“ am Augenbründl der Heiligen Ottilia in der Nähe des Feuerwehrhauses. Jedenfalls warteten auf uns noch folgende Blicke: „Alpenblick“, „Seitenblick“, „Blick nach unten“ und „Blick zurück“. Entlang des Weges gab es viele Bänke zum Entspannen sowie Fernrohre, um das Rundum-Panorama in vollen Zügen genießen zu können.

Weniger beschaulich, aber dafür sehr unterhaltsam geht es am Kollmitzberg an einem Wochenende im September zu: dann findet der traditionsreiche Kollmitzberger Kirtag mit knapp 300 Ausstellern und über 30.000 Besuchern statt! Übrigens: der Kirtag dauerte im 17. Jahrhundert bis zu 14 Tage. Unter anderem kamen an die 100 Schuster aus dem ganzen Land, boten ihr Schuhwerk an und kauften Rohleder von Händlern. Aus dieser Zeit stammt der Begriff „Schusterkirtag“. Eine spezielle Schuh-Kunstinstallation am Rand des Themenweges erinnert daran.

Jetzt hatten wir uns eine gemütliche Rast und ein gutes Mittagessen im Gasthof zur Donaubrücke verdient. Dieser befindet sich mitten im malerischen Donautal, an der Donaubrücke, welche das Mostviertel mit dem unteren Mühlviertel verbindet. Von hier kann man den unvergesslichen Blick auf die Stadt Grein und das Schloss Greinburg genießen. Auch führt der Donauradwanderweg Passau – Wien direkt hier vorbei.

Was haben „Grüne Hoyerswerder, Frühe Schweizerbergamotte, Grüne Magdalene, Kleine Muskateller, Herzogin von Angouleme oder Stuttgarter Gaishirtle“ gemeinsam? Sie sind, wie die „Müskierte Pomeranzenbirne“ alles Birnensorten. Das konnten wir alles nach unserer Rast lernen.

Da wir uns im Zentrum der niederösterreichischen Moststraße befanden, war unser nächster Programmpunkt das MostBirnHaus. Hier erfuhren wir alles über die Birne. Von der Blüte bis zum fertigen Produkt konnten wir alle Schritte miterleben. Aber auch das Leben mit der Birne wurde uns kurzweilig und interessant nähergebracht.

In der Ausstellung eingebunden ist auch das „God’n Haus“.

Im Mostviertel nahmen die God’nleute (Taufpaten) traditionellerweise eine wichtige Rolle im Familienleben ein. Sie standen dem Täufling in vielen Lebensfragen zur Seite und warfen ein achtsames Auge auf das Kind. Am God‘ntag wurden Bekannte und Verwandte eingeladen und es gab immer nur besonderes Geschirr, Most und Essen.

Auch uns hat die God’n zum geselligen God‘ntag in ihr kleines Häuschen eingeladen. Der Tisch war gedeckt und man hatte das Gefühl, dass im nächsten Augenblick die komplette Verwandtschaft auf Besuch zur God’n kommt. Jedenfalls war es ein faszinierender Besuch in der Vergangenheit.

Ebenso der Besuch im Mostkeller. Man musste eine schmale und steile Treppe hinuntersteigen. Und dabei, wie es früher so war, den Kopf einziehen. Dann stand man in einem wunderbaren gemauerten Gewölbe. Es war alles vorhanden. Die Mostfässer, die Mostflaschen und alles, was in solchen Räumlichkeiten vorkommen muss. Was ich persönlich nicht fand, war eine Mostpippn oder Gärgläser. Aber was sofort in die Nase Stach, war der typische Geruch solcher Keller. Den vergisst man sein Leben nie mehr.

Anschließend gab es eine Birnenmostverkostung und natürlich auch eine Saftverkostung in der „Spezerei“.

„Spezerei“ ist ein heute kaum gebräuchlich aus dem Mittelhochdeutschen stammender Begriff für Gewürzwaren. Er wurde auch für Lebensmittel- oder Gemischtwarenläden verwendet.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch das Stift Ardagger. Ob die spätromanische Architektur, der einzigartige Kreuzgang, die unterirdische Säulenkrypta oder das Margaretenfenster, das bedeutendste Glasgemäldefenster der Romanik, dieses Stift ist ein vielfältiger Genuss und immer einen Besuch wert.

Auch diese Wallfahrt hatte einmal ein Ende und so kamen wir, zwar etwas müde und erschöpft, Samstag abend pünktlich beim HBF Linz an.

Es war ein gelungener und lehrreicher Tag. Der ohne der Organisation und Leitung von Monika Aufreiter, so nicht möglich gewesen wäre. Ein Danke an Franz Lindorfer für seine Messen, die immer zum Nachdenken anregen. Auch ein Danke an Reinhard Amon für sein tolles Orgelspiel. Und ein besonderer Dank gilt Hermine Mittermair für ihre Führungen und Erklärungen, die maßgeblich am Gelingen des Tages beitrugen. Ebenfalls ein Danke an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus St. Pöten und Wien, die sich den Oberösterreichern anschlossen.

Und natürlich ein großer und besonderer Dank an die Begleitpersonen. Ohne denen wären solche Unternehmungen nicht möglich. Natürlich darf man Renate, unsere Busfahrerin nicht vergessen, auch ihr ein Danke.

Bei der Recherche für diesem Bericht bin ich auf das „MostWiki“ gestoßen.

Link zum MostWiki: https://www.mostwiki.at/

© Juni 2022 by Gerhard Hojas

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